Maturafeier gecrasht

Unzählige Vorfälle:  Bankomatsprenger-Bande vor Gericht

Die gut bewachten Angeklagten vor Gericht.
© APA/KERSTIN SCHELLER
Die bereits vorbestraften Tatverdächtigen müssen sich heute wegen etlichen Straftaten vor Gericht verantworten.
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Gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer Bankomantensprengerbande ist Dienstag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in Wels der Prozess eröffnet worden. Ihnen werden Taten in Wels, Gmunden sowie in Wien und Brunn am Gebirge im Jahr 2025 zur Last gelegt. Weiters sind einige auch wegen schweren Raubs und Diebstählen in Zusammenhang mit den Sprengungen angeklagt. Da der Verteidiger des Drittangeklagten nicht alle Akten erhalten hatte, wurde sein Verfahren ausgeschieden.

Zehn vermummte Justizwachbeamte brachten die drei niederländischen und einen türkischen Staatsbürger aus der U-Haft in den Schwurgerichtssaal. Allein die Überprüfung der Personalien der Männer im Alter von 36, 28, 35 und 37 Jahren nahm einige Zeit in Anspruch, nicht zuletzt wegen ihrer laut Strafregisterauszügen zahlreichen einschlägigen Vorstrafen in Holland wie etwa Hehlerei, schwerer Diebstahl oder Geldwäsche.

In Österreich sollen sie laut Anklage in wechselnden Besetzungen die Taten begangen haben. Drei Angeklagte waren geständig, teilweise aber nicht umfassend. Das Diebesgut belief sich auf mehr als 500.000 Euro, zudem richteten die Männer erheblichen Sachschaden an.

"Paradebeispiel organisierter Kriminalität"

"Es geht heute um was", meinte dann auch die Staatsanwältin mit Verweis auf die hohe Anzahl an Polizisten und Justizwachebeamten im Landesgericht. Ab Herbst 2024 sei Österreich "von einer Welle von Bankomatensprengungen überrollt worden", begann sie mit ihren Ausführungen. Verantwortlich dafür sei eine kriminelle Organisation aus Holland, die von dort die Fäden ziehen würde. "Ausgewählte unmittelbare Täter", die für spezielle Aufgaben eingeteilt werden, erhielten von der Vereinigung alles Notwendige, wie Sprengstoff oder hochmotorisierte Autos für die Flucht. Nichts werde dem Zufall überlassen, so die Staatsanwältin: "Ein Paradebeispiel organisierter Kriminalität."

Allein die Anklageschrift für die Fälle in Wels und Gmunden betrage 33 Seiten, meinte sie weiter. Hinzu komme noch jene von den Kollegen aus Wien, denn im Juni und Juli 2025 sollen dort sowie in Brunn am Gebirge auch von Verdächtigen mehrere Bankomaten gesprengt worden sein.

Auftakt der Serie im April 2025

Den Auftakt der nun verhandelten Sprengserie machte im April 2025 die Tat in Wels, bei der der Dritt- und Viertangeklagte knapp 175.000 Euro erbeutet haben sollen. Drei Wochen später am 16. Mai in Gmunden schlugen die drei ersten Angeklagten mit zwei abgesondert Verfolgten zu. Doch bei dieser Sprengung lief nicht alles so glatt wie in Wels. Durch die Detonation des Geldautomaten wurde das Fluchtauto so beschädigt, dass es nicht mehr fahrbar war und die Täter flüchteten zu Fuß ohne Beute.

Danach wollten sie zuerst zwei feiernden Maturantinnen auf einem Parkplatz mit vorgehaltenem Messer einen Autoschlüssel abnehmen, außerdem sprühten sie den jungen Frauen eine ätzende Flüssigkeit, Salmiakgeist, ins Gesicht. Nachdem der Raub nicht glückte, versuchten sie es bei einer anderen Gruppe von Maturanten, diesmal mit Erfolg. Der erbeutete Wagen - er gehörte den Eltern eines Maturanten - wurde später ausgebrannt in einem Waldstück entdeckt.

Flucht endete in Bayern mit Unfall

Tage später wurden während der Flucht nach Bayern der Erst- und Zweitangeklagte sowie ein abgesondert Verfolgter nach einer waghalsigen Verfolgungsjagd, die mit einem Unfall endete und bei dem die Flüchtigen schwer verletzt wurden, geschnappt. Der Fahrer wurde bereits in Bayern wegen versuchten Totschlags zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt.

Der Drittangeklagte hatte sich bereits auf anderem Weg abgesetzt, wurde aber in Wien gefasst. Nachdem sein Verteidiger die komplette Anklageschrift aus Wien nicht rechtzeitig erhalten habe, wurde auf Beschluss des Gerichts dessen Verfahren ausgeschieden. Mit einem Urteil war am Mittwoch zu rechnen.

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