Ganz Privates in Buchform

Das Leben von John Lennon in Briefen

John Lennon
© Piper Verlag/Photo Press Service (www.photopress.at)
Zum ersten Mal werden die Briefe des toten Beatles-Stars veröffentlicht.
OE24 auf Google bevorzugen

John Lennon ist längst zum Mythos geworden. Der 1980 in New York ermordete Songwriter, Schriftsteller, Beatles-Gründer, Friedensaktivist und Provokateur hatte viele Talente - und bleibt bis heute eine der schillerndsten und auch widersprüchlichsten Figuren der Popgeschichte.

Prachtband durchleuchtet Lennons Leben

Wer sich für den Menschen Lennon interessiert, der sich selbst immer wieder dem öffentlichen Zugriff entziehen wollte, kann jetzt in einem opulenten Prachtband fündig werden. "The John Lennon Letters - Eine Erinnerung in Briefen" versammelt und kommentiert auf über 400 Seiten Hunderte schriftliche Hinterlassenschaften von Lennon - angefangen von einem veilchenblauen Weihnachtsbrief an Tante Harriet aus dem Jahr 1951 bis zu einem Autogramm für eine Telefonistin am Abend des 8. Dezember 1980, wenige Stunden vor seinem gewaltsamen Tod.

Autor sammelte nahezu alles über Ex-Beatle
Der Autor, Journalist und profunde Beatles-Kenner Hunter Davies hat in jahrelanger Detektivarbeit Briefe, Postkarten, Notizen, Zeichnungen, Einkaufslisten, Nonsensverse und Autogrammkarten Lennons aufgespürt. Er entdeckte sie in Auktionshäusern, Zeitungsredaktionen, Museen und bei Privatpersonen. Über 100 dieser Fundstücke sind zudem in vierfarbigen Faksimiles im Band abgebildet. Und so kann der Leser auf eine Entdeckungsreise ins bewegte Lebens einer der einflussreichsten Popstars des 20. Jahrhunderts gehen.

Zeit in Liverpool alles andere als rosig
Dabei waren Lennons frühe Liverpooler Jahre alles andere als rosig. Sein Vater Freddie fuhr zur See und hat sich nie um seinen Sohn gekümmert, Mutter Julia war auch mehr mit sich beschäftigt. John Lennon wuchs bei seiner Tante Mimi auf, die Familie war groß, viele Briefe richten sich auch später noch an diverse Onkel, Tanten und Cousins. 1957 trifft Lennon den fast zwei Jahre jüngeren Paul McCartney, ein Jahr später stirbt seine Mutter bei einem Verkehrsunfall, zwei Jahre später formieren sich die Beatles und gehen nach Hamburg, wo sie unter anderem im "Starclub" auftreten. Die enthusiastischen Liebesbriefe an seine erste Frau Cynthia zeigen, wie sehr sich der fast elternlos aufgewachsene Lennon nach Liebe und Geborgenheit sehnte.

Beatle-Mania und der Höhepunkt
Die "Beatlemania" erreichte 1966 ihre Höhepunkt, "Ich denke, wir könnten auch vier Wachspuppen auf die Bühne stellen, und das würde das Publikum zufriedenstellen", schrieb der frustrierte, vom Wahnsinns-Hype um die Band genervte Lennon 1966 und sah sich selbst in einem Song als "Nowhere Man". Zwei Jahre später trifft er die Künstlerin Yoko Ono, ein Jahr später heiraten sie. Eine symbiotische Beziehung nimmt ihrer Lauf. Es finden sich keine Briefe an Yoko Ono in dem Band, nicht zuletzt deshalb, weil die beiden fast immer zusammen waren. Sie veranstalten spektakuläre Happenings wie das "Bed-In" in Amsterdam, Lennon gibt den Friedensaktivisten, zieht sich aber auch immer mehr ins Privatleben zurück. Die Witwe Yoko Ono, die bei der Auswahl der Briefe vermutlich das letzte Wort hatte, war voll des Lobes für dieses Buch: "Hunter, das hast Du gut gemacht", heißt es in ihrem Vorwort. Dem kann man nur zustimmen.

Info
"The John Lennon Letters. Erinnerungen in Briefen", herausgegeben von Hunter Davies, Piper Verlag, 416 S., 39,99 Euro

Die Kultur-Highlights des Jahres 2012


1 / 223

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin BrancusiVon Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi reichen die Pläne, die der neue Leiter der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen am 10. Jänner bekannt gegeben hat. Ein reduziertes, eher divers wirkendes Programm, das mit dem in den Presseunterlagen formulierten "prägnanten Profil" ("Thematische Gruppenausstellungen, Einzelpräsentationen internationaler KünstlerInnen, Retrospektiven bekannter VertreterInnen der Gegenwartskunst sowie Ausstellungen bislang noch weniger bekannter KünstlerInnen") noch nicht viel zu tun hat. In-Künstler findet man im Gegensatz zu früher nicht. Schafhausen: "Es geht selbstverständlich nicht um die Replizierung von Trends, sondern um die Kenntnis der Diskurslage."

© Stephan Wyckoff

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus Erl

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus ErlBot der Eröffnungsfestakt am 26. Dezember noch eine wilde Mischung aus Donizetti und Bartok, so hatte das neue Festspielhaus in Erl seine wahre Feuertaufe mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu bestehen. Gustav Kuhn startete das Opernprogramm der ersten Winterfestspiele im kleinen Tiroler Dorf in seiner bewährten Doppelfunktion als Regisseur und Dirigent mit einer schnörkellosen Da Ponte-Produktion. Dabei strich der Maestro die Stärken dieses architektonischen und vor allem akustisch gelungenen neuen Festspielhauses heraus. Allgemeine Jubelsalven für Kuhn und seine vorwiegend jungen Sänger nach einem langen Mozart-Abend.

© tirolerfestspiele.at

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten: Nach der dissensbedingten Absage von Dirigent Franz Welser-Möst, der 2013 bei den Salzburger Festspielen mit Sven-Eric Bechtolf die "Cosi fan tutte" hätte inszenieren sollen, feierte am Mittwochabend (19. Dezember) die "Ariadne auf Naxos" der heurigen Festspiele in der Wiener Staatsoper ihre umjubelte Premiere - mit Welser-Möst am Pult und Sven-Eric Bechtolf als Regisseur. Vornehmlich auf sängerischer Ebene bot der begeistert aufgenommene Abend einige echte Entdeckungen.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden