Nach Mord in Baden: Fahndung nach tatverdächtigem Polizisten

Diensthunde und Drohnen im Einsatz

Nach Mord in Baden: Fahndung nach tatverdächtigem Polizisten

Groß angelegte Suche nach 44-Jährigem in Gebiet, wo Auto entdeckt wurde.

Seibersdorf. Die intensive Fahndung nach einem 44 Jahre alten Polizeibeamten, der im Verdacht steht, seine ein Jahr jüngere Lebensgefährtin in Deutsch-Brodersdorf in der Marktgemeinde Seibersdorf (Bezirk Baden) getötet zu haben, hat am Donnerstag angedauert. Die Frau war laut Polizei am späten Mittwochnachmittag von Angehörigen in einem Einfamilienhaus aufgefunden worden. Sie dürfte erdrosselt oder erwürgt worden sein.

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Nach Mord in Baden: Fahndung nach tatverdächtigem Polizisten
Selfie des Paares: Der Tatverdächtige mit dem späteren Mord-Opfer.

Diensthunde und Drohnen im Einsatz

Donnerstagmittag lief eine groß angelegte Suche nach dem Verdächtigen im Raum Moosbrunn (Bezirk Bruck a.d. Leitha) an. Dort war noch am Mittwochabend in einem Windschutzgürtel das Auto des 44-Jährigen entdeckt worden. Laut Polizeisprecher Johann Baumschlager waren 75 Beamte örtlicher Dienststellen, der Einsatzeinheit sowie der schnellen Interventionsgruppe aufgeboten. An der Suche beteiligt waren zudem drei Diensthunde und zwei Drohnen.

Video zum Thema: Mord in Baden: Hier sucht die Polizei nach Tatverdächtigen

© Thomas Lenger/Monatsrevue
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Die Hinweise auf ein Gewaltverbrechen hätten sich bestätigt, hatte Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner Donnerstagfrüh auf Anfrage mitgeteilt. Es werde wegen des Verdachts des Mordes ermittelt. Schwaigerlehner verwies auch darauf, dass eine Obduktion angeordnet worden sei.

Es gebe in dem Fall keine Hinweise auf eine Gefährdung anderer Personen, sagte der Sprecher weiter. Nicht auszuschließen sei, dass der 44-Jährige seine Dienstwaffe bei sich habe.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich ermittelt. An der Fahndung nach dem in Wien tätigen Polizeibeamten waren auch das Einsatzkommando Cobra und die Bereitschaftseinheit beteiligt.

Video zum Thema: Mord in Baden: Verdächtiger ist Polizist

22. Femizid in Österreich

SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner zeigte sich über den 22. Femizid in Österreich in diesem Jahr betroffen. Fast jeden Monat würden zwei Frauen von ihren Partnern bzw. Ex-Partnern ermordet. "Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Es braucht dringend nachhaltige Maßnahmen, die diese Gewaltspirale beenden", betonte Holzleitner in einer Aussendung. Sie erneuerte die Forderung nach 228 Millionen Euro für den Gewaltschutz und die Umsetzung der Istanbul-Konvention, 3.000 zusätzliche Vollzeitstellen in den Gewalt- und Opferschutzeinrichtungen sowie die Wiedereinführung von regelmäßigen Fallkonferenzen.

"Außerdem fordern wir SPÖ-Frauen die tägliche Veröffentlichung der Gewaltzahlen in den österreichischen Medien, wir müssen die Gewaltverbrechen gegen Frauen sichtbar machen", so Holzleitner weiter. Konkret sollten Betretungs- und Annäherungsverbote ähnlich der Impfstatistik bzw. Neuinfektionen kundgemacht werden.

"Wir müssen beim Schutz von Frauen endlich mehr machen - schneller und umfassender! Wer das universelle Problem der Männergewalt nicht erkennt, nicht klar benennen kann, der wird auch nicht die richtigen Maßnahmen setzen", sagte NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter in einer Aussendung. Der Gewaltschutzsektor sei bis heute chronisch unterfinanziert, die Umsetzung konkreter Gewaltschutzmaßnahmen zu langsam und intransparent.

In einer Aufzählung der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (die sich mit einer Zählung der APA deckt) sind exklusive des jüngsten Falls 21 Frauen in diesem Jahr mutmaßlich durch den (Ex-)Partner oder männliche Personen mit Naheverhältnissen zu den Opfern getötet worden. Darin inkludiert sind ein Mord/Selbstmord, bei dem ein Abschiedsbrief einen gemeinsamen Entschluss nahelegt, ein weiterer Mord und Suizid eines betagten Ehepaars, ein Todesfall, bei dem der Verdächtige enthaftet wurde, weil ein Verbrechen vorerst nicht eindeutig nachgewiesen wurde, sowie der Tod eines 13-Jährigen Mädchens in Wien nach Verabreichung von Drogen und Vergewaltigung.

Frauen-Helpline

Frauen, die Gewalt erleben, finden kostenlos und rund um die Uhr Hilfe und Informationen bei der Frauenhelpline unter: 0800/222555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser unter www.aoef.at und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at. Betroffene von Gewalttaten und Verbrechen können sich an die Opferschutzorganisation Weißer Ring wenden unter der Tel.: 0800/112-112, www.opfernotruf.at; droht akute Gewalt, rufen Sie sofort den Polizeinotruf unter 133 oder 112. Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an 0800/133 133 Hilfe rufen.)

Video zum Thema: Sigrun Roßmanith über Frauenmord in Baden

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