Devisenmarkt stagniert

Lethargie an den Börsen

EU: "Das unvermeidbare Scheitern der Politik"

Die Anleger rechnen nicht mit dem großem Wurf zur Lösung der Krise.

Vor dem EU-Gipfel am Donnerstag wirkten die Anleger am Devisenmarkt wie gelähmt: Der Euro pendelte um seinen Vortagesschluss von 1,2489 Dollar, und auch im Geschäft mit den Anleihen der Sorgenkinder Italien und Spanien tat sich nicht viel. Die Investoren warteten auf das Unvermeidbare, nämlich auf das Scheitern der Politik, malte Neil Mellor, Währungsanalyst bei der Bank of New York Mellon, am Mittwoch ein düsteres Bild.

Für das am Donnerstag beginnende Spitzentreffen haben sich die Politiker hohe Ziele gesteckt. So wollen sie unter anderem eine Wachstumsagenda abstecken, aber auch über die Bankenunion und eine Vergemeinschaftung von Schulden dürfte diskutiert werden. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diesem Vorhaben am Vortag aber bereits eine deutliche Absage erteilt. Eine gesamtschuldnerische Haftung in Europa werde es nicht geben, "solange ich lebe", sagte sie.

Nach Einschätzung vieler Analysten sollten Investoren ihre Erwartungen daher nicht zu hoch schrauben: "Zu tief scheinen die Gräben zwischen den europäischen Verhandlungspartnern, als dass morgen der große Wurf gelingen könnte, der das verloren gegangene Vertrauen in die europäische Haushaltspolitik wiederherstellen könnte", urteilte Commerzbank-Analystin Carolin Hecht. "Die Marktwirkung des EU-Gipfels dürfte entscheidend davon abhängen, wie die EU-Offiziellen das Spannungsverhältnis zwischen einer schwammigen (mittelfristig wirkungslosen) Absichtserklärung und harten (mittelfristig nicht durchsetzbaren) Richtlinien lösen wollen."

Sollte der Gipfel tatsächlich enttäuschen, gehen Analysten davon aus, dass vor allem die gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen wieder deutlich Zulauf erhalten dürften. "Dann dürfte gerade der jüngste Kursrücksetzer zum Wiedereinstieg genutzt werden", sagte ein Händler. Der Bund-Future gab um bis zu 49 Ticks auf 141,21 Punkte nach. Die Renditen der zehnjährigen deutschen Papiere stiegen auf 1,543 Prozent nach 1,497 Prozent am Dienstag.

Zehnjährige spanische Bonds rentierten nahezu unverändert bei 6,866 Prozent, italienische bei 6,145 Prozent (Vortag: 6,188 Prozent). Wie stark das hoch verschuldete Italien weiter im Fokus der Märkte steht, zeigte eine Auktion halbjähriger Geldmarktpapiere im Volumen von 9 Mrd. Euro. Das Land musste den Investoren dafür 2,95 Prozent Zinsen bieten, das höchste Niveau seit Dezember 2011.

Chiara Manenti, Analystin bei Intesa Sanpaolo, konnte der Emission dennoch etwas Gutes abgewinnen: "Die Nachfrage war sehr gut. Die Rendite ist zwar gestiegen, aber sie ist unter der psychologisch wichtigen Marke von drei Prozent geblieben." Die Nachfrage bei der aktuellen Auktion überstieg das Angebot um das 1,6-Fache.

 

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