Pröll zieht bei höheren Hilfen mit

Athener Krise

Pröll zieht bei höheren Hilfen mit

Österreich wird bei einer eventuellen Erhöhung der Krisenhilfe für Griechenland mitziehen, kündigte Finanzminister Josef Pröll (V) Mittwochnachmittag nach einem Treffen mit Banken-Vertretern zur Griechenland-Krise an.

Griechenland braucht zur Abwehr einer Staatspleite in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld als bisher angenommen. Der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach in Brasilien von insgesamt 135 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf bis 2012. Die Opposition ging nach Treffen mit dem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, von bis zu 120 Milliarden Euro Konsolidierungsbedarf aus. Auf Deutschland kommen nach Angaben Brüderles 25 bis 30 Milliarden in diesem Zeitraum zu. In Wien sagte Finanzminister Josef Pröll (V) am Mittwochnachmittag, Österreich werde bei einer größeren Summe mitziehen.

EU und IWF teilen 2:1

EU und IWF teilen sich die Summe nach bisheriger Verabredung im Verhältnis 2:1. Die EU sollte bisher 30 Milliarden in diesem Jahr tragen, der IWF bis zu 15 Milliarden Euro. Die jährliche Belastung für Deutschland liege aktuell bei 8,4 Milliarden Euro, für Österreich sind für die erste Tranche 858 Mio. Euro als Obergrenze fixiert worden. Die Risiken könnten aber weit größer sein: "Ich kann nicht ausschließen, dass es ein höherer Betrag wird", sagte Deutschlands Wirtschaftsminister Brüderle in Sao Paulo.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte zu, dass Deutschland seinen Verpflichtungen für die Stabilität des Euro-Raumes nachkomme. Aus Regierungskreisen war zu erfahren, dass EU und IWF ihre Hilfe deutlich aufstocken müssten. Schon in diesem Jahr sei ein zusätzlicher zweistelliger Milliarden-Betrag nötig, hieß es. In der FDP hieß es, die von der Opposition verbreiteten Zahlen seien so in den Gesprächen weder von Strauss-Kahn noch von Trichet genannt worden.

Auch Portugal herabgestuft

Die Finanzkrise der Griechen spitzte sich zu, nachdem griechische Staatsanleihen am Dienstagabend von der Ratingagentur Standard & Poor's auf Ramschniveau heruntergestuft worden waren. Zusätzliche Hektik löste die Nachricht aus, dass auch das ebenfalls mit Defiziten kämpfende Portugal erneut herabgestuft wurde. Die EU-Staaten gerieten unter enormen Druck, eine Kettenreaktion zu vermeiden.

International erlitten die Aktienmärkte Verluste. Der Euro fiel auf einen der niedrigsten Stände seit einem Jahr. "Die Märkte sind mit voller Wucht von der Problematik in den angeschlagenen EU-Ländern getroffen worden", sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank.

IWF und EZB setzen Griechenland massiv unter Druck, schnell ein Drei-Jahres-Sparpaket zu schnüren. Es sei extrem wichtig, dass die Gespräche in Athen innerhalb der nächsten Tage beendet würden, sagte Trichet bei einer Pressekonferenz mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Strauss-Kahn betonte: "Jeder Tag, der verloren geht, verschlechtert die Situation." Er sagte nach einem Treffen mit Merkel auf eine entsprechende Frage, es habe noch kein IWF-Programm gegeben, das nicht zurückgezahlt worden sei.

Bereits Montag Gesetzesentwurf?

Die Bundesregierung richtete einen Krisenstab ein. Schäuble warb bei den Fraktionen um schnelle Zustimmung zu einer Gesetzesvorlage, die die Staatsbank KfW zur Zahlung der Griechenlandhilfen ermächtigt. Bereits am Montag könnte das Kabinett einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschieden.

Im Gesetzgebungsverfahren müsse dann auch der Bundesrat einbezogen werden, der am Freitag kommender Woche eine Sitzung habe, sagte Schäuble. Die Grünen signalisierten inzwischen - falls die notwendigen Transparenz eingehalten werde - diesen Zeitplan zu akzeptieren. Die Bundesregierung lehnt eine Bankenbeteiligung am Rettungsplan ab.

Athen braucht bis spätestens 19. Mai um die neun Milliarden Euro, um Anleihen zu bedienen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigte einen Eurozonen-Gipfel für den 10. Mai an. Bei einer Pressekonferenz in Tokio bemühte er sich um Beruhigung der Lage. "Die Verhandlungen sind auf dem richtigen Weg." Es sei keine Rede von einer Umschuldung.

Der Fahrplan zur Krise

Eine kleine Kabinettsrunde unter Leitung von Merkel traf sich am Mittwochvormittag in Berlin zur Beratung über das weitere Vorgehen. Danach verlautete, es bleibe bei dem vereinbarten Fahrplan, dass zunächst der IWF und die EZB mit Griechenland über einen Drei-Jahres-Sparplan verhandelten und die Ergebnisse dann bewertet würden.

SPD-Chef Sigmar Gabriel schlug vor, die deutschen Hilfen für Griechenland durch eine Finanzmarktsteuer zu bezahlen. So würden auch die "Zocker und Spekulanten" an den Kosten der von ihnen verursachten Krise beteiligt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Eine solche Abgabe von 0,05 bis 1 Prozent auf alle Finanzprodukte bedeuteten allein für Deutschland Einnahmen von 14 Milliarden Euro im Jahr.

Das hoch verschuldete und von einer Streikwelle erschütterte Krisenland Portugal will seinen Sanierungsplan beschleunigen, nachdem auch seine Kreditwürdigkeit erneut herabgesetzt wurde. Verschiedene, für 2011 geplante Maßnahmen sollen schon in diesem Jahr in Kraft gesetzt werden.

Auf der nächsten Seite: Der money.at-Ticker zum Griechenland-Gipfel zum Nachlesen!

18:59 Uhr: Bei unsoliden Finanzen verlangen die Märkte von den Staaten höhere Zinsen für die Kredite - sozusagen als Preis für das erhöhte Ausfallrisiko. Das Schuldenmachen ist für den betroffenen Staat dann teurer.

18:56 Uhr: So werden griechische Anleihen nur noch mit BB+ bewertet, was einem Ramschstatus entspricht, und Portugal mit A-. Spanien hatte vor der Krise noch von S&P die Bestnote "AAA" erhalten.

18:45 Uhr: Nachdem die europäischen Indizes einen Teil der Verluste vom Vormittag im Handelsverlauf wieder wettgemacht hatten, sorgte die Abstufung Spaniens durch die Ratingagentur Standard & Poor's von AA+ auf AA kurz vor Handelsschluss für einen weiteren Absturz.

18:43 Uhr: Eine derartig phantastische Summe zur Verfügung zu stellen, lehne die FPÖ kategorisch ab und werde dagegen kämpfen. Wieder spricht sich Strache für einen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion aus.

18:39 Uhr: Nun äußert sich auch die heimische Politik zu den Vorgängen: Als "reinsten Irrsinn" bezeichnete FPÖ-Chef Strache die Aufstockung des Hilfsbudgets.

18:35 Uhr: Strauss-Kahn betonte: "Jeder Tag, der verloren geht, verschlechtert die Situation." Er sagte nach dem Treffen mit Merkel auf eine entsprechende Frage, es habe noch kein IWF-Programm gegeben, das nicht zurückgezahlt worden sei.

18:26 Uhr: Eine solche Abgabe von 0,05 bis 1 Prozent auf alle Finanzprodukte bedeuteten allein für Deutschland Einnahmen von 14 Milliarden Euro im Jahr.

18:21 Uhr: SPD-Chef Sigmar Gabriel schlug vor, die deutschen Hilfen für Griechenland durch eine Finanzmarktsteuer zu bezahlen. So würden auch die "Zocker und Spekulanten" an den Kosten der von ihnen verursachten Krise beteiligt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. 

18:19 Uhr: Die jährliche Belastung für Deutschland liege aktuell bei 8,4 Milliarden Euro, für Österreich sind für die erste Tranche 858 Mio. Euro als Obergrenze fixiert worden. Die Risiken könnten aber weit größer sein: "Ich kann nicht ausschließen, dass es ein höherer Betrag wird", sagte Deutschlands Wirtschaftsminister Brüderle in Sao Paulo.

18:15 Uhr: EU und IWF teilen sich die Summe nach bisheriger Verabredung im Verhältnis 2:1. Die EU sollte bisher 30 Milliarden in diesem Jahr tragen, der IWF bis zu 15 Milliarden Euro.

18:09 Uhr: Während viele andere europäische Börsen bereits am Dienstag mit starken Verlusten auf die Herabstufung der S&P-Ratings für Griechenland und Portugal reagiert hatten, dürften in Wien viele Anleger erst am Mittwoch reagiert haben.

18:06 Uhr: Auch dass neben Griechenland nun auch Portugal, Spanien und Italien als Kandidaten für eine Schuldenkrise gehandelt werden, sei für die Märkte nicht vertrauenserweckend.

18:03 Uhr: Die Wiener Börse hat am Mittwoch mit deutlichen Verlusten geschlossen. "Das geplante Hilfspaket für Griechenland könnte zwar übers Jahr helfen, danach ist aber unklar wie es weiter geht", sagte ein Aktienhändler.

17:54 Uhr: Das Rating für Spanien werde auf "AA" gesenkt, teilte S&P am Mittwoch mit. Begründet wurde das mit dem schwachen Wirtschaftswachstum des Landes. Zudem sei der Ausblick für das Land negativ. Der Ausblick spiegle wider, dass sich die Budgetlage in dem Land schlechter als erwartet entwickle.

17:52 Uhr: Nur einen Tag nach der überraschenden Rating-Herabstufung Portugals hat die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) auch Spanien heruntergesetzt. Der Euro gab binnen Sekunden nach Bekanntwerden der Nachricht deutlich nach, die Aktienmärkte gingen auf Talfahrt.

17:48 Uhr: Notenbank-Gouverneur Nowotny sieht keine Notwendigkeit, dass die österreichischen Banken einen Teil der griechischen Schulden nachlassen. Eine Umstrukturierung der Kredite sei aus Sicht der Notenbank nicht notwendig.

17:44 Uhr: Die Rating-Senkungen gehen nach Griechenland und Portugal weiter: S&P senkt Spanien-Kreditrating auf AA (zuvor AA+); Ausblick negativ.

17:41 Uhr: Durch gemeinsames Vorgehen auf europäischer Ebene könne die Krise gemeistert werden. Wenn Europa beweise, dass internationale Hilfe möglich sei, werde der Druck von den internationalen Finanzmärkten genommen und ein Dominoeffekt in Richtung anderer Länder verhindert.

17:40 Uhr: Die derzeitige Krise rund um das schwer verschuldete Griechenland sei "eine Belastungsprobe für den Euro" und eine "Bewährungsprobe für Europa", erklärte Finanzminister Josef Pröll (V) nach dem heutigen Griechenland-Gipfel.

17:35 Uhr: Es sei vollkommen klar, dass diese Verhandlungen mit der griechischen Regierung "beschleunigt geführt" werden müssten, sagte Merkel.

17:30 Uhr: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Gespräche über Milliarden-Nothilfen für Griechenland rasch zu beenden.

17:27 Uhr: Wir stehen unter gewissem Zeitdruck", meinte Nowotny. Je schneller vorgegangen werde, desto besser würden "spekulative Entwicklungen" bekämpft. Dies sei sowohl in griechischen und europäischen als auch im österreichischen Interesse.

17:24 Uhr: Nun müsse jedoch bei der Griechenland-Hilfe zügig vorgegangen werden. Am 19. Mai werden für Griechenland Zahlungen von 9 Mrd. Euro fällig.

17:17 Uhr: "Österreichische Banken sind in Griechenland mit rund 4 Mrd. Euro vergleichsweise wenig engagiert", betonte Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny nach dem Griechenland-Gipfel mit Bank-Vertretern. Daher gebe es bei den österreichischen Finanzinstituten auch keine massive Betroffenheit.

17:16 Uhr: Fraktionschef der deutschen Grünen, Jürgen Trittin, sagte, die 45 Milliarden Euro, von denen bis jetzt die Rede war, seien nur der Anfang. Es sei bewusst nachgefragt worden, wie es zu einer derart dramatischen Entwicklung habe kommen können. Die Antwort sei ziemlich eindeutig gewesen: Das Zögern und Zaudern der Europäischen Union habe die Krise verstärkt, vertieft und den Konsolidierungsbedarf in diese Höhe getrieben.

17:14 Uhr: Bei einer Mehrjahresprognose werde Österreich seinen zusätzlichen Anteil leisten. Zuvor müssten noch die Empfehlungen von EU und IWF abgewartet werden.

17:12 Uhr: "Wir werden die Gelder bereitstellen, wenn alle Euro-Länder in den Topf einzahlen, und wenn die Griechen ihren Beitrag erfüllen", kündigte der Finanzminister an.

17:07 Uhr: Nach derzeitigen Vereinbarungen soll der österreichische Anteil an den Hilfsmaßnahmen bis zu 858 Mio. Euro betragen. Österreich habe für eine eventuelle Erhöhung des Hilfsprogramms bis zu 2 Mrd. Euro Kreditvolumina im Rahmen, sagte Pröll.

17:06 Uhr: Österreich wird bei einer eventuellen Erhöhung der Krisenhilfe für Griechenland mitziehen, kündigte Finanzminister Josef Pröll (V) Mittwochnachmittag nach einem Treffen mit Banken-Vertretern zur Griechenland-Krise an. "Wenn die Summe größer wird, wird sich auch unser Anteil erhöhen", sagte Pröll vor Journalisten.

17:05 Uhr: Die jährliche Belastung für Deutschland liege aktuell bei 8,4 Milliarden Euro. Die Risiken könnten aber weit größer sein: "Ich kann nicht ausschließen, dass es ein höherer Betrag wird", sagte Brüderle am Mittwoch

17:02 Uhr: Das Griechenland-Hilfspaket der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat nach Angaben des deutschen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) in drei Jahren ein Volumen von 135 Milliarden Euro.

16:59 Uhr: Auch Nowotny ist für mehr Hilfe aus Österreich: Austro-Banken mit 4 Mrd. "wenig engagiert"

16:58 Uhr: Pröll: Österreich würde bei höhere Hilfe mitziehen.

16:57 Uhr: Deutscher Minister Brüderle: Athen-Gesamtpaket 135 Mrd über 3 Jahre.

16:55 Uhr: Josef Pröll stellt sich vor dem Griechenland-Gipfel im Finanzministerium den Fragen der Journalisten:

(c) APA

16:52 Uhr: Portugal hat mit einem Budgetdefizit von 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar eine niedrigere Neuverschuldung als Europas "Problemkind Nummer eins", Griechenland, seine Lage ist aber dennoch bedenklich.

16:50 Uhr: Das hoch verschuldete Krisenland Portugal hat nun eine Beschleunigung seines Sanierungsplans angekündigt.

16:46 Uhr: Das Vertrauen der Euro-Zone stehe auf dem Spiel und jeder Tag Verzögerung verschlechtere die Situation, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Mittwoch im Anschluss an eine Unterrichtung der Bundestagsfraktionen.

16:41 Uhr: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn nach der Pressekonferenz in Berlin:

(c) dpa

16:37 Uhr: Laut Reuters forderten die Spitzenvertreter von IWF und EZB den Deutschen Bundestag eindringlich zur raschen Freigabe der Griechenland-Hilfen auf.

16:33 Uhr: Treichl sagte vor Beginn vor Journalisten, für seine Bank stelle Griechenland "kein Problem" dar. Griechenland gehöre nicht zu den Hauptmärkten der Erste, versicherte er. Es gehe darum, eine "schwierige Situation" gemeinsam zu meistern.

16:29 Uhr: Von Bankerseite sind Andreas Treichl (Erste), Willibald Cernko (Bank Austria), Johann Strobl (RZB) sowie Stephan Koren von der BAWAG gekommen.

16:27 Uhr: An dem Treffen heute Nachmittag im Finanzministerium nehmen auch Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (S) sowie Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny teil.

16:24 Uhr: Ziel sei es, die gemeinsame Währung, den Euro, zu verteidigen, betonte Pröll: "Da steht viel auf dem Spiel." Besonders wichtig sei auch gute europäische Zusammenarbeit, betonte der Finanzminister.

16:21 Uhr: Bei dem heutigen Treffen gehe es um einen gegenseitigen Informationsaustausch, um gemeinsam "in aller Ruhe in den nächsten Tagen" die Hilfe für Griechenland zu organisieren.

16:17 Uhr: Griechenland müsse "kraftvoll, energisch und gemeinsam geholfen werden", die Probleme könnten gemeistert werden, zeigte sich der Finanzminister zuversichtlich.

16:14 Uhr: Vor Beginn des heute Nachmittag im Finanzministerium einberufenen Griechenland-Gipfels hat Finanzminister Josef Pröll (V) zu einer Allianz zwischen Wirtschaft und Politik aufgerufen.

16:05 Uhr: Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB) setzen Griechenland massiv unter Druck, zur Abwendung der Staatspleite schnell ein Drei-Jahres-Sparpaket zu schnüren.

16:02 Uhr: Papandreou versprach, alles in seiner Macht zu tun, um die griechischen Bürger vor den Folgen der Finanzkrise zu schützen und sein Land aus der schweren Krise zu führen.

15:53 Uhr: Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou ruft die Länder der Eurozone zu schneller Hilfe für sein Land aufgerufen. Europa und die Eurozone müssten in einer gemeinsamen Anstrengung verhindern, dass sich das "Feuer auf die europäische und die Weltwirtschaft ausbreitet", sagte er zu Beginn einer Kabinettssitzung in Athen. Europa habe eine historische Verantwortung.

15:50 Uhr: EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso betont, dass eine Umschuldung für Griechenland keine Option sei. Bei seiner Japan-Reise sagt er, es gebe keinen Zweifel, dass auf die Bedürfnisse Griechenlands rechtzeitig eingegangen werde. Er erinnerte angesichts zahlreicher Spekulationen daran, dass die Kommission schon Maßnahmen eingeleitet habe, um einen Gesetzesrahmen für Rating-Agenturen zu schaffen. Man werde außerdem das Verhalten der Finanzmärkte während der Krise "genau verfolgen".

15:30 Uhr: Kritik an S&P kommt auch vom Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Schon länger müsse jedem Beobachter klar sein, dass die Sanierung der griechischen Staatsfinanzen "keine Kurzgeschichte" sei, sagt er im "Handelsblatt". "Das Handeln der Ratingagenturen überzeugt hier ebenso wenig wie in der Finanzkrise 2008 und 2009." Damals war S&P, Fitch und Moody's vorgeworfen worden, sie hätten bei der Risikoeinschätzung komplexer Wertpapiere versagt und Investoren in falscher Sicherheit gewiegt. S&P widerspricht: Bereits 2004 hätte S&P damit begonnen, das Griechen-Rating herunterzunehmen.

15:28 Uhr: Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramsch-Status und den dadurch ausgelösten Schockwellen an den Börsen geraten nun die Ratingagenturen unter Beschuss. Vor allem der Zeitpunkt der drastischen Ratingsenkung stößt auf harsche Kritik. "Es ist fragwürdig, ob das Timing glücklich gewählt ist. S&P hätte gut daran getan, zu warten, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen", sagt der Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus und Burkhardt, Stefan Schilbe.

Nur wenn klar sei, welche Sparmaßnahmen Griechenland leiste, könne die Bonität richtig beurteilt werden, moniert der Ökonom. So könne sich das Problem für Griechenland noch verschärfen, weil bei einer starken Herabstufung institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen Anleihen des Landes nicht mehr in ihren Depots halten dürfen. "S&P muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in einem illiquiden Markt diese Prozesse noch verschärft zu haben", sagt Schilbe.

15:20 Uhr: Der Euro hat sich wieder von den im Tagesverlauf erreichten Jahrestiefs erholt. Das EZB-Fixing lag am frühen Nachmittag bei 1,3245 US-Dollar. Gegen das Pfund notierte der Euro gemessen am EZB-Fixing etwas fester, gegen Franken und Yen knapp gehalten.

15:18 Uhr: EU und IWF wollen das Rettungspaket für Griechenland nach Worten des Fraktionschefs der deutschen Grünen, Jürgen Trittin, auf 100 bis 120 Mrd. Euro aufstocken. Das Paket soll 3 Jahre laufen, berichtete Trittin nach einer Unterrichtung der Bundestagsfraktionen durch IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Griechenland solle de facto für 3 Jahre vom Finanzmarkt genommen werden.

15:17 Uhr: Österreich hat eine Kredithilfe für Athen bis zu 858 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Fraglich ist, ob es dabei bleibt.

15:15 Uhr: Die aktuelle Hochspannung rund um das schwer verschuldete Griechenland führt zu einem Krisengipfel in Wien: Auf Einladung von Finanzminister Vizekanzler Josef Pröll um 15.30 Uhr die Spitzen der Finanzwelt zur Bewertung der Situation in Griechenland im Finanzministerium in Wien zusammen. OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny sowie die Vorstände der heimischen Banken wollen beraten, wie angesichts der weiteren Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands nun reagiert werden kann.

14:35 Uhr: Griechenland braucht in diesem Jahr offenbar deutlich mehr als die bisher bekannten 45 Mrd. Euro

13:35 Uhr: Laut einer Analyse von Goldman Sachs würde ein 3 Jahre laufendes Hilfsprogramm für Griechenland wenigstens 150 Mrd. Euro kosten.

13:04 Uhr: In ganz Europa tagen die Regierungen - und suchen Wege aus der Krise.

13:01 Uhr: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel wird noch heute nach der regulären Kabinettssitzung mit einem kleineren Kreis von Ministern über das weitere Vorgehen in der Griechenland-Krise abstimmen. An dem Gespräch nehmen Vizekanzler Guido Westerwelle, Finanzminister Wolfgang Schäuble Kanzleramtschef Ronald Pofalla, sowie Vertreter des Justiz-, Wirtschafts- und Innenministeriums teil

12.30 Uhr: Angesichts seiner Budgetkrise muss Griechenland für seine Staatsschulden mittlerweile atemberaubende Zinssätze bezahlen. Wer dem Euro-Land überhaupt noch Geld borgt, verlangt derzeit für eine Staatsanleihe mit zweijähriger Laufzeit 18,5 Prozent Zinsen - womit das Land de facto keinen Zugang zu frischem Geld hat.

Hier weiterlesen: Alle Infos und der komplette Hintergrund zur Krise!

Österreich hat eine Kredithilfe für Athen bis zu 858 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Insgesamt sollen von der EU 30 Mrd. Euro fließen, vom Währungsfonds 15 Mrd. Euro, wobei der IWF bereits eine Aufstockung auf 25 Mrd. Euro erwägt.

Die deutsche Regierung hat inzwischen einen Krisenstab eingesetzt. Deutschland soll mit 8,4 Mrd. Euro Krediten an Griechenland den höchsten Beitrag eines einzelnen Landes übernehmen. Der Deutschen Bundestag tendiert mittlerweile dazu, an den geplanten Griechenland-Hilfen auch die Finanzwirtschaft zu beteiligen. Allerdings könne ein solcher Teilschuldenersatz nur ein geringes Volumen haben, so die CDU. Die SPD will die Hilfen für Griechenland auf jeden Fall mit Maßnahmen gegen Spekulanten verbunden wissen.

Laut einer Analyse von Goldman Sachs würde ein 3 Jahre laufendes Hilfsprogramm für Griechenland wenigstens 150 Mrd. Euro kosten - was aber politisch derzeit wenig wahrscheinlich sei. In den nächsten 12-18 Monaten könnten in diesem Modell Griechenland - möglicherweise aber auch Portugal und Spanien - durch "offizielle Geldgeber" (Euro-Staaten, IWF) voll versorgt werden - mit dem Ziel, ihnen Zeit für Reformen verschaffen und ihnen eine Rückkehr auf den Kapitalmarkt nach 2-5 Jahren zu ermöglichen.

Exposure der österreichs Banken mit 5 Mrd.

Österreichische Banken sind nach bisherigen Angaben der Nationalbank mit knapp 5 Mrd. Euro in Griechenland engagiert, davon angeblich nur ein kleinerer Anteil in Staatsanleihen. Die knapp 5 Mrd. Euro betreffen Schulden (Staats- sowie Banken- und sonstiges Risiko) der Griechen ausschließlich bei den Banken in Österreich. In der Summe nicht erfasst sind Obligi von Versicherungen oder Fonds. Auf dem heutigen Treffen soll dieses Engagement noch einmal präzisiert werden.

In Österreich hatte die Erste Group, wie UBS-Analysten nach einem Investorengespräch Mitte Jänner schrieben, Anfang des Jahres ein Griechenland-Exposure von rund 1 Mrd. Euro, davon entfielen 700 Mio. auf Staatsanleihen, der Rest auf Banken. Die RZB-Gruppe bezifferte Mitte Februar das Griechenland-Exposure (Sovereign/Staat, Financial Institutions, Corporate Risk) mit aktuell etwas weniger als 300 Mio. Euro. Fast ausschließlich aus Anleihen besteht in der Volksbank AG (ÖVAG) das 187 Mio. Euro schwere Griechenland-Exposure. Um 90 Mio. Euro in griechischen Staatsanleihen geht es bei der BAWAG PSK. Die Bank Austria macht keine Angaben.

EU-Kommission schließt Umschuldung aus

Die EU-Kommission hat aber eine Umschuldung für das bedrohte Griechenland ausgeschlossen. "Eine Umschuldung kommt nicht in Betracht", sagte Amadeu Altafaj Tardio, der Sprecher von Wirtschaftskommissar Olli Rehn, in Brüssel.

Ein Umschuldung sei "für kein Land der Eurozone eine Option", weil die 15 Eurostaaten - außer Griechenland - dies so entschieden hätten, sagte der Kommissionssprecher. Es sei unter den Euroländern auch nie über eine Umschuldung diskutiert worden. "Wir verfolgen nur einen einzigen Ansatz", verwies der Sprecher auf den milliardenschweren Rettungsplan, den Griechenland derzeit mit der EU-Kommission, der EZB und dem IWF verhandelt.

Bei den Gesprächen in Athen über das Rettungspaket gebe es beständige und schnelle Fortschritte. Die EU-Kommission erwarte, dass sie in den nächsten Tagen abgeschlossen würden, so der Sprecher.

Die EU-Kommission wies am Mittwoch Vorwürfe zurück, die Rettung Griechenlands gehe zu zögerlich voran. "Niemand wartet in dieser Situation", betonte Rehns Sprecher. "Im Gegenteil - das Verfahren ist beschleunigt worden."

Die Euro-Länder wollen nach Angaben von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bei einem Sondergipfel um den 10. Mai die Griechenland-Hilfe endgültig beschließen. Die Euro-Staaten hatten sich bereiterklärt, Griechenland mit Krediten in Höhe von 30 Mrd. Euro auszuhelfen. Für das nächste Jahr ist noch keine Summe vereinbart.

Rating-Agenturen auf dem Kieker

Angesichts der massiven Spekulation gegen Griechenland auf den Finanzmärkten will die EU-Kommission auch Ratingagenturen genau beobachten, sagte der Sprecher. Er verwies auf die von der EU beschlossene Verschärfung der Regeln für Ratingagenturen.

Der Hintergrund: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat gestern die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf Ramschstatus heruntergestuft. Das hoch verschuldete Land wird seit gestern nun nur noch mit BB+/B bewertet - eine Abstufung um 3 Noten. Und auch der Ausblick ist negativ. Dem Land droht somit eine weitere Herabstufung.

Die Senkung des Ratings drücken die Sorgen aus, dass das Mittelmeerland nicht die notwendigen Reformen durchsetzen könne, um seine Schulden abzubauen, so S&P. Nur die Agentur Moody's bewertet Griechenland noch mit einem A-Rating.

Griechenland "erschüttert"

Die Abstufung traf das Land schockartig: "Es ist eine Attacke gegen das Land. Etwas muss jetzt dringend geschehen", kommenteirte das staatliche griechische Fernsehen. Viele Sender unterbrachen gestern sofort ihr Programm und berichteten vom "neuen Schlag gegen die Wirtschaft" des Landes. Die Athener Börse war bereits am Nachmittag um 6 % auf ein Jahrestief von 1.696,68 Punkten gefallen.

In Athen bezeichnete man die Abwertung der Staatsanleihen auf Ramsch-Niveau als "unerklärlich": "Es ist nunmehr ein klar europäisches Thema", sagte der griechische Regierungssprecher Giorgos Petalotis im griechischen Radio wenige Minuten nach der Abwertung. Es ist das erste Mal, dass der Regierungssprecher in Athen so schnell auf eine Abwertung der griechischen Finanzen reagiert.

"Die Geldeinlagen in Griechenland sind sicher", erklärte er. "Die Verhandlungen mit dem IWF und die EU gehen bald zu Ende wir werden bald Unterstützung bekommen, hieß es. "Die Moral in der Regierung ist sehr gut. Wir tun, was richtig ist", fügte Petalotis hinzu.

Auch Portugal abgestuft

Die Ratingagentur hat indessen auch die Kreditwürdigkeit Portugals heruntergestuft. Auch hiert wachsen die Zweifel an der Fähigkeit des Landes, mit seiner enormen Schuldenlast fertig zu werden, so S&P. Ausblick: negativ.

Auch die schwachen Konjunkturaussichten hätten zu der Entscheidung beigetragen, Portugals Langzeit-Rating um 2 Stufen auf "A-" von bisher "A+" zu senken. Damit ist das Euro-Land noch 4 Stufen vom spekulativen "Ramsch-Status" entfernt.

Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben daraufhin am Dienstag Kurseinbrüche hinnehmen müssen; auch die US- und Fernost-Börsen folgten mit tiefroten Notierungen. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Die Gemeinschaftswährung kostete am Mittwoch in der Früh 1,3185 Dollar. Der Dollar war damit 0,7583 Euro wert. Am Dienstag war der Euro mit 1,3146 Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit knapp 1 Jahr gesunken.

Bei allen Sorgen darüber, dass sich andere Länder wie bei einer Krankheit anstecken - ein Abkühlen der weltweiten Erholung ist jedoch unwahrscheinlich.

Rendite zweijähriger Anleihen bei fast 25 Prozent

Die nochmals deutlich gestiegene Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands hat die Rendite der zweijährigen griechischen Staatsanleihen am Mittwoch auf fast 25 % getrieben. Die Papiere rentierten nach Angaben von Tradeweb kurz vor Start an den Aktienmärkten mit 24,4 %.

Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für die zehnjährigen griechischen Anleihen lag bei 772 Basispunkten, die Papiere rentierten mit 10,567 %.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,94 %. In direkter Reaktion auf die Herabstufung von Griechenland und Portugal durch S&P war die Rendite bis auf 2,922 % gefallen.

Leerverkäufe an Athener Börse bis Ende Juni verboten

Die griechische Börsenaufsicht hat zum zweiten Mal in der Wirtschaftskrise Leerverkäufe an der Athener Börse untersagt. Die Behörde begründete das bis zum 28. Juni geltende Verbot mit den außergewöhnlichen Bedingungen auf dem griechischen Börsen-Parkett. Bei Beginn der Krise im Oktober 2008 war diese Art von Handel schon einmal bis Juni 2009 verboten worden. Bei Leerverkäufen wetten Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren oder Währungen. Sie leihen sich Aktien von anderen Anlegern, verkaufen diese und versuchen, sich anschließend billiger damit einzudecken. Am Dienstag hatten Aktien an der Athener Börse 6 % verloren, Werte von Banken gingen sogar um 9 % nach unten.

Portugal wehrt sich gegen "Angriffe des Marktes"

Der portugiesische Finanzminister wies jeden Vergleich zu Griechenland zurück: Es sei Mehrheitsmeinung, dass die Lage in Portugal und die in Griechenland "zwei verschiedene Realitäten" seien, sagte Teixeira dos Santos. Er verwies dabei auf IWF, EZB, EU-Kommission und OECD.

Die Neuverschuldung in Portugal erreichte im vergangenen Jahr 9,4 %, die Gesamtverschuldung stieg damit auf 76,6 % des BIP. Zum Vergleich: In Griechenland erreichte die Neuverschuldung vergangenes Jahr 13,6 %, die Gesamtverschuldung lag bei 115,1 % des BIP.

Die sozialistische Minderheitsregierung in Lissabon hat bereits ein striktes Sparprogramm aufgelegt. Teixeira dos Santos rief die Opposition am Mittwoch auf, die Maßnahmen zu unterstützen.

Spanien schlägt EU-Sondergipfel zu Griechenland vor

Die spanische EU-Ratspräsidentschaft hat die Einberufung eines Gipfeltreffens der Eurozone zur Griechenland-Hilfe vorgeschlagen. Wie der staatliche spanische Rundfunk RNE unter Berufung auf Madrider Regierungskreise berichtete, soll das Treffen nach dem Vorschlag von Ministerpräsident Jose Luis Rodríguez Zapatero am 10. Mai in Brüssel stattfinden. Auf dem Gipfel könnte eine Milliarden-Finanzhilfe für Griechenland verabschiedet werden.

Das Ringen um die Hilfe geht in eine entscheidende Phase. Die deutsche Bundesregierung will am Mittwoch in einem geheimen Abstimmungsgespräch das weitere Vorgehen in der Griechenlandkrise beraten. Zudem sind der Chef des IWF, Dominique Strauss-Kahn, sowie der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin.

Tschechiens Präsident gibt Euro Schuld an Krise

Vaclav Klaus gibt dem Euro die Schuld an der Griechenland-Krise. "Bezüglich des Wirtschaftswachstums und der ökonomischen Stabilität ist die Euro-Zone schon seit langem gescheitert", sagte er der "FAlZ". Angesichts der hohen politischen Investitionen würden die europäischen Politiker das formale Scheitern der Währungsunion aber nicht zulassen. Die Kosten dafür würden allerdings "sehr hoch sein".

Klaus sagte, die wirkliche Ursache der Griechenland-Krise liege nicht in der