Wien. Die Staatsanwaltschaft Wien hat Anklage gegen den bekannten Kabarettisten Günther Paal alias "Gunkl" erhoben. Die Justiz wirft Paal die Vornahme einer geschlechtlichen Handlung an einer unmündigen Person vor. Zudem soll er sich mindestens 960 Bilddateien und 19 Videodateien mit sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial besorgt und besessen haben. Neben dem Prominenten sind eine 42-jährige Frau und deren 63-jährige Mutter angeklagt. Sie sollen Paal über einen längeren Zeitraum mit Fotos unter Druck gesetzt und knapp 159.000 Euro Schweigegeld erpresst haben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
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Gunkl gesteht Taten in Facebook-Video
Am Mittwoch veröffentlichte der Beschuldigte ein Video auf seinem Facebook-Account. Er begann mit der Aussage: "Ich habe Schande über mich gebracht." Paal führte weiter aus: "Ich bedaure zutiefst, was ich gemacht habe. Ich hätte es nicht tun sollen." Weiters sagte er: "Ich habe auch Videomaterial auf Rechnern gehabt … Es tut mir leid. Es war eine Phase in meinem Leben, da hatte ich Lust auf solche Videos. Das war auf einem alten Rechner. Das wusste ich nicht, dass ich das noch habe. Es wurde bei mir sichergestellt."
Paal droht im Fall einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, weil es erwiesenermaßen zu keinem Beischlaf oder keiner einem Beischlaf gleichzusetzenden Handlung an einem unmündigen Kind gekommen ist. In diesem Fall läge die Strafdrohung bei maximal zehn Jahren. Paal soll das im Tatzeitpunkt knapp vierjährige Mädchen im Intimbereich geküsst haben.
Mehrere Haftgründe bei mutmaßlichen Erpresserinnen
Die mutmaßlichen Erpresserinnen - in der 42-Jährigen sieht die Anklage die Haupttäterin, in der 62-Jährigen die Beitragstäterin - müssen im Fall einer Verurteilung mit Haftstrafen zwischen einem und zehn Jahren rechnen. Sie hätten Paal "mit der Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz oder der gesellschaftlichen Stellung gedroht", heißt es in der Anklage.
Sängerin Jazz Gitti: "Schützt eure Kinder!"
Auf den Fall Gunkl reagierte die Sängerin Jazz Gitti mit einer wütenden Wortmeldung via Instagram-Video, das mit der Texteinblendung "POV: Schützt eure Kinder!" versehen war. Darin wendete sie sich sichtlich aufgebracht und mit geballten Fäusten direkt an ihre Anhängerschaft:
"Griaß eich meine Lieben! Eigentlich wollte ich über den Fall Gunkl gar nichts sagen, weil es so grauselig und ekelig ist und ich bin total schockiert, also muss ich was sagen:
Es ist jeden sein Recht, wenn er in die Slowakei fahrt und sich dort eine Dame für Sex kauft, weil das sind zwei Erwachsene. Das er halt mit der Mutter und der Tochter eine Beziehung hat, finde ich halt komisch. Was für mich eigentlich der Wahnsinn ist, dass eine Mutter, eine Oma ein vierjähriges Kind jemanden zuführt und so grauslige Sachen macht - man zerstört das ganze Leben von dem Kind. Ich bin so empört, also ich weiß gar nicht was ich sagen soll.
Und derer Mutter und derer Oma und dem Gunkl wünsche ich die Höchststrafe, weil das ist so eine Gemeinheit, was sie dem Kind angetan haben. Die wird ihr ganzes Leben lang leiden von dem. Und noch was an die Regierung: Setzt das Social-Media-Verbot für Kinder durch und scheißts auf die EU. Und ihr Eltern: Euch nehme ich auch in die Verantwortung. Schützt eure Kinder vor Social Media. Und das ist mein Statement dazu, weil ich bin richtig, richtig haaß."
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Unter dem Clip von Jazz Gitti sammelten sich zahlreiche Rückmeldungen von Usern, die ihre Ansichten teilten. Ein Kommentar lautete "Genau die richtigen Worte", während ein anderer User schrieb: "Super Gitti, so denken sehr viele". Eine weitere Person äußerte: "Liebe Gitti, wenn eine Ringdemonstration deswegen stattfindet, bin ich dabei!! Und zwar vorwiegend zum Aufwachen für alle." Auch der Kommentar "Vielen Dank für deine Worte, du redest mir aus der Seele. Es ist unglaublich was da passiert ist, ich kann es wirklich nicht in Worte fassen…" fand sich unter der Videoveröffentlichung.
Kinder in behördlicher Obhut
Das betroffene Mädchen und sein siebenjähriger Bruder befinden sich mittlerweile in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe in der Magistratsabteilung 11 (MA 11). Sprecherin Ingrid Pöschmann sagte der APA: "Den Kindern geht es gut." Laut dem Rechtsvertreter der beiden Frauen, Werner Wendt, stehe die Kindesabnahme jedoch nicht im Zusammenhang mit den strafrechtlichen Ermittlungen.
Verhandlung am 22. Oktober
Sowohl der Verteidiger von Günther Paal alias "Gunkl", Florian Horwath, als auch Werner Wendt (Kanzlei Hubert Wagner), der Rechtsvertreter der beiden Frauen, die den Kabarettisten erpresst haben sollen, verzichten auf Einsprüche gegen die Anklageschrift. Damit ist der Weg frei für den Prozess gegen den 64-jährigen Künstler und die beiden Frauen im Alter von 42 und 62 Jahren, die ihn erpresst haben sollen. Die Verhandlung findet am 22. Oktober am Wiener Landesgericht statt.
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