Julius Meinl

H2-Revolution in Ottakring: Traditionsröster setzt auf Wasserstoff

Österreichs erste Wasserstoff-Röstung kommt aus Ottakring. Julius Meinl setzt auf grüne Energie aus Simmering und spart damit bei jeder Charge ordentlich CO2 ein. 

Wer durch die Julius-Meinl-Gasse im 16. Bezirk spaziert, dem weht wie gewohnt der herrliche Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen entgegen. Seit mehr als 160 Jahren ist dieser Geruch fest mit dem historischen Firmenareal von Julius Meinl in Ottakring verbunden. Doch hinter den Backsteinmauern der Traditionsrösterei hat nun eine neue Ära begonnen, die weit über die Grenzen Wiens hinaus für Aufsehen sorgt. Gemeinsam mit der Wien Energie hat Julius Meinl den ersten wasserstoffbetriebenen Kaffeeröster Österreichs in Betrieb genommen und zeigt damit vor, wie die Verbindung von Wiener Gemütlichkeit und modernster Technologie gelingen kann.

Christina Meinl, Omar Al-Rawi, Stefanie Lamp, Alma Kahler und Stefan Gara.

Christina Meinl, Omar Al-Rawi, Stefanie Lamp, Alma Kahler und Stefan Gara.

© Wien Energie/Max Kropitz

Wiener Gemeinschaftsprojekt

Die Kaffeeröstung galt bisher als einer der energieintensivsten Prozesse in der gesamten Produktionskette. Um die Bohnen perfekt zu veredeln, sind konstante Temperaturen und enorme Energiequellen nötig. Während in der Industrie bisher meist auf fossiles Flüssiggas oder Erdgas gesetzt wurde, geht man in Ottakring nun einen völlig neuen Weg. Der Treibstoff für den neuen Röster kommt direkt aus der Stadt. In Simmering erzeugt Wien Energie in einer eigenen Elektrolyseanlage zu 100 Prozent grünen Wasserstoff aus regionaler Wind-, Sonnen- und Wasserkraft. Dieser saubere Energieträger wird in Gasflaschen quer durch die Stadt nach Ottakring geliefert, um dort für klimaneutralen Kaffeegenuss zu sorgen.

"Der Wasserstoff-Kaffeeröster ist für Julius Meinl ein strategischer Baustein in der nachhaltigen Weiterentwicklung der Kaffeeproduktion. Bereits heute zeigt die Technologie, dass sich höchste Röstqualität mit fossilfreien und im Röstprozess CO2-neutralen Lösungen vereinen lässt. Dem Projekt gingen rund zehn Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit voraus, die wir geleistet haben", erklärt Thomas Meinl.

Keine Kompromisse beim Geschmack

Trotz der Umstellung auf die neue Technologie müssen Kaffeeliebhaber keine Sorge um das Aroma haben. Die Anlage arbeitet bei Temperaturen von rund 200 Grad Celsius und liefert exakt dieselben Ergebnisse wie herkömmliche Röster. Der große Unterschied liegt in der Klimabilanz, denn pro Röstvorgang von 12 Kilogramm Rohkaffee werden etwa 2 Kilogramm CO2 eingespart. Wenn man diese Zahlen auf den gesamten Betrieb hochrechnet, ergibt sich für die Wiener Rösterei ein gewaltiges Potenzial von bis zu 300 Tonnen CO2, die pro Jahr vermieden werden könnten. Damit wird der Wiener Kaffee nicht nur zum Genussmittel, sondern auch zum Vorreiter in Sachen Umweltschutz.

Julius Meinl Kaffee und Wien Energie nehmen ersten Wasserstoff-Kaffeeröster Österreichs in Betrieb.

Julius Meinl Kaffee und Wien Energie nehmen ersten Wasserstoff-Kaffeeröster Österreichs in Betrieb.

© Wien Energie/Max Kropitz

"Als Wiener Familienunternehmen mit über 160 Jahren Kaffeeexpertise ist es unser Anspruch, Kaffeetradition und Innovation verantwortungsvoll zu verbinden und weiterzudenken. Mit dem wasserstoffbetriebenen Kaffeeröster setzen wir einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft der Kaffeeproduktion, ohne Kompromisse bei Qualität und Röstkunst“, betont Christina Meinl, Familienmitglied in der 5. Generation.

Vorbild für die Industrie

Der Einsatz von Wasserstoff in Ottakring ist erst der Anfang einer größeren Entwicklung in Wien. Was bei der Kaffeebohne funktioniert, könnte bald auch in anderen Bereichen der Lebensmittel- oder Bauindustrie Schule machen. Die Wien Energie setzt bereits massiv auf den sauberen Energieträger und lässt bereits erste Busse der Wiener Linien auf den Linien 39A sowie 2A und 3A mit grünem Wasserstoff durch die Gassen gleiten. Auch auf Baustellen werden erste Bagger getestet, die ohne fossile Brennstoffe auskommen.

"Grüner Wasserstoff bietet eine flexible, praktische und klimaneutrale Alternative zu fossilen Energiequellen. Wien Energie zählt gemeinsam mit der ganzen Wiener Stadtwerke-Gruppe zu den Vorreiterinnen und zeigt, wie vielfältig dieser saubere Energieträger eingesetzt werden kann, von der Mobilität über Industrie bis zu Energieerzeugung und Speicherung“, erklärt Alma Kahler, Geschäftsführerin von Wien Energie.

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