Alarm in der Ostsee
Russen-Schiff feuert auf NATO-Heli
Kampfflugzeuge der NATO haben über Litauen nach Regierungsangaben eine Drohne abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei am Dienstag kurz nach Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Eine russische Fregatte hat unterdessen in internationalen Gewässern vor der dänischen Küste nach Angaben aus Kopenhagen zwei Leuchtraketen auf einen dänischen Militärhubschrauber abgefeuert.
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Die Geschosse hätten den Helikopter am Montag knapp verfehlt, teilte das Militär des NATO-Landes mit. Der Hubschrauber sei auf einem Routineeinsatz gewesen, um die russische Fregatte zu fotografieren. Bei der Leuchtmunition handle es sich um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal genutzt werde, hieß es in der Mitteilung weiter. Nach Einschätzung des Forschers Peter Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie ist bei diesem Vorfall aber von Warnschüssen oder einer Machtdemonstration auszugehen: "Die Russen sagen damit: Lasst es sein, uns zu fotografieren, und fliegt nicht so dicht an uns heran."
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen bezeichnete den Vorfall bei X "absolut inakzeptabel" und bestellte den russischen Botschafter in Dänemark ein. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme an den dänischen Rundfunk, sie sei nicht überrascht: "Denn das ist ein Muster, das wir in ganz Europa sehen. Ein immer aggressiveres und selbstbewusster auftretendes Russland, das seinen hybriden Krieg gegen Europa intensiviert hat und die NATO testet und herausfordert." Europa müsse als Antwort enger zusammenrücken und die Verteidigung stärken. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
Die Ostseeregion befindet sich seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 in erhöhter Alarmbereitschaft. Es kam seither wiederholt zu Beschädigungen von Gaspipelines und Unterseedatenkabeln sowie zu Luftraumverletzungen und Drohnensichtungen, was die Spannungen zwischen Russland und dem Westen verschärft hat. Die dänischen Meerengen sind die wichtigste Seeroute von und zur Ostsee für die Handels- und Militärschifffahrt. Sie sind zudem eine Hauptverkehrsader für weltweite Öllieferungen, einschließlich der Transporte der sogenannten russischen Schattenflotte zur Umgehung westlicher Sanktionen.
Litauens Präsident dankt Einsatzkräften
"Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion", schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. "Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen." Es war Berichten zufolge das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen wurde. Die Behörden hatten die Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.
Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich von Belarus nach Litauen ein, wie er im litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es bisher nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die nun untersucht werden.
Exponierte Lage an NATO-Ostflanke
Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.
Die deutsche Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800 Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein.
NATO überwacht baltischen Luftraum
Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen.
Größere NATO-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von NATO-Kampfjets vom Himmel geholt.
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