ÖSTERREICH enthüllt

Agenten-Thriller um gekidnappte Johanna

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Das ganze Land spricht über die Sonntag-Story aus ÖSTERREICH. Ein Amerikaner ließ mit Hilfe des FBI sein Kind aus Österreich entführen. Die Hintergründe des Dramas.

Das ganze Land ist erschüttert über das Schicksal der kleinen Johanna, die ihrer Mutter von FBI-Agenten in Bad Ischl entrissen und in die USA entführt worden war (ÖSTERREICH berichtete). Aber auch die Wut ist groß, wie ein derartiger Zwischenfall mitten in Österreich passieren kann, ohne, dass die heimischen Behörden eingreifen – vielmehr sogar assistieren.

Entsetzen
Wie berichtet hatten Polizisten die Austroamerikanerin Andrea M. am 15. April aufgrund eines von der USA erwirkten Haftbefehls festgenommen. Stunden später war die Frau bereits wieder auf freiem Fuß, doch in der Zwischenzeit hatte ihr Ex-Mann mit Hilfe von FBI-Leuten und Vertretern der Amerikanischen Botschaft Johanna aus dem Kindergarten in Bad Ischl geholt und sie vor den Augen der entsetzten Großmutter Ursula weggezerrt.

Spurlos
Dann ging alles blitzschnell: Johanna wurde von ihrem Vater Adam, einem Ex-Häftling, und US-Beamten nach Schwechat gebracht. Am 16. April, um 7.00 Uhr, hoben die beiden mit Zwischenstopp in Frankfurt Richtung Detroit ab. Seither ist Johanna verschwunden. Seit Wochen hat Mutter Andrea kein Lebenszeichen von dem herzigen Kind.

Absurd
Die Entführung der Kleinen war minutiös geplant, genauso wie die anschließende Flucht. Denn kurz nachdem Adam M. mit der Sechsjährigen abgeflogen war, erließ das Bezirksgericht Wels einen Beschluss, wonach dem Amerikaner der Pass zu entziehen ist und er das Land nicht verlassen darf.

Hintergrund: Das Gericht hatte die Vorwürfe gegen Mutter Andrea M. unter die Lupe genommen. Adam M. hatte sie wegen Kindesentführung angezeigt, als sie 2007 mit Johanna von den USA nach Österreich übersiedelt war. Absurd, wie Gerichtsunterlagen belegen. Denn der Frau war damals das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden, sie durfte mit dem Kind ausreisen.

Flucht
Die Welser Justiz beschloss umgehend, Andrea M. freizulassen – doch zu spät. Vater Adam musste von der Haltlosigkeit der Beschuldigungen gegen seine Ex-Frau gewusst haben. Daher war er mit dem Mädchen Hals über Kopf abgetaucht.

Helden in den USA
„Es ist eine Katastrophe, ein Armutszeugnis für die österreichischen Behörden“, ärgert sich Katja Künßberg, beste Freundin der Mutter und Zeugin der Entführung. Indes produzieren sich FBI-Agenten in US-Medien und lassen sich als Helden feiern, die ein Kind gerettet hätten: „Die Entführerin sitzt in Haft und wird bald ausgeliefert“, so der Tenor. Tatsächlich ist Mutter Andrea M. auf freiem Fuß – und gab ÖSTERREICH das erste Interview.

,Sie ist in Händen eines Schlägers'

Das erste Interview in ÖSTERREICH: Jetzt spricht die Mutter der kleinen Johanna

Seit der Geburt waren Andrea M. und ihre Tochter Johanna nie getrennt. Jetzt gibt es keine Lebenszeichen von dem Kind.

ÖSTERREICH: Haben sie die geringste Ahnung, wo Johanna sein könnte, wie es ihr geht?

Andrea M.: Die Ungewissheit zerfrisst mich. Mein Schatz ist weg und ich kann sie nicht befreien oder ihr helfen.

ÖSTERREICH: Was passierte an dem Tag, als man Ihnen ihr Kind wegnahm?

Andrea M.: Ungefähr 15 Mann kamen, nahmen mich fest, ohne sich auszuweisen, und sperrten mich ein, obwohl ich den Beschluss über mein alleiniges Sorgerecht vorgelegt hatte. Ich durfte mich nicht einmal von Johanna verabschieden.

ÖSTERREICH: Wussten Sie, warum Sie am 15. April verhaftet wurden?

Andrea M.: Weder die Männer, die mich mitnahmen, noch später in Haft hat mir jemand gesagt, warum ich so behandelt werde. Ich wusste absolut nicht, was mir angelastet wird.

ÖSTERREICH: Während sie weggebracht wurden, übergab man Johanna an ihren Ex-Mann.

Andrea M.: Ja, das war das Schlimmste, was man einem Kind antun kann. Meine Tochter ist jetzt in der Hand eines brutalen Schlägers, der mich früher regelmäßig verprügelte. Darum ließ ich mich nach elf Monaten Ehe scheiden.

ÖSTERREICH: War er immer so gewalttätig?

Andrea M.: Adam ist leider kokainsüchtig und ein Trinker. Ich wollte ihn da rausholen, habe es aber nicht geschafft. Da wusste ich, ich muss meine Tochter in sicherer Umgebung, weit weg von ihm aufwachsen lassen.

ÖSTERREICH: Wie kommen Sie mit der momentanen Situation zurecht?

Andrea M.: Wenn ich ehrlich bin, gar nicht. Ich bin gelähmt vor Angst und bete, dass dieser Albtraum endlich aufhört. Johannas kleine Schwester Erika fragt mich dauernd, wo Johanna ist. Und ich kann nicht antworten.

ÖSTERREICH: Was sich jeder fragt: Warum hat Ihr Ex-Mann Johanna geholt?

Andrea M.: Niemand von uns weiß, was dahinter steckt. Er hat sich nie um sie gekümmert, sie in ihrem ganzen Leben bisher erst wenige Stunden gesehen. Er kümmerte sich nie, auch nicht zu Geburtstagen oder Weihnachten. Er hat sich ja auch nicht gemeldet, um irgendwelche Forderungen zu stellen. Es ist ein grauenhaftes Rätsel.

ÖSTERREICH: Ihre Hoffnung?

Andrea M.: Dass doch noch ein Wunder geschieht, ich meine kleine Johanna zurück bekomme und sie wie geplant im kommenden Herbst in Bad Ischl in die Volksschule gehen kann. Ich liebe sie mehr als mein Leben.

Interview: Denise Pröll

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