Wechsel-Wut

Zehntausende Haushalte laufen ihren Anbietern davon!

Heizungsregler und unscharfer 100-Euro-Schein symbolisieren Energiekosten.
© APA/Barbara Gindl
Es ist ein regelrechter Erdrutsch auf dem heimischen Energiemarkt – und Niederösterreich steht mittendrin im Epizentrum! Fast 55.000 Haushalte und Unternehmen im Bundesland haben im ersten Halbjahr 2026 ihrem Strom- oder Gasanbieter den Rücken gekehrt.
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Kein anderes Bundesland kommt auch nur annähernd an diese Wechselwut heran – Niederösterreich ist einsamer Spitzenreiter, während österreichweit ein historischer Rekord fällt.

Konkret wechselten 54.910 Haushalte und Unternehmen ihren Lieferanten: 41.329 beim Strom, 13.581 beim Gas. Das geht aus der aktuellen Marktstatistik der Regulierungsbehörde E-Control hervor. Bei der Wechselrate liegt Niederösterreich mit 4,8 Prozent bei Strom klar voran – Oberösterreich und die Steiermark folgen mit jeweils nur 3,3 Prozent, weit abgeschlagen. Beim Gas ist das Bild ähnlich: 5,4 Prozent Wechselrate bedeuten Platz eins, vor der Steiermark mit 5,1 und Oberösterreich mit 4,7 Prozent.

Österreichweiter Rekord – so viele Wechsel gab es noch nie

Was in Niederösterreich passiert, ist Teil eines landesweiten Phänomens historischen Ausmaßes: 234.982 Haushalte und Unternehmen wechselten österreichweit im ersten Halbjahr ihren Energieanbieter – der höchste je gemessene Wert für ein erstes Halbjahr. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 210.761 Wechsel. Beim Strom entschieden sich 187.256 Kundinnen und Kunden für einen neuen Anbieter, beim Gas 47.726. Während Niederösterreich vorprescht, hält sich Tirol auffällig zurück: Dort wechselten gerade einmal 0,8 Prozent der Stromkunden und 1,7 Prozent der Gaskunden.

Angst vor der nächsten Preisexplosion treibt Menschen zum Wechsel

Was steckt hinter dieser beispiellosen Wechselwelle? E-Control-Vorstand Michael Strebl macht dafür vor allem die Unsicherheit über die künftige Preisentwicklung verantwortlich. Geopolitische Spannungen würden viele Menschen dazu bringen, sich schon jetzt – lange vor Beginn der nächsten Heizsaison – intensiv mit ihren Tarifen zu beschäftigen. Die Botschaft ist klar: Wer abwartet, riskiert im Herbst und Winter böse Überraschungen.

Strebl rät dringend zum genauen Vergleich – und warnt gleichzeitig vor vorschnellen Entscheidungen. Nicht nur kurzfristige Preisnachlässe oder Wechselboni zählen, entscheidend seien vor allem der tatsächliche Energiepreis, die Vertragsdauer, mögliche Preisgarantien und die Kündigungsbedingungen. Für den Durchblick im Tarif-Dschungel stellt die E-Control einen eigenen Tarifkalkulator zur Verfügung, mit dem Haushalte anhand von Jahresverbrauch, Postleitzahl und aktuellen Vertragsbedingungen unterschiedliche Angebote gegenüberstellen können.

Klimageräte als stiller Kostentreiber im Sommer

Doch nicht nur der Anbieterwechsel steht im Fokus – auch der Energieverbrauch während der Hitzeperioden bereitet der Regulierungsbehörde Sorgen. Durch den zunehmenden Einsatz von Klimageräten drohe der Strombedarf in den Sommermonaten weiter in die Höhe zu schnellen. Die E-Control empfiehlt daher, Fenster während des Betriebs konsequent geschlossen zu halten, Räume von außen zu beschatten und ausschließlich tatsächlich genutzte Bereiche zu kühlen. Auch automatische Steuerungen könnten helfen, den Verbrauch im Zaum zu halten.

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kann laut E-Control besonders profitieren: Werden energieintensive Geräte gezielt während der sonnenreichen Stunden betrieben, lässt sich ein größerer Teil des selbst erzeugten Stroms auch selbst nutzen. Eine Verlagerung des Verbrauchs in die Zeit zwischen 10.00 und 16.00 Uhr entlaste zudem die Stromnetze.

Fazit

Niederösterreich zeigt Österreich, wie man mit den Füßen abstimmt: Aus Angst vor explodierenden Energiepreisen suchen sich Zehntausende Haushalte einen neuen Anbieter – ein Rekordtrend, der zeigt, wie sehr die Unsicherheit über die Energiezukunft die Menschen im Land umtreibt.

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