Griechen-Notpaket

Großes Aufatmen der Märkte

Die EU beschloss einen Schulden-Nachlass für die Griechen auf 30 Jahre.

Die Sorgen um die Euro-Schuldenkrise hatte in den vergangen Monaten große Unsicherheit auf den Finanzmärkten geschürt. Jetzt entspannt sich die Lage: Weltweit steigen die Kurse, der Euro legt zu. Mit großer Erleichterung haben die Finanzmärkte am Freitagmorgen auf das Rettungspaket zur Stabilisierung des Euro reagiert. Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder hatten sich am Vortag auf einem Krisengipfel in Brüssel auf ein neues Maßnahmenbündel für Griechenland geeinigt - erstmals mit Beteiligung der Banken.

Dies kam an den Märkten gut an, auch die Ausweitung der Stützung für andere Euro-Krisenländer wurde begrüßt. Der Euro schoss kräftig in die Höhe und stabilisierte sich Freitagfrüh bei der Marke von 1,44 Dollar - im Zuge der Einigung gewann die Gemeinschaftswährung damit etwa vier Cent. Händler sprachen von einem "Befreiungsschlag" für die Finanzmärkte.

Aktienmärkte beflügelt
  Die Gipfelbeschlüsse beflügelten auch die Aktienmärkte. In Asien kletterte die Tokioter Börse auf ein Zweiwochenhoch. Der Leitindex Nikkei sprang um 1,22 Prozent auf 10 132,11 Punkte. An den anderen großen Finanzplätzen in Fernost, so in Hongkong, stiegen die Kurse ebenfalls deutlich. Auch der deutsche Aktienmarkt startete mit Gewinnen.

Ansteckungsgefahr
  Das Sorgenkind Griechenland sei erst einmal aus der Krise herausgeboxt worden, hieß es von Börsianern. Beruhigt hätten sich auch die Befürchtungen über eine Ausweitung der Schuldenkrise. Die Ansteckungsgefahr der Krise in Griechenland auf andere Peripheriestaaten der Eurozone sei aber noch nicht vollends gebannt, warnte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in ihrem Kommentar. An den Märkten werde die Ausweitungen der Aufgaben des Euro-Rettungsfonds und ein "Wiederaufbauplan" für Griechenland dennoch positiv gesehen.

   Händler erklärten, die Anleger seien zum Wochenschluss nun wieder etwas risikofreudiger. Das setze die als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen unter Verkaufsdruck.

Wall Street positiv
  Bereits am Vorabend hatte die weltweite Leitbörse in New York, die Wall Street, positiv reagiert. Der Dow Jones gewann 1,21 Prozent auf 12.724,41 Punkte. Vor allem Bankenwerte profitierten, nachdem Vorschläge für eine Bankenabgabe sich nicht durchsetzten. Im Verlauf des Tages hatten auch die europäischen Börsen deutlich gewonnen. Die Risikoaufschläge für Anleihen angeschlagener Euroländer gaben nach.

   Von Bankenanalysten hieß es: Das Gesamtpaket für Griechenland sei größer ausgefallen als erwartet, Europa sei wieder näher zusammengerückt. Das neue Paket soll Athen 109 Milliarden Euro an frischem Geld bringen. Banken und Versicherungen werden zusätzlich einen Beitrag von 37 Milliarden Euro leisten, der aber noch steigen könne. "Der Sondergipfel hat das Arsenal zum Kampf gegen die Schuldenkrise deutlich erweitert", erklärte die HSH Nordbank. Aber jetzt dürfe sich die Aufmerksamkeit der Anleger stärker auf die schwelende Schuldenkrise in den USA verlagern, auf den "Showdown" beim Ringen um eine Abwendung der drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA.
 

Auf der nächsten Seite: So lief die Griechen-Rettung ab.

 

 

Knapp nach Donnerstag, 21 Uhr war der Euro (wieder mal) gerettet.

Die 17 Staats-Chefs der EU einigten sich auf ein 15 Punkte langes „Agreement“, das die drohende Griechen-Pleite und Euro-Krise lösen soll.

Die Märkte reagierten sofort: Um 17 Uhr stieg der Euro bereits wie eine Rakete von 1,42 auf 1,44 Dollar. An den Börsen legten Banken-Kurse um mehr als 5 % zu.

Grund: Das EU-Paket ist mehr als nur die angekündigte „Notoperation“ - es ist auch ein Start für eine neue Finanzpolitik. Noch vage gehalten – aber einstimmig und ohne Streit beschlossen.

Griechen erhalten 109 Mil­liarden und Marshall-Plan
Im 15-Punkte-Agreement wird das Schulden-Debakel der Griechen gelöst. Punkt 1 begrüßt die bisher getroffenen Sparmaßnahmen.

Punkt 2 sichert den Griechen weitere 109 Milliarden zusätzliche Hilfe zu – doch 37 Milliarden davon kommen von Privaten: Banken, Investoren. Heißt: Die Steuerzahler müssen nur für 72 (statt bisher erwarteter 120 Milliarden) gerade stehen.

Punkt 3 ist der wichtigste: Er verlängert die Kredite für die Griechen von 7,5 auf bis zu 30 Jahre und fixiert die Zinsen auf billige 3,5 %.

Punkt 4 sieht – endlich – den lange geforderten „Marshall-Plan“ für die Griechen vor – also eine gemeinsame EU-Hilfe für einen Wirtschaftsaufschwung.

Neuer Stabilitäts-Plan und eigene Rating-Agentur
In Punkt 5 erklärt der „Finanzsektor“ (sprich die Banken), seine Bereitschaft, den Griechen „auf freiwilliger Basis“ beim Schuldenabbau zu helfen. Frankreichs Sarkozy, der auf Freiwilligkeit bestand verspricht: „In 30 Jahren werden die Banken den Griechen gesamt 135 Milliarden Euro nachlassen.“

In Punkt 7 wird ein neuer EU-Stabilitätspakt angeregt. Mit neuen Regeln für EFSF.

In den Punkten 8, 9 und 10 wird eine neue „steuerliche Konsolidierung und Wachstumspolitik“ in der Euro-Zone vorgeschlagen.

Und in den Punkten 11– 15 wird schließlich sogar eine neue „Economic governance“ beschlossen – darunter der Aufbau einer europäischen Rating-Agentur.

Keine Bankensteuer – aber „freiwillige Banken-Hilfe“
Damit ist Griechenland (zunächst) gerettet. Die Verlängerung der Kredit-Laufzeit auf 30 Jahre „schenkt“ den Griechen langfristig die Schulden, das Pleite-Land muss nicht ab sofort jedes Jahr 30 Milliarden zurückzahlen. Sowohl die längere Laufzeit für die Kredite als auch den „Marshall-Plan“ hatte Österreichs Kanzler Faymann in Gesprächen mit Angela Merkel entwickelt.

Gescheitert ist Faymann nur mit dem Wunsch nach einer Banken- und Finanztransaktionssteuer.

„Die beschließen wir hoffentlich beim nächsten Mal“, gab sich Faymann nach dem Gipfel kämpferisch.

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21:03 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder haben sich auf die Details zur weiteren Griechenland-Hilfe geeinigt. "Eine Erklärung der Staats- und Regierungschefs der Eurozone und der EU-Institutionen wurde angenommen", teilte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Donnerstag in Brüssel mit.

20:09 Uhr: Alles deutet auf ein schnelles Gipfel-Ende hin. Erste Details werden von Insidern preisgegeben. Eine Pressekonferenz soll folgen.

19:26 Uhr: Bulgarien schiebt seinen Eintritt in die Eurozone wegen der Schuldenkrise bis auf weiteres auf. "Wir werden nicht im Herbst mit den Vorgesprächen beginnen", sagte Finanzminister Simon Djankow. "Die Gespräche sind aufgeschoben, bis das Gesamtbild in der Euro-Zone klarer wird."

18:12 Uhr: Es zeichnet sich ab, dass der bisherige Euro-Rettungsschirm EFSF mit mehr Vollmachten ausgestattet wird. Er soll künftig unter bestimmten Konditionen auch Euro-Länder, die kein Rettungsprogramm erhalten haben, präventiv Gelder zur Verfügung stehen können, um die Banken in diesen Staaten zu rekapitalisieren, wie EU-Diplomaten mitteilen. Beobachter werteten dies als einen Schritt in Richtung einer Art "Europäischer Währungsfonds".

17:54 Uhr: Der IWF hält sich bezüglich neuen Krediten für Griechenland noch zurück. Es handle sich um ein "hypothetisches" Thema, so Sprecher David Hawley.

17:29 Uhr: Das auf dem Euro-Gipfel diskutierte Modell zur Rettung Griechenlands läuft Kreisen zufolge auf einen Abschreibungsbedarf von rund 20 Prozent bei den Banken hinaus.

17:17 Uhr: Angesichts der sich abzeichnenden Einigung beim Euro-Sondergipfel in Brüssel sind die Börsen weltweit wieder gestiegen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) in Frankfurt notierte am Donnerstagnachmittag 1,3 Prozent im Plus. Der ATX in Wien lag um 1,90 Prozent höher. Der FTSE-100 in London stieg um ebenfalls um 1,3 Prozent, der Pariser CAC-40 sogar um 2,1 Prozent.

17:13 Uhr: Der Euro hat am späten Donnerstagnachmittag im europäischen Devisenhandel gegen den US-Dollar deutlich fester gegenüber dem heutigen Richtkurs der Europäischen Zentralbank (EZB) notiert und um etwas mehr als 1,5 Cent zugelegt. Er liegt damit bei 1,44 Dollar.

16:53 Uhr: Der EU-Krisengipfel möchte nun auch den Einfluss der Rating-Agenturen beschränken. Die EU-Kommission sollte in diesem Zusammenhang entsprechende Vorschläge vorlegen.

16:12 Uhr: Bundeskanzler Faymann gegenüber ÖSTERREICH:  "Griechenland hat ja die Bedingungen, die wir von ihnen verlangt haben, in Regierung und Parlament beschlossen". Nun sollten den Griechen die "Zeiträume so erstreckt werden, dass sie sich das leisten können", so Faymann.

© oe24
Großes Aufatmen der Märkte

15:48 Uhr: Griechenland braucht einem internen Dokument des Internationalen Bankenverbandes zufolge bis Mitte 2014 insgesamt 173 Milliarden Euro.  Davon sollten 28 Mrd. Euro durch Privatisierungserlöse der griechischen Regierung abgedeckt werden und weitere 57 Mrd. Euro durch die noch ausstehenden Hilfskredite aus dem ersten Paket. Demnach müssten die Eurozone, der Internationale Währungsfonds und der Privatsektor die verbleibenden 88 Mrd. Euro stemmen.
 

15:45 Uhr: Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich optimistisch, dass der Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs bei "konkreten Hilfen für Griechenland doch ein gutes Stück weiter kommt". Allerdings "rechne ich nicht damit, dass alle Probleme der Eurozone heute beseitigt werden", sagte Faymann gegenüber ÖSTERREICH-Redakteurin Deborah Knob vor Beginn des Treffens in Brüssel.

15:38 Uhr:
Das zweite Rettungspaket für die Griechen würde, sofern es beschlossen wird, einen Umfang von 90 Milliarden Euro haben.

15:29 Uhr: Der Euro reagiert positiv: Die Gemeinschaftswährung steigt auf 1,4222 Dollar.

15:16 Uhr: Es sickern nun immer mehr Details  der vorab getroffenen Vereinbarungen durch: Dem Vernehmen nach soll die Laufzeit der Kredite für das in Not geratene Griechenland von 7,5 Jahren auf mindestens 15 Jahren verlängert werden. Als Zinssatz werden offenbar 3,5 Prozent statt 4,5 Prozent genannt. Auch die Banken sollen sich an der Hilfe für Athen beteiligen, wie die BILD erfuhr. Und: Deutschlands Kanzlerin Merkel hat sich wohl auch durchgesetzt, private Investoren am zweiten Griechenland-Paket zu beteiligen.

14:44 Uhr: Das Who ist who des Gipfels: Diese Politiker nehmen an der Euro-und Griechenland-Rettung teil.

Diashow: EU-Gipfel: Diese Politiker sind dabei

Französischer Premierminister

Deutsche Bundeskanzlerin

Österreichischer Bundeskanzler

Griechischer Finanzminister

Griechischer Premierminister

Niederländischer Premierminister

Staatspräsident von Estland

Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Präsident der Europäischen Kommission

Spanischer Premierminister

Italienischer Premierminister

Belgischer Premierminister

Irischer Premierminister

Slowakische Premierministerin

Präsident von Zypern

Luxemburgischer Premierminster

Slowenischer Premierminister

Maltesischer Premierminister

Portugiesischer Premierminister

Finnischer Premierminister

14:15 Uhr:
Die Staats- und Regierungschefs der Eurozone wollen bei ihrem Krisengipfel zu Griechenland auf Sachverstand der Bankenbranche zurückgreifen. Wie Diplomaten am Donnerstag berichteten, hielten sich Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF und der Chef der großen französischen Geschäftsbank BNP Paribas, Baudouin Prot, in Brüssel auf.

14:06 Uhr: Der Kreditversicherer Coface sorgt sich nun nicht nur um Griechenland. Inmitten des EU-Gipfels platzt die Nachricht herein, dass auch Zypern aufgrund seines undurchsichtigen Bankwesens wie Hellas einzustufen.
 

13:56 Uhr
Als Summe für zusätzliche internationale Unterstützung, die Athen brauche, nannte der niederländische Finanzminister de Jager 88 Mrd. Euro bis Mitte 2014.

13:41 Uhr
Das Rettungspaket für Griechenland kommt mit Beteiligung privater Investoren. Dabei habe Deutschland im wesentlichen seine Linie durchgesetzt, sagte ein EU-Diplomat am Rande des Gipfels.

13:29 Uhr

© EPA
Großes Aufatmen der Märkte
Kanzler Faymann bei seiner Ankunft zum Gipfel (c) EPA

13:20 Uhr
Ein teilweiser Zahlungsausfall ist laut dem niederländischen Finanzminister Kees de Jager "wahrscheinlich nicht zu vermeiden". Dieser Status könne demnach Stunden, Tage oder möglicherweise auch Wochen dauern.

13:14 Uhr
Einigen konnte man sich scheinbar auf einen Schuldenrückkauf, der für die privaten Gläubiger mit Wertberichtigungen einhergehe. Dabei ist ein teilweiser Zahlungsausfall Griechenlands als Folge einer solchen Lösung kein Tabu mehr.

13:07 Uhr
Eine Banken-Sondersteuer zur Finanzierung der Milliardenhilfen für Griechenland ist vom Tisch.

12:54 Uhr
Bundeskanzler Werner Faymann (S) zeigte sich optimistisch, dass der Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs bei "konkreten Hilfen für Griechenland doch ein gutes Stück weiter kommt". Allerdings "rechne ich nicht damit, dass alle Probleme der Eurozone heute beseitigt werden", sagte Faymann vor Beginn des Treffens in Brüssel.

12:40 Uhr
Auch der griechiosche Premierminister George Papandreou ist in Brüsseö vor Ort und versucht sein Land zu retten.

© EPA
Großes Aufatmen der Märkte
(c) EPA

12:33 Uhr
Im Gespräch ist ein zusätzliches 120-Milliarden-Hilfsprogramm für das pleitebedrohte Euro-Land.

12:30 Uhr
Kurz vor Mitternacht verständigten sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach siebenstündigem Gesprächsmarathon doch noch auf eine gemeinsame Linie zum Schuldenproblem Griechenlands. "Die gemeinsame deutsch-französische Position wird nun dem europäischen Ratspräsidenten Van Rompuy übergeben, damit er sie in die anstehenden Brüsseler Beratungen einfließen lässt", so Regierungssprecher Steffen Seibert

 

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Die 4 Szenarien zur Euro-Rettung

Der jetzige Gipfel muss zum Befreiungsschlag für den Euro werden. Die Szenarien:

1. Sanfte Variante
Griechische Anleihen werden in neue Papiere umgetauscht, die Laufzeit der Anleihen auf 30 Jahre erhöht. Zinszahlungen wären so auf Jahrzehnte gestreckt.

2. Rückkauf-Variante

Griechenland kauft seine Papiere von Banken und Versicherungen zurück und zahlt dafür viel weniger, als die Anleihen nominal wert sind. Das Geld für die Rückkäufe müsste der Europäische Rettungsfonds EFSF bereitstellen.

3. Radikalvariante
Der "Haircut" oder "Kahlschnitt“: Kein Gläubiger könnte sich diesem Schuldenerlass entziehen. Athens Gläubiger werden gezwungen, ihre Bonds mit einem Abschlag von zumindest 30 Prozent abzugeben. Vorteil: Athen hätte weniger Schulden, die Gläubiger Papiere mit guten Bonitätsnoten.

4. Raus aus Euro
Hat ein Land schlecht gewirtschaftet, fliegt es aus der Eurozone. Athen und andere Mega-Schuldner müssten zurück zu ihrer alten Währung. Griechenlands Banken werden verstaatlicht, die Menschen dürfen ihr Erspartes nicht ins Ausland schaffen.