Ermittler vermuten eine professionelle Aktion, die auf die Energieversorgung Mitteleuropas abzielte.
Udine/Wien. Ermittler vermuten eine Sabotage an einem Knotenpunkt der Transalpinen Ölpipeline (TAL), die vom Hafen Triest über Österreich nach Deutschland führt. Ein Strommast, der das Ölpipeline-Netzwerk speist, wurde Ende März in einem schwer zugänglichen Gebiet in der Gemeinde Tolmezzo (Provinz Udine) nahe Kärnten mit Brennschneidflammen beschädigt. Die Ermittler vermuten eine professionelle Aktion, die auf die Energieversorgung Mitteleuropas abzielte.
Die TAL kommt aus Italien an der kärntnerischen Grenze in Kötschach-Mauthen (Bezirk Hermagor) nach Österreich. Dort liegt eine erste innerösterreichische Pumpstation. Die Pipeline führt dann weiter nach Norden und überquert die österreichisch-deutsche Grenze bei Kufstein.
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Doch kein Erdrutsch
An der Grenze zwischen Friaul und Kärnten, in einem schwer erreichbaren Gebiet, wurde ein Hochspannungsmast erheblich beschädigt, der zur Seite knickte. Zunächst wurde ein Erdrutsch als Ursache vermutet, doch Videoaufnahmen der RAI 1-Nachrichten Tg1 belegen die Vermutung, dass es sich um eine Sabotage gehandelt haben könne, wegen der nun auch ermittelt wird.
Basis des Mastes mit Brennschneidflamme abgetrennt
Laut Ermittlungen und Zeugenaussagen vor Ort sei der Strommast nicht durch natürliche Ursachen zu Boden gegangen. Die Basis des Mastes wurde offenkundig mit einer Brennschneidflamme abgetrennt. Die Aktion scheint darauf abgezielt zu haben, keinen sofortigen Zusammenbruch des Strommasts zu verursachen, sondern einen langsamen Kollaps, der die Versorgung der Pumpstationen des Ölpipelinesystems hätte unterbrechen sollen.
Auch OMV bezielt Öl über TAL
Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Versorgt werden Raffinerien der OMV (Burghausen in Deutschland und Schwechat), Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO.
Die Betreibergesellschaft der TAL-Ölpipeline bestritt in einer Presseaussendung am Samstag die Sabotage und erklärte, es habe sich um eine "normale technische Störung" gehandelt. TAL teilte mit, dass es im März zu einem "technischen Rückgang der Förderleistung" gekommen sei. So habe der Stromnetzbetreiber Terna am 25. März die Abschaltung einer Pumpstation in Paluzza bei Udine verlangt, um Reparaturen an einer beschädigten Stromleitung durchzuführen.
Ermittlungen wegen Sabotage
Die Staatsanwaltschaft Triest sieht die Lage anders und ermittelt wegen Sabotage. Die Untersuchung wurde den Carabinieri und der Polizei anvertraut und erfolgt in Zusammenarbeit mit den deutschen Geheimdiensten, berichteten friaulische Medien. Es wird vermutet, dass hinter dem Angriff keine gewöhnlichen Vandalen stecken, sondern professionelle Saboteure, die möglicherweise mit abtrünnigen Geheimdiensten in Verbindung stehen. Bisher gab es kein Bekennerschreiben zur Sabotage.
Die TAL-Gruppe betreibt die Transalpine Ölleitung, die Energie vom Hafen von Triest zu den Raffinerien im Herzen Europas transportiert. Sie besteht aus drei Gesellschaften mit Sitz in Italien, Österreich und Deutschland.
FPÖ-Darmann fordert von Regierung "volle Aufklärung"
Für den FPÖ-Sicherheitssprecher Gernot Darmann sei die "mangelnde Informationspolitik der Bundesregierung" in der Causa "inakzeptabel". Er fordert von ÖVP-Innenminister Karner sowie SPÖ-Staatssekretär Leichtfried eine "umgehende Aufklärung".
Darmann sagt: "Die Österreicher haben ein absolutes Recht auf Information, ob hier eine konkrete Gefahr für unser Land gegeben ist oder war. Es handelt sich bei dieser Pipeline schließlich nicht um irgendeine Rohölleitung auf der anderen Seite der Welt, sondern um eine wesentliche Versorgungsader für den Alpenraum und unsere OMV. Wenn ein derartiger Sabotageakt erfolgreich ist, steht unsere Versorgungssicherheit massiv auf dem Spiel!"