Zeitreise in die 80er Jahre am Samstag im Wiener Gasometer. Thomas Anders feierte mit 2.000 Fans den 3. Frühling von Modern Talking. Mit allen Kult-Hits, KI-Video-Bombast und der legendären „Nora“-Kette. Die Stimmung hielt sich aber in Grenzen.
Alle guten Dinge sind drei. Für Thomas Anders, die kreativ unauffälligere Hälfte von Modern Talking, trifft das mehr als zu. 40 Jahre nach dem raketenhaften Durchstart mit 5 Nummer-eins-Hits en suite und auch schon 28 Jahre nach der 1. Reunion mit Dieter Bohlen lässt er jetzt die Erfolgsband der 80er Jahre neu aufleben und wähnt sich damit im dritten Frühling.
Samstagabend auch in Wien, wo er unter dem Motto „Thomas Anders sings Modern Talking“ für 2.000 Fans im Gasometer eine Zeitreise in die 80er Jahre zündete. Mit einer kitschigen Bombast-Show rund um ein digital erschaffenes Abbild seines jüngeren Ichs aus den 1980er-Jahren und lahmen Sprüchen.
Vom Opener „You're My Heart, You're My Soul“, dem er die Video-Premiere von „The Best is yet to come“ voranstellte, bis zum Finale „Cheri, Cheri Lady“ setzte der selbsternannte „Gentleman of Music“ in Wien gleich mehr als 20 Mega-Hits von Dieter Bohlen auf die auf dem Papier mitsingfreudige, vor Ort aber etwas träge Setlist.
Natürlich auch die Chart-Kracher „You Can Win If You Want“, „Geronimo's Cadillac“ („Geronimo war der Häuptling der Indianer, aber Indianer darf man heute ja eigentlich nicht mehr sagen!“), „Jet Airliner“, wo ein riesiges Neon-Flugzeug über den Video-Screen fegte, oder „Brother Louie“. Songs, zu denen man sich einst wohl nur unter Folter bekannte, die im Gasometer aber vielen doch verblüffend textsicher über die Lippen kamen. Mitgefilmt wurden sie ohnedies. Auch wenn sonst die Stimmung eher bescheiden blieb.
Bei unterirdischem Sound seiner fünfköpfigen Band, der oft sehr stark an Playback erinnerte, und stellenweise schockierend schleppender Inszenierung wurden von Anders die 80er auch abseits seiner Modern Talking Vergangenheit zelebriert. Mit dem Rubik Würfel, knackigen Sprüchen („In den 80ern war alles um einiges zu groß: Die Frisuren, die Sounds, die Träume.“) und den mehr oder weniger vergewaltigten Hymnen von Whitney Houston („I Wanna Dance with Somebody“), Wham! („Wake Me Up Before You Go-Go“) oder Michael Jackson („Billie Jean“).
Und auch die legendäre „Nora“-Kette gab es in Wien zu sehen. Beim einzigen Solo-Song „Cherokee Highway“ ließ Anders das berühmte Gold-Stück vom Videoscreen glitzern. Eigentlich war das noch das glanzvollste eines bescheidenen Konzert-Abends, der doch weit hinter den Erwartungen blieb.