Männer-Problem

NÖ: 10.800 Anti-Gewalt-Beratungen

Gewalt gegen Frauen ist weiterhin ein Problem.
© APA/dpa/Jan-Philipp Strobel
Seit 2021 folgen in Österreich auf Betretungs- und Annäherungsverbote verpflichtende Gewaltpräventionsberatungen. In Niederösterreich führte der Verein Neustart seither 10.800 Beratungen durch, wobei 90 Prozent der Teilnehmenden Männer waren.
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Die Anmeldung muss binnen fünf Tagen erfolgen, das Erstgespräch innerhalb von zwei Wochen.

Neustart-Leiter Alexander Grohs betont gegenüber ORF NÖ die Wichtigkeit dieses kurzen Zeitfensters: "Wir bekommen Menschen zu einem Zeitpunkt zu fassen, an dem etwas passiert und die Situation noch sehr präsent ist."

Moment der Realisation

Obwohl die insgesamt sechsstündige Beratung jahrelang verfestigte Gewaltmuster nicht komplett repariert, sieht Grohs darin eine große Chance: "Sie können aber der entscheidende Moment sein, in dem jemand erstmals ernsthaft darüber nachdenkt, was er getan hat." Voraussetzung dafür sei, die Tat klar zu benennen und Verantwortung einzufordern.

Gewaltprävention erfordert mehr

Trotz zunehmender digitaler Gewalt bleiben Übergriffe gegen Frauen in Paarbeziehungen das Hauptproblem. Dass monatlich rund 200 Beratungen stattfinden, erklärt Neustart auch mit einer höheren Meldebereitschaft. Da sich 96 Prozent der Klienten bereit erklären, Verantwortung zu übernehmen, fällt die Bilanz positiv aus. Dennoch sei breitere gesellschaftliche Prävention nötig. Grohs warnt: "Realistisch betrachtet, werden wir Gewalt nicht allein dadurch reduzieren, dass wir immer bessere und mehr Reaktionen auf Gewalt entwickeln." Ein gewaltfreier Umgang mit Konflikten und Kränkungen müsse rechtzeitig erlernt werden. Im akuten Krisenfall bieten Helplines Frauen und Männern anonyme Unterstützung an.

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