"Unter Tieren"
Jelinek: Sogar die Tauben schimpfen über Benko
"Alle halten die Hände und Schnäbel auf", heißt es im Prolog zu Elfriede Jelineks neuem Wurf, Unter Tieren.
Tauben analysieren Benko-Pleite
Die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2004 wendet sich thematisch darin einem Dauerbrenner zu: Kapitalismus und Korruption in Österreich. Hier bekommen René Benko und Konsorten ihr Fett weg, und zwar, wenn Tiere über sie und ihren Umgang mit Geld reden: Tauben, Schweine, Affen, Hasen mischen alle mit und stellen sich die Frage, wie komisch sind die Menschen und ihr Wirtschaftssystem?
Die Sicht der Tiere auf die menschlichen Taten führt diese noch mehr ad absurdum. So picken die Tauben am Salz von Brezeln und Kuchenbröseln in der Benko-Ruine auf der Mariahilferstraße und bekommen nicht nur übertragen davon alle (Krankheits-)Zustände. Tiere, die sich über Menschen und ihre Taten wundern, das ist kein neues Konzept in der Literatur, aber Jelinek macht es sich hier durch Details und Sprache zu eigen.
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"Urlesung" als Probe für Uraufführung
Bei der "Urlesung" wurde der Text Ende Mai im Burgtheater vorgestellt. Für Regisseur Nicolas Stemann ein bewährter Probelauf, um Jelinek-Texte auf der Bühne wirken zu sehen, an jenem Abend kamen Tiermasken und -kostüme zur Untermalung zum Einsatz. Die Schauspielerinnen Mavie Hörbiger und Caroline Peters lasen an dem Abend den Großteil der 224 Buchseiten vor.
Unter Tieren wird am 16. August bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt. Jelinek, die im Oktober 80 Jahre alt wird, hat sich diesem Thema scharfsinnig und bitterböse wie eh und je angenommen.
Sie ist und bleibt eine pointierte Erzählerin, die reindrückt, wo es weh tut. Unter Tieren ist dabei eine gelungene Abrechnung, die mit Ironie und Sarkasmus unterhält. Bei der Urlesung gab es Applaus, von uns ebenso.
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