Initiative bei Agrarministerrat angekündigt - "Faktisches Verbot der Nutzung von Sojaöl als erneuerbare Energiequelle" - Bauern sehen Existenzgrundlage in Sojaölproduktion in Gefahr
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat am Samstag Widerstand gegen die von der Europäischen Kommission geplante Einstufung von Soja als Rohstoff, der zu problematischen Verdrängungseffekten bei der Landnutzung führt, angekündigt. Beim Agrarministerrat am kommenden Dienstag werde er eine Initiative dagegen einbringen. "Dieses faktische Verbot der Nutzung von Sojaöl als erneuerbare Energiequelle" sei "völlig inakzeptabel", so Totschnig in einer Aussendung.
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Österreich ist mittlerweile drittgrößter Sojaproduzent in der Union hinter Italien und Frankreich. Die wirtschaftliche Verarbeitung von Sojabohnen funktioniere aber nur, wenn sowohl Sojaschrot als Futtermittel als auch Sojaöl als Rohstoff für Biodiesel vermarktet werden können. Durch eine Klassifikation von Soja als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) würde der Anbau in der EU allerdings pauschal mit Abholzung und Umweltbelastungen in Verbindung gebracht werden, obwohl es keine Belege für diese negativen Auswirkungen gebe, kritisierte Totschnig.
Unterscheidung nach Herkunft gefordert
Die Sojaproduktion spiele eine unverzichtbare Rolle in der EU-Landwirtschaft, warb der Minister für deren Stärkung anstelle von Einschränkungen. Aus Soja entstehe mit Biodiesel nicht nur eine wichtige erneuerbare Energiequelle. Die Pflanze liefere auch hochwertige Eiweißfuttermittel, stärke die Lebensmittelversorgung, reduziere die Abhängigkeit von Importen und der Anbau führe zu besserer Bodenqualität und weniger Düngemittelbedarf.
Angesichts der strengen EU-Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards müsse die EU-Kommission europäisches Soja differenziert behandeln, forderte Totschnig von der EU-Kommission. Denn: "Fällt der Absatzmarkt für Sojaöl weg, geraten viele europäische Ölmühlen wirtschaftlich unter Druck."
Auch Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger verlangte per Aussendung eine Differenzierung je nach Herkunft. Sojabohnen würden in der EU und vor allem in Österreich nach höchsten Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien angebaut. Die durch die EU-Kommission geplante Einstufung sei deshalb "vollkommen unverständlich". Für die Sojamühlen seien die Erlöse aus dem energetischen Markt unersetzlich für die Wirtschaftlichkeit der Vermahlung, wurde auch der Geschäftsführer BAG Ölmühle Josef Willim zitiert. "Wird dieser Absatzmarkt abgeschnitten, verlieren wir eine wesentliche Existenzgrundlage."