Weltrekord

Dieses Experiment läuft seit fast 100 Jahren

Das Pechtropfenexperiment (Pitch-Drop-Experiment) ist laut dem Guinness-Weltrekord das am längsten laufende Laborexperiment. Seit fast einem Jahrhundert hat die zähe Flüssigkeit neun Mal getropft.

Anders als Wasser dauert es bei Pech Jahre, bis sich ein Tropfen aus der zähen Flüssigkeit löst. Genau dieses Phänomen untersucht das Pechtropfenexperiment (Pitch-Drop-Experiment).

Vor fast 100 Jahren startete der Physiker Thomas Parnell das Experiment. Er goss 1927 an der australischen University of Queensland erwärmtes Pech in einen verschlossenen Trichter. Über das Experiment wurde ein Glasgehäuse gesetzt, das vor Schmutz und äußeren Einflüssen schützen soll, wodurch die Viskosität des Pechs beeinflusst werden könnte.

Extrem hohe Viskosität

Parnell wartete drei Jahre, bis die Flüssigkeit abgekühlt und sich gesetzt hatte. 1930 öffnete er den Trichter. Das Pech begann sehr langsam zu fließen. Bis zum ersten Tropfen musste der Wissenschaftler ganze acht Jahre lang warten. Nach 96 Jahren gibt es neun Tropfen.

Das Experiment läuft noch immer. Somit hält es den Guinness-Weltrekord für das am längsten laufende Laborexperiment. Laut der offiziellen Webseite der University of Queensland soll es zeigen, dass die Viskosität von Pech etwa 100 Milliarden Mal höher ist als die von Wasser.

Pech besondere Flüssigkeit

Unter Viskosität versteht man die Zähigkeit einer Flüssigkeit. Wie die Lernplattform "Studyfix" erklärt, fließen dickflüssigere Flüssigkeiten langsamer als etwa Wasser. Pech wurde eben aus diesem Grund verwendet. Die extrem zähe Flüssigkeit entsteht beim starken Erhitzen von Holz, Kohle oder Erdöl. Es ist eine schwarze, teerartige Masse.

Seit dem Start des Experiments lösten sich 1938, 1947, 1954, 1962, 1970, 1979, 1988, 2000 und 2014 je ein Tropfen. Die veränderten Abstände hängen laut der University of Queensland mit der Installation der Klimaanlage zusammen.

Seit 2014 kein Tropfen mehr

Das Experiment im Foyer des Parnell-Gebäudes der University of Queensland wird noch weitere hundert Jahre gehen, so das "Guinness World Records". Seit 2014 warten die Wissenschaftler und Livestream-Zuschauer aus über 160 Ländern auf den nächsten Tropfen.

Das Kuriose: Bisher hat kein einziger Versuchsbetreuer, der Hüter des Pechs, einen Tropfen fallen sehen. 1961 übernahm John Mainstone das Experiment von seinem verstorbenen Physikerkollegen Thomas Parnell. In einem Interview mit der "Zeit" erklärte er: "Ich war am Tag zuvor vom Cavendish Labor in Cambridge zurückgekehrt und jemand zeigte mir die in einem Regal verstaute Apparatur. Damals war das Pechtropfenexperiment bereits mehr als 30 Jahre alt."

Mainstone erlebte keinen einzigen Tropfen live

Ab 1990 filmt eine Webcam jede Minute des Versuchs. Ausgerechnet am 28. November 2000 fiel ein Tropfen, während die Übertragung wegen eines Unwetters unterbrochen worden ist, wie das Portal "Science Alert" berichtet. Somit verpasste auch Mainstone den besonderen Moment. 2013 verstarb er. Ein Jahr später fiel der neunte Tropfen.

Derzeit hütet der Physikprofessor Andrew White das Pech. Wie lange er auf den zehnten Tropfen warten muss, ist unklar. Laut Wissenschaftlern soll dies noch in diesem Jahrzehnt passieren.

Die Faszination des Experiments beschrieb Mainstone wenige Monate vor seinem Tod gegenüber der "Zeit": "Das Verhalten dieser Probe Pech lässt sich weder austricksen noch vorhersagen. [...] Wir sollten daher dankbar sein, dass, während Jahr um Jahr verstreicht, mehr Details über das Verhalten dieser komplexen Mischung aus Kohlenwasserstoff zum Vorschein kommen."

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