Österreich leidet
So hart trifft VW-Krise 130 Austro-Unternehmen
135 österreichische Unternehmen weisen eine Verbindungen zu VW auf, rund 6.300 Arbeitsplätze sind unmittelbar betroffen, wobei sich die Abhängigkeiten auf einige wenige große Unternehmen konzentrieren - dies geht aus einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria vom Dezember 2024 hervor. Insgesamt sei die österreichische Automobilindustrie stark von deutschen Herstellern abhängig, 65 Prozent der Unternehmen exportierten direkt nach Deutschland.
Insbesondere in den Automobilclustern in Oberösterreich und der Steiermark. Komponentenlieferanten seien dabei am anfälligsten für unmittelbare Auswirkungen, während Maschinenlieferanten möglicherweise mit längerfristigen Folgen durch gestrichene Projekte konfrontiert seien.
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85 Prozent wird exportiert
Laut Statistik Austria waren im Jahr 2022 37.033 Menschen direkt in der Herstellung von Kraftfahrzeugen, Anhängern und Sattelaufliegern beschäftigt. "Unter Berücksichtigung indirekter und induzierter Effekte hängen in Österreich etwa 110.000 Arbeitsplätze von dieser Branche ab. Darüber hinaus schätzt die österreichische Automobilindustrie, dass sie Waren im Gesamtwert von 28,5 Milliarden Euro produziert, von denen 85 Prozent exportiert werden", heißt es in der Studie.
Wifo-Kfz-Experte Klaus Friesenbichler sieht eine allgemeine Großwetterlage, die vor allem den deutschen Autobauern zusetzt. Es sei ein Gemenge aus Wettbewerbsdruck in China durch falsche Managemententscheidungen und technologischen Veränderungen, Stichwort autonomes Fahren und Elektrifizierung, sagte er am Freitag zur APA. Groben Schätzungen zufolge würden für einen E-Antrieb ein Drittel weniger Beschäftigte benötigt als für einen Verbrenner.
Experte: "Negative Folgen"
Günther Apfalter, Ex-Vorstand des Autozulieferers Magna, meinte heute im "Ö1-Morgenjournal", dass die Branche schon große Einschnitte hinter sich habe, nun gehe es um das Feintuning. Der VCÖ sieht hingegen große Versäumnisse der Autobranche: "Am VW-Sparkurs zeigen sich die negativen Folgen einer rückwärtsgewandten Industriepolitik in Deutschland, die auf veralteten Technologien verharrt statt zukunftsträchtige Technologien zu forcieren. Spätestens seit dem UN-Klimaabkommen von Paris im Jahr 2015 wissen Politik und Konzerne, dass die weltweite Nachfrage nach nachhaltigen Technologien stark steigen wird."
Von Magna bis KTM
Klingende Namen der Kfz-Industrie hierzulande sind Magna Steyr (Graz), BMW Motoren (Steyr), Pierer Mobility (Wels) oder AVL List (Graz). Zuletzt wurde der Sektor durchaus gebeutelt, aktuell kämpft der Motorradbauer KTM darum, nach einem kräftigen Personalabbau und einem kurzzeitigen Produktionsstillstand wieder in die Gänge zu kommen. Wobei der Jobabbau in der Branche in den vergangenen Jahren vom Branchenprimus Magna bis zu mittelständischen Unternehmen wie ZKW in Wieselburg (NÖ) reichte.
Ein wichtiger Arbeitgeber ist der kanadische Zulieferer Magna mit rund 13.000 Beschäftigten in Österreich. Ein technologischer Vorzeigebetrieb wiederum ist die Grazer AVL List mit weltweit fast 11.000 Beschäftigten. Ein globaler Player im Bereich Motoren für Militärfahrzeuge ist Steyr Motors. Ebenfalls stark im Militärsegment verankert sind die Tiroler Firmen Achleitner und Empl sowie insbesondere Rheinmetall MAN Military Vehicles in Wien. Österreich ist nicht nur ein Autozulieferer, es beheimatet mit der Porsche Holding in Salzburg auch die Vertriebsschiene des VW-Konzerns in Österreich und Südosteuropa.
Hattmannsdorfer für Technologieoffenheit
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) plädiert hingegen weiter für Technologieoffenheit. Bei einem Round Table mit der heimischen Automobil- und Zulieferindustrie am gestrigen Donnerstag meinte er: "Echte Technologieoffenheit heißt: Klimaziele erreichen, ohne einzelne Technologien politisch auszuschließen. Deshalb müssen erneuerbare Kraftstoffe gleichwertig anerkannt werden. Gleichzeitig braucht Europa einen stärkeren Schutz vor unfairer Konkurrenz aus China und klare Made-in-Europe-Vorgaben bei Batteriekomponenten."
Unterstützung kommt von Harald Gottsche, Geschäftsführer BMW Group Werk Steyr: "In Ergänzung zu E-Fahrzeugen bieten nicht-fossile, reststoffbasierte Kraftstoffe enormes Potenzial, um im effizienten Verbrennungsmotor CO2-Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig Arbeitsplätze zu erhalten."
Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner sieht "ein Alarmsignal für die europäische Industriepolitik". Für ihn ist dies "auch eine Folge jener politischen Fehlentscheidungen, mit denen bewährte Technologien wie der Diesel über Jahre systematisch benachteiligt wurden".
Auf den wichtigen Exportmarkt Deutschland und Europa weist auch der Fachverband der Fahrzeugindustrie hin. "Mehr als die Hälfte der österreichischen Automobilexporte in die Europäische Union geht nach Deutschland. Zugleich sind viele heimische Produktionsstandorte eng in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden. Aufgrund dieser Verflechtungen wirken sich Entwicklungen in der deutschen Automobilindustrie auch auf die österreichische aus", so der Verband, der ebenfalls für eine Technologieoffenheit plädiert.
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