Überlebt Exekution

Hinrichtung von Satanisten nach zwei Giftspritzen gescheitert

Frau mit lockigem Haar posiert für ein polizeiliches Erkennungsfoto vor Messlatte.
© APA/AFP/Tennessee Department of
Ein historischer Zwischenfall im US-Bundesstaat Tennessee sorgt für weltweites Aufsehen und wirft schwere Fragen zur Todesstrafe auf. Trotz der Verabreichung von zwei Dosen tödlicher Chemikalien schlug das Herz der verurteilten Mörderin Christa Gail Pike weiter.
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Am Mittwochabend sollte das Todesurteil an Christa Gail Pike in einem Hochsicherheitsgefängnis in Nashville vollstreckt werden. Pike war im Jahr 1996 zum Tode verurteilt worden, nachdem sie gemeinsam mit ihrem damaligen Freund ihre Mitbewohnerin Colleen Slemmer aus einem Ausbildungszentrum in Knoxville gequält und getötet hatte. Dem Opfer war damals ein Pentagramm, ein bekanntes satanistisches Symbol, in die Brust geritzt worden.

Der Exekutionsversuch nahm jedoch eine beispiellose Wendung. Nach der Verabreichung der ersten und selbst nach einer zweiten Dosis der tödlichen Injektion atmete die Insassin weiter. Zeugen der Hinrichtung berichteten übereinstimmend, dass die Frau lediglich laut schnarchte, anstatt das Bewusstsein dauerhaft zu verlieren. Die Verantwortlichen brachen den Vorgang schließlich ab. Ein Einsatzfahrzeug brachte Pike aus der Haftanstalt direkt in ein Spital. Nach Angaben des renommierten Death Penalty Information Center existiert in der US-Geschichte kein vergleichbarer Fall, bei dem eine verurteilte Person überlebte, nachdem die Hinrichtungspräparate tatsächlich injiziert worden waren.

Rechtsmediziner analysiert die Pannen-Möglichkeiten

Über die genauen medizinischen Vorgänge herrscht großes Rätselraten. Rechtsmediziner Sebastian Kunz vom Universitätsklinikum Ulm ordnet das Geschehen fachlich ein. "Normalerweise tritt nach der Verabreichung des Mittels innerhalb weniger Minuten eine Lähmung der Atmung ein, die zum Tod führt", hält der Experte fest. Dass eine Person nach zwei vollen Dosen weiterlebe, deute auf gravierende Unregelmäßigkeiten hin.

Folgende Faktoren könnten nach Einschätzung von Experten für das Versagen der Exekution verantwortlich sein:

  • Mangelhafte Wirkstoffqualität: Tennessee verwendet das Barbiturat Pentobarbital, ein früheres Narkosemittel, das mittlerweile hauptsächlich in der Tiermedizin zum Einschläfern genutzt wird. Da reguläre Hersteller die Lieferung für Hinrichtungen verweigern, greifen US-Bundesstaaten auf spezialisierte Apotheken zurück.
  • Geheime Bezugsquellen: Woher Tennessee seine Präparate bezieht, unterliegt strenger Geheimhaltung. Verunreinigungen, ein abgelaufenes Ablaufdatum oder falsche Lagertemperaturen können die Wirksamkeit massiv beeinträchtigen.
  • Verstopfte Leitungen: Rechtsmediziner Kunz betont ein weiteres Risiko: "Das kann zu einer Verstopfung des Venenzugangs geführt haben, sodass nicht mehr genügend Wirkstoff in den Körper gelangt ist."
  • Falsche Dosierung: Denkbar sei laut Kunz auch eine fehlerhafte Mengenberechnung: "Unter Umständen wurde so zu wenig Wirkstoff gegeben, um einen Atemstillstand auszulösen."

Komplikationen bei der Venenpunktion

Zusätzlich steht die Platzierung der Infusionsnadeln im Mittelpunkt der Kritik. Wenn Venen brüchig sind oder sich die Nadel durch Muskelkontraktionen verschiebt, gelangt das Pentobarbital nicht in die Blutbahn, sondern in umliegendes Fett- oder Muskelgewebe. In diesem Fall wird die lebensbeendende Wirkung verzögert oder nahezu vollständig verhindert.

Pike selbst hatte während des Vorgangs geklagt, dass sich die Vene in ihrem Arm anspannte, als würde sie jeden Moment platzen. Ihre juristischen Vertreter hatten die Behörden bereits im Vorfeld der Exekution ausdrücklich vor schwierigen Venenverhältnissen sowie vor potenziell zersetztem Pentobarbital gewarnt.

Sofortiger Hinrichtungsstopp in Tennessee

Während die Gefängnisbehörde beteuert, das offizielle Exekutionsprotokoll bis ins Detail eingehalten zu haben, zog die Politik unverzüglich Konsequenzen. Gouverneur Bill Lee ordnete umgehend eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls an. Zugleich wurde die letzte für dieses Jahr angesetzte Hinrichtung von Gary Wayne Sutton, die für den 3. Dezember geplant war, mit sofortiger Wirkung gestoppt. Für Tennessee ist dies bereits das zweite schwere Exekutionsdebakel im laufenden Jahr: Bereits im Mai musste die Hinrichtung von Tony Carruthers abgebrochen werden, weil das Personal keinen funktionierenden zweiten Venenzugang legen konnte.

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