Im Südlibanon

Israel meldet Einnahme der Burg Beaufort

LEBANON - APRIL 12: (----EDITORIAL USE ONLY - MANDATORY CREDIT - 'KOBI GIDEON - GPO / HANDOUT' - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS----) Prime Minister of Israel Benjamin Netanyahu visits an Israeli military unit stationed in the occupied territory of southern Lebanon on April 12, 2026. (Photo by Kobi Gideon - GPO/Anadolu via Getty Images)
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Israelische Flagge über mittelalterlicher Kreuzritterburg gehisst - Israel weitet Militäroffensive im Südlibanon aus
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Israels Armee hat nach eigenen Angaben ihren Einsatz im Südlibanon ausgeweitet und im Rahmen einer Bodenoffensive die Burg Beaufort eingenommen. Über der Burg wurde die israelische Flagge gehisst.

"Wir sind vereint, entschlossen und stärker denn je zurückgekehrt", kommentierte Regierungschef Benjamin Netanyahu die Einnahme in einer Videobotschaft. Zugleich riefen die israelischen Streitkräfte zur Evakuierung sämtlicher libanesischer Gebiete südlich des Flusses Zahrani auf.

Netanyahu erklärte, er habe das Militär angewiesen, das Bodenmanöver auszuweiten, um den Druck auf die ehemals von der pro-iranischen Hisbollah-Miliz beherrschten Gebiete zu erhöhen. Indes wurden bei einem israelischen Luftangriff in der Nähe eines Krankenhauses in Tyros im Südlibanon 13 Mitarbeiter verletzt. Das meldete das libanesische Gesundheitsministerium am Sonntag.

Besetzung libanesischen Territoriums

Im Hinblick auf die Ausweitung der israelischen Militäreinsätze forderte Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. "Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen", sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot dem Sender BFMTV. Die Sitzung könnte laut AFP-Informationen am Montag stattfinden.

Bedeutung der Einnahme von Beaufort

Bei der Einnahme von Beaufort handle es sich trotz einer vor mehr als sechs Wochen vereinbarten Waffenruhe um einen bedeutenden Vorstoß gegen die Hisbollah. Allerdings sei bei den Kämpfen ein israelischer Soldat getötet worden, wie das Militär am Sonntag mitteilte. Ziel der Offensive sei es, die Kontrolle über die Beaufort-Hügelkette und das Gebiet Wadi al-Saluki zu sichern, sowie die dortige Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören. Die Stellung sei den Streitkräften zufolge unter iranischer Anleitung aufgebaut worden. Von dort aus hätte die Hisbollah Hunderte Geschosse gegen Israel abgefeuert. Zudem erfolgte laut dem Militär ein Einsatz israelischer Truppen nahe der Hisbollah-Hochburg Nabatäa.

Transport von Kämpfern

Die mittelalterliche Kreuzritterburg Beaufort ist aufgrund ihrer Lage mit Blick über den Südlibanon und den Norden Israels ein strategisch wichtiger Punkt. Rund um die Festung war am Sonntag Artilleriefeuer zu hören, Rauch stieg auf. Die israelische Nachrichtenseite "Walla" schrieb, Israels Armee könne von der Burg Beaufort aus schnell Bewegungen der Hisbollah erkennen und die Miliz in dem Fall angreifen. Israels militärische Präsenz in der Gegend werde für die Hisbollah den Transport von Kämpfern, Munition und anderen Gütern erheblich erschweren. Daher sei der Verlust dieses strategisch wichtigen Punktes für die pro-iranische Miliz schmerzhaft.

Die Burg war bereits in einem früheren Libanon-Krieg im Jahr 1982 Schauplatz von Kämpfen. Sie wurde damals von der israelischen Armee unter großen Verlusten eingenommen. Bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 nutzten israelische Truppen die Burg als Stützpunkt, dann sprengten sie den Außenposten Beaufort. Die israelische Besatzung der Festung kam 2007 mit dem Kriegsfilm "Beaufort" in die Kinos.

Israel weitet Einsatz im Libanon aus

Verteidigungsminister Katz sagte, die israelische Armee habe unter Führung von Regierungschef Benjamin Netanyahu "ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen". Dies diene der Verteidigung der Ortschaften in Galiläa im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten.

Zugleich rief die israelische Armee die Bewohner aller libanesischen Gebiete südlich des Flusses Zahrani dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. "Bewohner des südlichen Libanon, Sie müssen sich sofort nördlich des Zahrani begeben", erklärte der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X. Israel verstärke seine Operationen gegen die Hisbollah, hieß es zur Begründung. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Waffenruhe Mitte April gegeben.

Die israelische Armee meldete unterdessen erneut Beschuss aus dem Libanon und den Tod eines weiteren Soldaten im Südlibanon. In Nordisrael heulten mehrfach die Warnsirenen. Ein 21-jähriger Unteroffizier sei am Samstag von einer Sprengstoffdrohne der Hisbollah getötet worden, erklärte ein Armeesprecher. Seit Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen Israel und der Hisbollah am 2. März wurden nach israelischen Angaben 25 Israelis getötet, darunter 24 Soldaten und ein ziviler Auftragnehmer. Auf libanesischer Seite sind laut Behördenangaben bereits mehr als 3.000 Menschen getötet worden.

Libanons Ministerpräsident: "Versuch, Geschichte auszuradieren"

Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel vor, den südlichen Libanon weitreichend zu zerstören. Israels Angriffe seien ein "Versuch, die Geschichte auszuradieren", sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur NNA zufolge. Die Kosten des Kriegs seien für die Libanesen immens. Das Land dürfe nicht zum "Faustpfand" in regionalen Konflikten werden.

Die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hat sich zuletzt deutlich zugespitzt. Israel und die libanesische Regierung - die keine Konfliktpartei ist - hatten Mitte April zwar eine Waffenruhe geschlossen. Die Hisbollah selbst lehnt Verhandlungen mit Israel jedoch ab. Der Krieg geht seitdem weiter.

Deutscher Außenminister Wadephul besorgt

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul äußert sich am Sonntag besorgt über das Vorrücken der israelischen Armee im Südlibanon. Zwar handele es sich um eine Reaktion auf die Angriffe der Hisbollah-Miliz, die aufhören müssten. Eine weitere Eskalation verschärfe jedoch die Lage und sorge für neue Fluchtbewegungen.

"Wenn es aber Zivilistinnen und Zivilisten sind, die den Preis einer militärischen Eskalation zahlen und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden, macht das Israels Nachbarschaft langfristig nicht sicherer", erklärte der Minister. Israel müsse die Zivilbevölkerung schützen. Die libanesische Regierung müsse entschieden gegen die Hisbollah vorgehen.

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