Seltenes Phänomen

SO gefährlich ist ein Gewitterasthma

Frau hält einen Asthmainhalator und fasst sich an die Brust, vermutlich bei einem Asthmaanfall.
© Getty Images
Gewöhnlich sorgt ein Gewitter bei Pollenallergikern für Erleichterung. Jedoch verursachte dieser 2016 bei Tausenden einen sogenannten Thunderstorm Asthma.
OE24 auf Google bevorzugen

Nach tagelanger Hitze wünschen sich viele Menschen ein Gewitter ohne Hagel fast herbei. Dieser bringt die lang ersehnte Abkühlung. Jedoch sorgte 2016 ein Gewitter in Melbourne bei vielen Menschen für Atemnot.

Damals wurden über 9.000 Menschen wegen Husten und Atemnot behandelt. Die lokalen Krankenhäuser gerieten an ihren Limits. Neun Menschen starben an dem sogenannten "Thunderstorm Asthma", auf deutsch Gewitterasthma. In kleinerer Form trat dieses Phänomen auch in Grossbritannien, Italien, Iran und Kanada auf. Laut Fachleuten handelt es sich beim Gewitterasthma um eine Form von allergischem Asthma.

Erhöhte Pollenkonzentration in Bodennähe

Gewitterasthma tritt bei schweren Gewittern und einer hohen Konzentration von Gräserpollen auf. Die genaue Ursache ist unbekannt. Laut einer Theorie sorgen die Abwinde des Gewitters für eine stark erhöhte Pollenkonzentration in Bodennähe. Wie das schweizer aha! Allergiezentrum mitteilt: "Durch die hohe Luftfeuchtigkeit saugen sich die Pollen voll, bis sie aufgrund des osmotischen Drucks bersten."

Weiter erklärt Georg Schäppi, Stiftungsrat und Vizepräsident bei aha!: "Auf diese Weise werden viele kleinste allergene Partikel freigesetzt, die noch tiefer in die Atemwege eindringen können als ganze Pollenkörner." Wie "20 Minuten" berichtet, arbeitete er in Australien an diesem Phänomen.

Nicht nur Allergiker betroffen

Vom Gewitterasthma sind hauptsächlich Asthmatiker und Pollenallergiker betroffen. Jedoch können Personen ohne Allergien es entwickeln, so der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. Dafür verantwortlich sind nicht die ganzen Pollen, die zu groß sind und in Nase und Rachen stecken bleiben, sondern die Sub-Pollen-Partikeln. Sie sind so winzig, dass sie bis in die Bronchien gelangen. Sub-Pollen-Partikeln können Juck- und Niesreiz, Husten oder starke Atembeschwerden auslösen.

Auch hierzulande sehen Fachleute einen Zusammenhang zwischen Gewittern und Asthmaanfällen, wie Tagesschau.de unter Berufung auf Forschende aus Berlin und Bayern berichtet. Laut dem aha! Allergiezentrum steigen vor einem Gewitter die Heuschnupfenreaktionen. Sie sprechen sogar von einem "wahren Allergensturm". Eine systematische Erkennung ist schwierig, wodurch die wahre Zahl von "Thunderstorm Asthma" unbekannt ist.

In der Zukunft mehr Gewitterasthma-Fälle

Gennaro D'Amato, Professor für Pneumologie an der Universität Neapel Federico II, vermutet, dass in der Zukunft die Anzahl der Fälle weiter steigen wird. Er wird vom "The Guardian" zitiert: "Untersuchungen haben gezeigt, dass Gewitter und ihre zerstörerischen Winde im Zuge des Klimawandels heftiger werden." Durch den Klimawandel fliegen die Pollen früher.

Wie "20 Minuten" berichtet, rät Schäppi allen Allergikerinnen und Allergikern, "bei einem nahenden Gewitter im Haus zu bleiben und unbedingt die Fenster zu schliessen. Oder unterwegs auf jeden Fall mit Notfallmedikamenten gewappnet zu sein." Nach etwa halber Stunde Regen sei die Gefahr erst gebannt.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden