Der Iran-Konflikt drückt die Umsätze europäischer Luxusmarken in Dubai und Abu Dhabi und trifft damit den bisher wachstumsstärksten Markt der Branche.
Die Erlöse in der Mall of the Emirates, einem der größten Einkaufszentren Dubais, seien im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30 bis 50 Prozent eingebrochen, sagte eine mit den unveröffentlichten Zahlen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.
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Die Daten geben einen Einblick in die Folgen des Konflikts für den Sektor, kurz bevor Branchengrößen wie LVMH, Kering, Hermes oder auch Richemont Geschäftszahlen veröffentlichen. Die Besucherfrequenz in der Mall of the Emirates, in der sich neben Boutiquen von Louis Vuitton und Gucci, der Richemont-Schlüsselmarke Cartier und dem Uhrenkonzern Rolex auch eine Skihalle befindet, sank dem Insider zufolge im März um 15 Prozent.
Dubai Mall verzeichnet Besucherrückgang
In der größeren und bei Touristen beliebteren Dubai Mall sei der Besucherrückgang bei rund 50 Prozent gelegen, sagten der Insider und eine zweite Person aus der Branche. Dies deute auf einen potenziell noch stärkeren Umsatzeinbruch hin. In Abu Dhabi, einem kleineren und weniger vom Tourismus abhängigen Einkaufsstandort, seien die Umsätze in der Galleria Mall im März um rund zehn Prozent gesunken. Die Betreiber der Einkaufszentren sowie LVMH, Kering und Hermes lehnten eine Stellungnahme ab.
Image erschüttert
Das sorgfältig gepflegte Image von Glamour und Stabilität in Dubai ist durch den Konflikt erschüttert worden, der mit US- und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar begann. In der Folge wurden bei iranischen Drohnenangriffen auch Gebäude und Teile der Infrastruktur in Dubai getroffen.
Dabei galt der Nahe Osten, der für etwa fünf Prozent des weltweiten Luxuskonsums steht, bisher als einer der wenigen Lichtblicke für die Branche. In den vergangenen Jahren habe die Region ein prozentual zweistelliges jährliches Umsatzwachstum verzeichnet, sagte Carole Madjo, Leiterin der Luxusgüter-Analyse bei der Bank Barclays. Dazu gehörte auch der Schweizer Uhrenhersteller Swatch Group mit Marken wie Omega oder Blancpain. Branchenweit sanken die Umsätze im vergangenen Jahr um zwei Prozent, wie aus Daten der Unternehmensberatung Bain & Company hervorgeht.
Eine Normalisierung des Geschäfts dürfte selbst bei einem baldigen Ende des Iran-Kriegs Monate dauern. Die Analysten von Bernstein warnten kürzlich, dass Folgeeffekte des Konflikts wie höhere Öl- und Reisekosten, Inflation oder ein möglicher Börsensturz die Kauflaune auch außerhalb der Golfregion, insbesondere in den USA, "ohne Weiteres beeinträchtigen" könnten. "Wenn sich nun herausstellt, dass die erhoffte Erholung der Luxusbranche im Jahr 2026 ausbleibt und sich bestenfalls auf die zweite Jahreshälfte oder das nächste Jahr verschiebt, dürfte das niemanden überraschen", sagte der Portfoliomanager Christopher Rossbach von J Stern & Co.
Unmittelbare Auswirkungen auf Umsätze begrenzt
Wegen des relativ geringen Anteils des Nahen Ostens am Gesamtgeschäft dürften die unmittelbaren Auswirkungen des Konflikts auf die Quartalsumsätze der Konzerne begrenzt sein. Die Folgen für die Gewinne, die die meisten Luxushersteller nur halbjährlich ausweisen, könnten jedoch weitaus bedeutender sein, sagte Rossbach. Mit niedrigen Mieten und Arbeitskosten, höheren Einzelhandelspreisen als in anderen Regionen und praktisch keinen Steuern ist Dubai einer der lukrativsten Standorte für Luxusgüter. Für große Marken wie Louis Vuitton, Hermes oder Chanel können die jährlichen Umsätze pro Quadratmeter dem Insider zufolge dort ein Vielfaches des weltweiten Durchschnitts betragen.
Der weltgrößte Luxusgüterkonzern LVMH legt am Montag seine Umsatzzahlen für das erste Quartal vor, gefolgt von der Gucci-Mutter Kering und Hermes im weiteren Verlauf der Woche. Kering veranstaltet am Donnerstag zudem einen Kapitalmarkttag.