Lehrer: Streit um 2 Stunden eskaliert

Gewerkschaft tobt

Lehrer: Streit um 2 Stunden eskaliert

Die Lehrer sollen bald zwei Stunden länger in den Klassen stehen.

Der Wiener Stadtchef Michael Häupl hat den Streit um zwei Stunden mehr Unterrichtszeit für Lehrer auf die Spitze getrieben. Wie berichtet, hatte Häupl in Richtung Gewerkschaft geätzt: „Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich Dienstagmittag fertig.“

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Inner- und außerhalb des Internets ging ein Proteststurm auf den scharfzün­gigen SPÖ-Politiker nieder. Doch der denkt nicht daran, sich zu entschuldigen – in ÖSTERREICH legt er sogar nach.

Lehrer-Chef: "Geistes­zustand nahm Schaden"

  • Proteststurm: Dabei rückte die halbe Republik aus, um Häupl zu schelten. Lehrervertreter Paul Kimberger sieht einen Skandal: „Durch die viele Arbeit scheint sein Geisteszustand Schaden genommen zu haben.“ ÖGB-Chef Erich Foglar: „Etwas mehr Sensibilität!“ Der Kärntner Landeschef Peter Kaiser: „Anstatt sich anzufeinden, sollten Politik und Lehrer aufeinander zugehen.“
  • 2 Stunden länger Unterricht: Dabei ist klar: Österreichs Lehrer arbeiten im internationalen Vergleich weniger als ihre Kollegen.

360-Mio.-Sparplan muss bis zum 14. Oktober stehen
Und Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek muss pro Jahr 360 Millionen Euro einsparen. Wird die Lehrverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden angehoben, würde das eben 360 Millionen bringen. Kanzler Werner Faymann und sein Vize Reinhold Mitterlehner sind für eine höhere Lehrverpflichtung. Heinisch hat sich bisher noch nicht festgelegt: „Der öffentliche Dienst muss einen Beitrag leisten – man sollte aber die Lehrer nicht herauspicken“, hatte sie vergangene Woche zu ­ÖSTERREICH gesagt.
Bis zur Budgetrede am 14. Oktober soll das Sparpaket in allen Details stehen. Die Verhandlungen mit den Lehrern werden turbulent: Die Lehrer mobilisieren bereits an den Schulen und schrecken auch vor einem Streik nicht zurück.

(fis, gü)

Österreichs Lehrer ­arbeiten am wenigsten

Die Lehrer toben ob Bürgermeister Häupls Aussagen über ihren Arbeitsaufwand. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

  • Volksschulen: Im europaweiten Vergleich zeigt sich: Nirgends arbeiten Lehrer so wenig wie hierzulande. Kommen Italiens Lehrer auf 930 Stunden im Jahr, sind es bei heimischen Kollegen nur 779. In Norwegen muss ein Lehrer gar mit doppeltem Aufwand rechnen. Einzig finnische Pädagogen sitzen weniger in der Klasse. Trotzdem freuen sich Österreichs Lehrer über vergleichsweise hohes Salär (43.000 € brutto/Jahr nach 15 Jahren).
  • Hauptschule & Gymnasium: Auch bei den beiden Sekundarstufen liegt Österreich bei der Bezahlung über und bei den Stunden deutlich unter dem OECD-Schnitt.
  • Deutschland-Vergleich: Bei unserem Nachbarn sieht die Sache anders aus. Deutsche Grundschullehrer haben eine Lehrverpflichtung von durchschnittlich 28 Stunden. Bei uns sind es 22. Hauptschullehrer kommen dort auf 27 Stunden, bei uns hingegen bloß auf 21.

Häupl: "Wofür soll ich mich entschuldigen?"

ÖSTERREICH: In der wie vielten Überstunde stünden Sie diese Woche gerade, wenn Sie eine Lehrverpflichtung von 22 Stunden hätten?
Michael Häupl: (schmunzelt) Ich habe eine Art All-inclusive-Vertrag. Ich habe durch eine humorvolle Äußerung, die sich auf meine Arbeitszeit bezieht, auf etwas hinweisen wollen, das mir im Magen liegt: Bei jedem Schulreform-Vorschlag kommt nur das Njet der Lehrergewerkschaft. Wir wollen schon seit Längerem nicht zwei Stunden Mehrarbeit, sondern nur zwei Stunden mehr in der Klasse für Lehrer. Ein Lehrergewerkschafter hat gemeint, dass das „Krieg“ bedeute. So etwas hat in einer sozialpartnerschaftlichen Diskussion nichts verloren.

ÖSTERREICH: Sie denken nicht an eine Entschuldigung?
Häupl: Ich wüsste nicht, wofür ich mich entschuldigen soll. Ich habe niemand beleidigt. Ich komme aus einer Lehrerfamilie und habe höchsten Respekt vor den Leistungen dieses Berufsstands. Das war eine Wortmeldung in Richtung der Blockierer – und nicht an die vielen engagierten Lehrer gerichtet. Denn die haben meinen vollen Respekt. Diese Differenzierung ist mir wichtig.

ÖSTERREICH: Die Kritiken schwanken zwischen „mutig“ und Empörung …
Häupl: Manche Dinge gehören einfach zugespitzt. Mit Drohungen und Shitstorms in den Neuen Medien schafft man keine Bildungsreform.

Interview: Josef Galley

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