Untersuchung in Linz eingeleitet

Während Herz-OP gegangen: Arzt droht sogar Haft

© OE24

Während einer kritischen Phase der Operation habe der Oberarzt an den Asisstenzarzt übergeben. Als er wieder zurückkam, war dem Patienten nicht mehr zu helfen. Er starb an einem Hinterwandinfarkt.
OE24 auf Google bevorzugen

Ein Oberarzt soll im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) während einer heiklen Operation das Spital verlassen und die OP an einen Assistenzarzt übergeben haben - offenbar um zu einem Termin in seiner privaten Ordination zu gehen. Der Patient starb. Dem Oberarzt drohen nun dienst-, straf- und standesrechtliche Konsequenzen.

Am Dienstag war der 77-jährige Patient wegen eines Aortarisses mit dem Rettungshubschrauber ins KUK eingeliefert und operiert worden. Der Oberarzt, der den Eingriff leitete, soll während einer noch kritischen Phase der Operation an einen Assistenzarzt übergeben und das Spital verlassen haben. Nach Schwierigkeiten bei der Operation starb der Patient. Das berichteten die "Oö. Nachrichten" am Wochenende online. Der ärztliche Leiter des KUK, Ferdinand Waldenberger, bestätigte die Vorgänge auch in einem Interview mit oe24.TV.

Der Oberarzt sei nach einer dreiviertel Stunde aber wieder zurückgekommen und habe erkannt, dass der Patient nicht mehr zu retten sei, sagte Waldenberger. Laut einer Obduktion starb der Mann an einem Hinterwandinfarkt, den er während der Operation erlitten hatte. Damit dürfte kein direkter Zusammenhang zwischen dem Ableben des 77-Jährigen und dem Verhalten des Arztes bestehen, aber es wurden eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet.

Video zum Thema

Arzt verlässt Herz-OP: Patient tot


© OE24


Für Waldenberger ist es zwar schon zulässig, dass ein Oberarzt während einer Operation den OP-Saal verlässt und an einen anderen Kollegen übergibt, er müsse aber greifbar bleiben und es müsse sichergestellt sein, dass der Kollege die Operation weiterführen könne. Ein Assistenzarzt sei kein Facharzt, deshalb hätte der Oberarzt aus seiner Sicht nicht das Haus verlassen dürfen.

Auch die oberösterreichische Gesundheitsreferentin LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) kündigte eine genaue Prüfung des Vorfalls an. "Sollte sich der Verdacht auf ein Fehlverhalten bestätigen, so ist dies absolut nicht zu tolerieren und dienstrechtliche Konsequenzen werden selbstverständlich folgen", betonte sie via Aussendung. Sie forderte zudem die Stadt Linz auf, die sanitäre Aufsicht einzuschalten.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden