Klimawandel

Hitze und Trockenheit: Das sind die besten Obstbäume für Ihren Garten

marillen_ernte_
© APA/NIEDEROESTERREICH WERBUNG
Angesichts zunehmender Hitzeperioden und extremer Wetterlagen stehen Gartenbesitzer vor einer großen Herausforderung bei der Baumauswahl. Welche Obstbäume die besten Zukunftsaussichten haben, erklärt ein führender Experte.
OE24 auf Google bevorzugen

Apfel- und Birnenbäume galten im heimischen Garten über Generationen hinweg als die absolut sichere und verlässliche Wahl für eine reiche Ernte. Doch wer heuer einen neuen Obstbaum pflanzt, muss in ganz anderen Zeiträumen denken als früher: Eine solche Investition wird für die nächsten 20 oder gar 30 Jahre getätigt. Genau in diesem Zeithorizont könnte in unseren Gärten ein radikales Umdenken nötig werden. Hitzewellen, extreme und lang anhaltende Trockenphasen sowie plötzliche, heftige Starkregenperioden setzen den traditionellen heimischen Obstbäumen immer stärker zu und schwächen ihre Widerstandskraft.

Wer für die Zukunft pflanzen will, sollte sich daher rechtzeitig anpassen. Der renommierte Obstbau-Experte Eike Lüdeling von der Universität Bonn rät Gartenbesitzern zu einem bewussten Blick über die Grenzen hinaus. Seine Empfehlung lautet ganz klar: "Tendenziell ein bisschen Richtung Süden schauen." Das bedeutet, dass wärmeliebende Baumarten, die man bisher eher mit dem Mittelmeerraum verbunden hat, in unseren Breiten eine immer wichtigere Rolle einnehmen werden.

Mediterrane Früchte erobern die heimischen Gärten

Feigen, saftige Marillen, Nektarinen oder knackige Mandeln kennt mancher bisher vor allem aus dem Urlaub im Süden. Doch durch die spürbar steigenden Durchschnittstemperaturen werden diese wärmeliebenden Arten auch für den eigenen Anbau im heimischen Garten immer interessanter. Das milde Klima bietet diesen Sorten zunehmend hervorragende Wachstumsbedingungen. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich nun jeder Garten im Handumdrehen in ein mediterranes Paradies verwandeln lässt, denn diese Bäume bringen auch ganz spezifische Schwachstellen mit sich.

Besonders empfindlich reagieren die südländischen Exoten auf plötzlichen, harten Frost und unvorhersehbare, extreme Wetterkapriolen im Winter und Frühjahr. Zudem bringt der Klimawandel nicht einfach nur mehr Sonnenschein und wohlige Wärme. Das weitaus größere Problem ist die Tatsache, dass sich bestimmte Wetterlagen über Wochen hinweg festsetzen können:

  • Wochenlange Trockenheit schwächt die Bäume massiv und macht sie anfällig für Schädlinge.
  • Dauerhafte, feuchte Wetterphasen hingegen fördern die Ausbreitung von gefährlichen Pilzkrankheiten.
  • Einen perfekten "Superbaum", der mit absolut jedem Wetterextrem spielend zurechtkommt, gibt es laut dem Experten schlichtweg nicht.

Die Rolle der Bienen: Entwarnung für die Bestäubung

Eine Frage, die viele Hobbygärtner im Zuge des Klimawandels umtreibt, betrifft die Bestäubung der Blüten. Was passiert mit der lang ersehnten Obsternte, wenn die wichtigen Bestäuberinsekten unter den veränderten Umweltbedingungen leiden? Hier kann der Experte Eike Lüdeling teilweise Entwarnung geben. Nicht jede Obstsorte im Garten ist zwingend auf den Besuch von Insekten angewiesen: Beliebte Nussbäume wie Walnüsse und Haselnüsse werden beispielsweise rein durch den Wind bestäubt.

Bei Obstsorten wie Äpfeln und Kirschen hingegen ist die Fremdbestäubung durch Insekten überlebenswichtig für den Fruchtertrag. Dennoch sei nicht damit zu rechnen, dass Bienen und andere Bestäuber von heute auf morgen vollständig verschwinden. Die heimische Landschaft ist nach wie vor vielfältig genug, um den Insekten ausreichend Lebensraum zu bieten. Als zusätzliche Unterstützung im Garten können zudem selbstbestäubende Sorten gepflanzt werden, wenngleich auch diese nachweislich von einem zusätzlichen Besuch fleißiger Bienen profitieren.

Die besten Tipps für eine erfolgreiche Ernte der Zukunft

Wer heuer einen jungen Baum setzt, muss vor allem bei der Wasserversorgung absolut kompromisslos sein. In den ersten Standjahren hat ein junger Baum noch kein ausreichend tiefes Wurzelsystem ausgebildet, um Trockenphasen aus eigener Kraft zu überstehen – regelmäßiges Gießen ist daher Pflicht. Darüber hinaus empfiehlt es sich, für besonders wärmeliebende Arten wie Feigen oder Mandeln einen geschützten Standort auszuwählen, beispielsweise an einer nach Süden ausgerichteten Hauswand, die nachts gespeicherte Wärme abgibt.

Ein weiterer entscheidender Trick für die Zukunft ist die gezielte Auswahl von spät blühenden Sorten. Da Spätfröste im Frühjahr die gesamte Blüte und damit die Ernte eines ganzen Jahres mit einem Schlag vernichten können, verringern spät blühende Obstbäume dieses Risiko enorm. Zuletzt rät der Experte dazu, im Zweifel lieber auf robuste, widerstandsfähige Züchtungen zu setzen, anstatt den klassischen, empfindlichen Supermarkt-Apfel im eigenen Garten anzubauen. Dies spart langfristig nicht nur Pflegeaufwand, sondern reduziert auch den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln im eigenen grünen Reich.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden