Im Check

Wird man bei Kälte tatsächlich schneller erkältet?

Junge Frau im rosa Mantel putzt sich draußen im Herbst die Nase mit einem Taschentuch.
© Getty Images
Kaum fallen die Temperaturen, beginnt es bei vielen schon im Hals zu kratzen. Doch macht uns der Temperatursturz von 30 auf 15 Grad tatsächlich anfälliger für eine Erkältung?
OE24 auf Google bevorzugen

Der Sommer ist plötzlich vorbei: Statt 30 Grad erwarten uns nur noch rund 15, morgens braucht man wieder eine Jacke und abends wird es bereits ziemlich frisch. Und genau jetzt beginnt für viele das altbekannte Spiel: Die Nase läuft, der Hals kratzt und man fühlt sich schlapp. Kein Wunder, dass da schnell der Verdacht aufkommt: Liegt das etwa an der Kälte? Schließlich hört man seit Kindheit, dass man sich warm anziehen soll, damit man nicht krank wird. Ganz so einfach ist es allerdings nicht.

Von Kälte allein bekommt man keine Erkältung

Die wichtigste Nachricht zuerst: Eine Erkältung wird durch Viren verursacht – nicht dadurch, dass Sie bei 15 oder 20 Grad ohne Jacke draußen sind. Für eine Erkältung muss man sich also mit entsprechenden Viren anstecken. Besonders häufig sind dabei Rhinoviren beteiligt. Trotzdem kommt die Sache mit der Kälte nicht völlig aus dem Nichts. Denn die Bedingungen, unter denen sich Erkältungsviren verbreiten und unser Körper ihnen begegnet, verändern sich mit dem Wetter.

Warum Erkältungen im Herbst trotzdem häufiger werden

Junge Frau sitzt auf dem Sofa, niest in ein Taschentuch, ein Luftreiniger steht neben ihr.
Junge Frau sitzt auf dem Sofa, niest in ein Taschentuch. © Getty Images

Sobald es draußen ungemütlicher wird, verbringen wir wieder wesentlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Büro, Schule, öffentliche Verkehrsmittel, Restaurants und Wohnungen werden zu den neuen Treffpunkten und dort kommen Menschen deutlich enger miteinander in Kontakt.

Das macht es für Atemwegsviren leichter, von einer Person zur nächsten zu gelangen. Die WHO nennt mehr Zeit in Innenräumen und engen Kontakt als wichtige Faktoren für den saisonalen Anstieg von Atemwegsinfektionen. Der Herbst selbst macht uns also nicht krank. Unsere herbstlichen Lebensgewohnheiten können eine Ansteckung aber begünstigen.

Und was macht die Kälte mit unserer Nase?

Hier wird es besonders interessant. Die Nase ist eine wichtige erste Abwehrstation gegen eingeatmete Krankheitserreger. Forschungen deuten darauf hin, dass niedrigere Temperaturen die lokale Immunantwort in den oberen Atemwegen beeinflussen können. Bei Rhinoviren zeigte sich in Untersuchungen, dass sich die antivirale Abwehr bei wärmeren Bedingungen stärker ausprägte.

Das heißt nicht, dass ein kalter Spaziergang automatisch mit einer Erkältung endet. Kälte kann aber bestimmte Schutzmechanismen der Atemwege beeinflussen, während gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für Virenkontakt in Innenräumen steigt.

Warum die Nase bei kaltem Wetter plötzlich läuft

Und dann gibt es noch ein Phänomen, das viele kennen: Kaum geht man bei kühler Luft hinaus, beginnt die Nase zu laufen. Das ist zunächst einmal keine Erkältung. Die kalte Luft kann die Schleimhäute reizen und dazu führen, dass mehr Sekret produziert wird. Der Körper versucht damit, die eingeatmete Luft anzufeuchten und aufzuwärmen. Eine laufende Nase nach einem Spaziergang bedeutet deshalb nicht automatisch: Ich werde krank.

Der Herbst ist also nicht der Schuldige

Wenn nach dem ersten kühleren Wochenende plötzlich die halbe Familie niest, liegt das nicht daran, dass das Thermometer auf 15 Grad gefallen ist. Eine Erkältung braucht ein Virus. Die kältere Jahreszeit verändert aber die Bedingungen: Wir verbringen mehr Zeit drinnen, haben mehr engen Kontakt zu anderen und bestimmte Schutzmechanismen der Atemwege können durch kalte Luft beeinflusst werden.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden