Manchmal ist es besser, wenn der Chef nicht das letzte Wort hat. Adi Hütter (56) dürfte das spätestens seit Samstag wissen. Beim 2:2 seiner Frankfurter Eintracht in Paderborn wollte der Vorarlberger eine Aktion verhindern, die seiner Mannschaft am Ende den Punkt rettete. Sein Co-Trainer Christian Peintinger sah die Sache anders. Zum Glück für Frankfurt.
Auch Jürgen Klopp hatte an diesem Nachmittag seinen Anteil an der Geschichte. Deutschlands Teamchef hatte Jonathan Burkardt für die kommenden Nations-League-Spiele nicht nominiert. Der Frankfurter Stürmer antwortete mit zwei Toren. Auch Hütter hat sich zur Entscheidung des Bundestrainers geäußert.
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Klopp verzichtet auf Burkardt – der trifft doppelt
Am Donnerstag hatte Jürgen Klopp seinen Kader für die Nations League bekannt gegeben. Frankfurts Younes Ebnoutalib war dabei, Jonathan Burkardt nicht. Zwei Tage später traf ausgerechnet der übergangene Stürmer doppelt.
Burkardt brachte die Eintracht in Paderborn zunächst in Führung (23.). Doch Raphael Obermair glich aus, Marvin Pieringer drehte das Spiel per Elfmeter. Als Frankfurts Elias Baum auch noch Gelb-Rot sah, stand Hütters Mannschaft mit zehn Mann und einem 1:2-Rückstand da.
In der Nachspielzeit bekam Frankfurt noch einen Eckball. Und plötzlich wurde ausgerechnet Hütters Co-Trainer zum entscheidenden Mann.
Hütters Co-Trainer überstimmt seinen Chef
Dritte Minute der Nachspielzeit. Frankfurt bekommt einen Eckball. Torhüter Noah Atubolu will mit nach vorne, Hütter ist dagegen. Schließlich steht seine Mannschaft nach dem Platzverweis ohnehin nur noch zu zehnt auf dem Platz.
Doch sein österreichischer Co-Trainer Christian Peintinger sieht das anders. Er schickt Atubolu in den gegnerischen Strafraum – gegen den Willen seines Chefs.
"Ich habe nicht den Anlass gesehen, dass Atubolu nach vorn gehen soll. Wir waren schon einen Spieler weniger", gab Hütter anschließend zu.
Dann passiert genau das, worauf Peintinger gehofft hatte. Atubolu verlängert den Eckball per Kopf, Burkardt trifft mit der Hacke zum 2:2 (90.+3).
Hütter musste seinem Assistenten recht geben: "Es war Peintis Idee. Sie war schlussendlich richtig."
Atubolu verrät: So setzte sich Peintinger durch
Wie die Entscheidung an der Seitenlinie fiel, schilderte Torhüter Atubolu anschließend selbst. "Der Cheftrainer wollte nicht, dass ich nach vorn gehe. Aber der Co-Trainer hat sich dann durchgesetzt", erklärte er laut "Frankfurter Rundschau".
Auch Kapitän Robin Koch bekam die Diskussion mit. Peintinger habe gesagt: "Lass ihn nach vorn, es ist ohnehin die letzte Aktion."
Wenige Sekunden später verlängerte Atubolu den Ball per Kopf zu Burkardt. Der traf mit der Ferse.
Peintinger kennt Hütter seit Jahren
Dass sich Peintinger in dieser Situation gegen seinen Chef durchsetzte, ist auch deshalb interessant, weil die beiden Österreicher seit Jahren ein eingespieltes Duo bilden.
2015 holte Hütter den Steirer als Assistenten zu den Young Boys Bern. Gemeinsam arbeiteten sie später bei Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach und AS Monaco.
Wie viel ihm sein langjähriger Weggefährte bedeutet, erklärte Hütter einst selbst. Dass er Peintinger nach Bern mitgenommen habe, sei "die beste Entscheidung von mir überhaupt" gewesen.
Und Peintinger? Der wurde im September gefragt, ob ihn Hütter nach all den gemeinsamen Jahren überhaupt noch überraschen könne. Seine trockene Antwort: "Nein."
In Paderborn war es nun der Assistent, der seinen Chef überraschte.
Hütter reagiert auf Klopps Entscheidung
Mit seinem Doppelpack hatte Burkardt auch dem deutschen Teamchef eine Antwort auf dem Platz gegeben. Hütter wurde nach dem Spiel auf die Nichtnominierung angesprochen.
"Er hat eine Reaktion gezeigt", sagte der Vorarlberger über seinen Stürmer. Klopp wollte er dennoch keine Ratschläge erteilen: "Ich würde nie einem Bundestrainer etwas vorschlagen."
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