Neue Modellpolitik angekündigt

Chrysler macht wieder operativen Gewinn

Der angeschlagene Autobauer Chrysler verdient wieder Geld. Fiat-Chef Sergio Marchionne, dessen Unternehmen die drittgrößte Autofirma der USA kontrolliert, meldete für das dritte Quartal einen operativen Gewinn von etwa 200 Millionen Dollar (135,5 Mio. Euro). Die Annahme, dass Chrysler Geld verliere, sei falsch, sagte Marchionne während der ganztägigen Präsentation in Detroit. Die meisten Beobachter unterschätzten die massiven Kostensenkungen durch den früheren Chrysler-Eigner Cerberus Capital Management.

Marchionne kündigte während der Vorstellung des Fünfjahrplans für Chrysler eine neue Modellpolitik an. So solle die Marke Dodge künftig nur noch Pkw und Kleinbusse anbieten und Ram sich auf Lastwagen konzentrieren. Die Marke Jeep soll nach den Plänen von Chrysler bis 2014 weltweit 800.000 Fahrzeuge nach 487.000 Exemplaren im Vorjahr absetzen. Bis 2014 will Fiat zudem drei Viertel der spritfressenden Motoren ersetzt haben. Die ersten von Fiat gelieferten und sparsameren Modelle sollen bereits 2010 eingebaut werden.

Die Jeep-Marken Patriot, Compass und Liberty sollen nach den Plänen des Managements durch neue Marken ersetzt werden, die auf Fiat-Plattformen basieren. Außerdem soll ein neues kleineres Sportmodell der Marke Jeep auf den Markt kommen. Auch das ist ein Schritt, mit dem der im Sommer durch staatliche Hilfe vor der Pleite gerettete Konzern Kosten senken will.

Rückzahlung der Steuergelder

Chrysler-Chairman Bob Kidder, der die Interessen des Staates bei dem Autobauer vertreten soll, kündigte die Rückzahlung der Steuergelder auf Heller und Pfennig an. Dies werde mit großer Eile betrieben. "Bei Chrysler gibt es kein business as usual", sagte Kidder. Im Konzern werde mit großer Energie am Wandel gearbeitet. "Wir wollen daraus wieder eine Aktiengesellschaft, eine große Aktiengesellschaft machen", sagte Kidder. Nach Marchionnes Worten soll Chrysler "irgendwann nach 2010" wieder an die Börse zurückkehren.

Branchenexperten zufolge muss Marchionne dringend mit frischen Modellen der Chrysler-Marken das Vertrauen der US-Verbraucher in die Zukunft des Konzerns zurückgewinnen. Denn wer unsicher ist, ob es Chrysler in einigen Jahren noch geben wird, dürfte kaum zum Kauf eines Wagens zu bewegen sein.

Welche Probleme Marchionne bei Chrysler noch überwinden muss, zeigten erst am Dienstag die US-Verkaufszahlen für Oktober: Die beiden heimischen Rivalen Ford und General Motors verkauften mehr Autos als vor einem Jahr, während der Chrysler-Absatz noch immer fast ein Drittel unter dem Vorjahr blieb. Damit gewinnen Ford und GM Marktanteile - vor allem auf Kosten Chryslers. Zumindest gibt es erste Hoffnungsschimmer für eine Trendwende: Chrysler konnte im Oktober immerhin mehr Autos verkaufen als im September.

Fiat erhielt von der US-Regierung 20 Prozent an Chrysler und soll im Gegenzug vor allem die Expertise für kleinere und spritsparende Autos mitbringen. Dies war auch ein Grund, warum General Motors zuletzt doch an seiner Europatochter Opel festhielt. Chryslers Existenz ist langfristig alles andere als gesichert, obwohl der Konzern wie auch GM im Frühjahr zur Sanierung ein Insolvenzverfahren durchlief.

Gewinne ab 2012

Chrysler will spätestens ab 2011 in den schwarzen Zahlen fahren. Für den Sanierungserfolg sollen binnen drei Jahren mindestens vier Modelle auf Basis von Autos des neuen italienischen Miteigentümers Fiat sorgen.

Ehrgeiziges Ziel von Fiat-Chef Sergio Marchionne, der nun auch den US-Autobauer führt: Chrysler soll bis 2014 die Absatzzahlen von heute rund 1,3 Mio. auf 2,8 Mio. Autos mehr als verdoppeln. Auf der steilen Talfahrt der vergangenen Jahren hatten sich die Verkäufe der einstigen Tochter des deutschen Daimler-Konzerns halbiert.

Der Chrysler-Umsatz soll nach rund 42 Mrd. Dollar (28,5 Mrd. Euro) im nächsten Jahr bis 2014 auf gut 67 Mrd. Dollar steigen, kündigte Marchionne an. Dann würden auch die Milliardenhilfen der US-Regierung zurückgezahlt, sagte er bei einer ganztägigen Präsentation seiner Zukunftspläne am Chrysler-Stammsitz in Auburn Hills (Michigan) nahe Detroit.

Fiat stellt Chrysler vor allem seine Technologie und Kleinwagen-Kompetenz zur Verfügung. Für sich selbst hoffen die Italiener durch ihre Rückkehr auf den riesigen US-Markt genug Absatzwachstum, um global dauerhaft gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Marchionne will künftig neue Modelle speziell für Amerika auch vor Ort fertigen.

Zur Rettung von Chrysler kam Fiat im Insolvenzverfahren im Juni mit 20 Prozent an Bord. Der Rest gehört indirekt der Gewerkschaft und der US-Regierung. Mittelfristig kann Fiat die Mehrheit übernehmen.

Chrysler habe bereits im September operativ die Gewinnschwelle erreicht, sagte Marchionne am Mittwoch. Im nächsten Jahr soll auch unter dem Strich eine schwarze Null stehen, danach wieder deutliche Gewinne. Ende September habe Chrysler 5,7 Mrd. Dollar Bargeld in der Kasse gehabt. Zum Ende des Insolvenzverfahrens im Juni seien es nur vier Mrd. Dollar gewesen.

Dodge auf Fiat-Basis

Als erstes Auto der Italiener solle der kleine Fiat 500 Ende 2010 oder Anfang 2011 auf den US-Markt rollen. Unter der Konzernmarke Dodge sind drei weitere Modelle auf Fiat-Basis geplant: Ein Kleinwagen sowie jeweils ein Auto der Kompakt- und Mittelklasse.

Zu dem US-Autobauer gehören neben den Marken Chrysler und Dodge auch die Jeep-Geländewagen, auf die der Konzern künftig stark setzen will. Besonders außerhalb der USA soll der Jeep-Absatz drastisch angekurbelt werden.

Im Vergleich zu den großen US-Rivalen GM und besonders Ford kommt Chrysler allerdings auf seinem Sanierungskurs noch kaum voran. Während die Absatzzahlen der beiden Wettbewerber zuletzt wieder leicht anzogen, stürzten sie bei Chrysler im Oktober um weitere 30 Prozent ab.