Nachtleben

Sicher feiern am Gürtel: Wien testet digitalen Schutzengel

Sicher fortgehen am Gürtel ist ab sofort keine Glückssache mehr. Mit einem Pilotprojekt ziehen Nightlife-Experten und Club-Betreiber ein Sicherheitsnetz über das beliebte Ausgehviertel. Kernstück ist ein stiller Alarm am Handy, der professionelle Hilfe holt, bevor eine Situation eskaliert. 

Wien ist weltbekannt für sein Nachtleben, doch gerade am Westgürtel kommt es zwischen Clubs und Bars immer wieder zu brenzligen Situationen. Damit Nachtschwärmer, Personal und Anrainer in Zukunft ruhiger schlafen oder feiern können, ist nun das Pilotprojekt "Neighbourhoods for All" angelaufen. Die Nighttime Foundationund die Vienna Club Commission (VCC)  möchten die Sicherheit im Grätzl moderne Technik deutlich erhöhen.

Hilfe per Knopfdruck direkt im Club

Das Herzstück der Initiative bildet die App SafeNow. Ab sofort verwandeln sich die teilnehmenden Lokale, insbesondere im Abschnitt zwischen Alser Straße (U6) und Thaliastraße (U6), und der umliegende in sogenannte SafeNow Zonen. Wer sich belästigt fühlt, einen medizinischen Notfall bemerkt oder Zeuge von Diskriminierung wird, kann per Knopfdruck diskret Alarm schlagen.

Sicher feiern am Gürtel: Wien testet digitalen Schutzengel
© SafeNow

Die App ortet den Hilfesuchenden metergenau, was sogar in verwinkelten Gebäuden funktioniert. So weiß das Security-Personal oder das Awareness-Team sofort, wo Hilfe gebraucht wird. Die Anwendung ist kostenlos und hat sich bereits bei Großevents wie im Allianz Stadion in Hütteldorf bewährt. Auch für den Heimweg bietet sie Schutz, da Freunde oder die Familie über eine Gruppenfunktion virtuell aufpassen können, ob man gut nach Hause kommt.

Großer Sicherheits-Check im Grätzl

Im Rahmen des Projekts sind die Wienerinnen und Wiener selbst gefragt. Eine öffentliche Umfrage wurde bereits gestartet, bei der Gäste, Angestellte und Anrainer ihre Erfahrungen teilen können. Man will ganz genau wissen, wo man sich unwohl fühlt und warum es Probleme gibt. Die Ergebnisse fließen direkt in die Planung ein, um das Nachtleben am Gürtel gezielt sicherer zu machen. Zusätzlich führen Experten einen Sicherheits-Check vor Ort durch, um dunkle Ecken und potenzielle Gefahrenquellen aufzuspüren.

Personal wird geschult

Sicherheit bedeutet jedoch nicht nur Technik und Polizei. Von Mai bis Juli werden die Mitarbeiter der Gürtel-Lokale in speziellen Workshops geschult. Dabei geht es um Deeskalation, den richtigen Umgang mit Notfällen und rechtliche Grundlagen. Unter dem Titel "Safer Feiern" sorgt die Vienna Club Commission dafür, dass das Personal hinter der Schank und an der Tür genau weiß, wie man Konflikte löst, bevor sie eskalieren.

Wien als Vorreiter

Dass dieses Projekt ausgerechnet am Westgürtel umgesetzt wird, ist kein Zufall. Wien übernimmt hier eine internationale Vorreiterrolle. Das Vorhaben basiert auf internationaler Forschung der UN-Habitat und der Wiener Gürtel ist nun weltweit das erste Stadtgebiet, das diese Erkenntnisse in die Praxis umsetzt. Statt nur auf Verbote und harte Polizeipräsenz zu setzen, baut Wien auf ein Miteinander und geteilte Verantwortung im Grätzl. Das Modell soll später auch auf andere Stadtteile und sogar andere Metropolen übertragen werden.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten