Fridays for Future: Tausende Teilnehmer

Klimastreik startet in 14 österreichischen Städten

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Achte weltweite Auflage nach "Sommer der Klimakatastrophen" -In Wien wird auch der "Lobau-Protest" auf die Straße getragen.  

Weltweit wird am heutigen Freitag der achte Klimastreik von Fridays for Future begangen. Zentrale Forderung der Aktivisten sind verstärkte Klimaschutzmaßnahmen, damit der Temperaturanstieg noch auf eineinhalb Grad begrenzt wird - dem 2015 beim Pariser UN-Klimagipfel international vereinbarten Ziel. In Wien, wo es um 12.00 Uhr am Praterstern in der Leopoldstadt losging, steht auch der "Lobau-Protest" im Vordergrund. Insgesamt gab es in Österreich Aktionen in 14 Städten.

Kundgebung

In Klagenfurt startete bereits um 11.00 Uhr die Demonstration am Heiligengeistplatz. Nach einem eher verhaltenen Beginn mit rund 80 Teilnehmern wuchs die Zahl der Demonstrierenden - unter ihnen auch einige Erwachsene - auf 120, als sich der Zug in Bewegung setzte. Unter Sprechchören ging es eine Runde durch die Innenstadt, bevor die Schlusskundgebung vor der Kärntner Landesregierung stattfand. Nach rund eineinhalb Stunden löste sich die Demo auf - dem Vernehmen nach machten sich einige Teilnehmer nach Villach auf, wo für 14.00 Uhr die nächste FFF-Kundgebung geplant war.

Fridays for Future

In Vorarlberg trafen sich die Aktivisten gegen 10.30 Uhr am Bahnhof Bregenz. Die Menge wuchs laut Polizeiangaben in der Folge auf ihrem Protestzug durch die Bregenzer Innenstadt auf 500 Teilnehmer an. "Leider müssen wir sogar bei uns im reichen Ländle für Klimaschutz auf die Straße gehen, denn auch unsere Politiker nehmen ihre Verantwortung nicht ernst und vernachlässigen Klimaschutz massiv", so Aktivist und Mitorganisator Johannes Hartmann von Fridays for Future Vorarlberg. Gegen 11.30 Uhr trafen die lautstarken Demonstranten am Vorplatz des Vorarlberger Landhauses ein, wo eine Abschlusskundgebung stattfand. Neben Rednern, die von der Politik unter anderem ein leistbares, klimagerechtes Leben für alle forderten, heizte eine Live-Band den Aktivisten mit Protestsongs ein. Fridays for Future wendet sich in Vorarlberg auch gegen das umstrittene Straßenbauprojekt S18.

Klimagerechtigkeit

Seit 2019 wird auf der ganzen Welt für das Klima gestreikt, die Initiatorin der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg, weilt heute in Berlin. Wie Fridays For Future vor dem Auftakt in Wien in einer Aussendung berichtete, sind es diesmal mehr als 1.200 Städte auf der ganzen Welt, in denen für Klimagerechtigkeit demonstriert wird.

Video zum Thema: Greta Thunberg auf Klimademo in Berlin

Die bisherigen Streiks in Österreich riefen zum Teil Tausende Aktivisten und Aktivistinnen auf die Straße: Beim Auftakt, dem "Earth Strike" am 15. März 2019 waren es mehr als 20.000 Schüler und Studenten, als Ende Mai 2019 dann Thunberg in Wien zu Gast war, beteiligten sich allein in Wien 10.000 Personen. Doch im September vor fast genau zwei Jahren setzte bei der "Earth-Strike"-Demo die bisherige Rekordmarke: In Wien waren laut einer Schätzung der Polizei rund 30.000 Personen auf der Straße, in Innsbruck zählte man bis zu 18.000.

Überleben 

Vor dem Beginn der heutigen Demo hofften Fridays For Future erneut auf starken Zustrom, nachdem seit 2020 die Corona-Pandemie diesen doch minimiert hat. "Wir stehen jetzt an einem historischen Wendepunkt", so Aktivistin Katrin Hipmair in einem Statement am Freitag. "Wir können dabei zusehen, wie Politik und Wirtschaft durch ihr Nichts-Tun unsere Zukunft zerstören. Oder wir stehen gemeinsam für eine klimagerechte Welt auf, in der unser Überleben gesichert ist und niemand zurückgelassen wird."

In Wien stehen auch regionale Probleme auf dem Programm, denn seit Ende August blockieren Klimaaktivisten die Baustelle der Wiener Stadtstraße in Hirschstetten in der Donaustadt, aus demselben Grund haben Greenpeace-Aktivisten am gestrigen Donnerstag um 8.00 Uhr das Büro von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und den Westturm im Wiener Rathaus besetzt gehalten. Am Freitag zog die NGO zur symbolischen Uhrzeit "5 vor 12" dann Richtung Klimastreik ab, nicht ohne weiteren massiven Widerstand gegen die Straßenbau-Projekte anzukündigen.

Corona-Virus

"Setzen wir die Politik am Freitag gemeinsam unter Druck!", lautete der Aufruf der Aktivistin Paula Dorten. Gefordert wurde eine realistische Antwort auf die drohende Klimakatastrophe. Insgesamt sind es in Wien über 100 Organisationen, Gewerkschaften und Initiativen, die am Klimastreik teilnehmen, neben den bekannten Umweltschutz-NGOs auch Rotes Kreuz, die Plattform für menschliche Asylpolitik oder die Gewerkschaft ÖGB. In der Bundeshauptstadt wartet auch ein Impfbus. Von 11.00 bis 20.00 Uhr kann man sich hinter dem Kunsthistorischen Museum ohne Anmeldung gegen das Coronavirus schützen lassen.

WWF Österreich

Schon bevor sich der Demozug in der Bundeshauptstadt in Bewegung setzte, gab es bei einer Pressekonferenz der Scientists For Future am Vormittag schlechte Nachrichten: Gingen die Emissionen in Österreich im Jahr 2020 coronabedingt um geschätzte acht Prozent gegenüber 2019 zurück, gibt es heuer wieder ein Plus von neun Prozent gegenüber 2020, so neue Berechnungen des Klimawissenschafters Gottfried Kirchengast. "Es war klar, dass es sich bei dem leichten Rückgang im Vorjahr um keine Trendwende gehandelt hat, sondern das die Treibhausgase wieder ansteigen werden, darum braucht es das, wofür wir hier auf die Straße gehen", sagte Hanna Simons, Programmleiterin des WWF Österreich, gegenüber der APA in Wien. Neben ökologischer Steuerreform CO2-Bepreisung und Klimaschutzgesetz sei eine Energiesparoffensive "ganz wichtig", sagte Simons, "denn wenn unser Energieverbrauch weiterhin so ansteigt, werden wir die Klimaziele ganz bestimmt nicht erreichen".

Fridays For Future appelliert an die österreichische Regierung, die Klimakrise endlich als Krise zu behandeln und nicht auf technologische Wunderlösungen zu warten, sondern eine tiefgreifende sozial-gerechte Transformation hin zur Klimaneutralität entschlossen einzuläuten, denn die Zeit für eine Wende schwinde dahin, hieß es in einem Statement am Freitagnachmittag. Konkret gefordert wurde neben Klimaschutzgesetze und einer ambitionierten öko-sozialen Steuerreform auch der Stopp von klimaschädlichen Großprojekten wie Wiener Stadtstraße und Lobautunnel.
 

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