Sonnenziel
Siziliens Ostküste: Barocke Pracht und mediterraner Genuss
Wer sich für den Südosten Siziliens entscheidet, betritt eine Welt voller Barockpracht im Val di Noto. Unser „Countdown“ startet in Wien-Schwechat, und knapp 90 Minuten später landen wir am Flughafen Fontanarossa in Catania. Mit einem kleinen Lancia geht es auf der SS114 Richtung Süden, etwa 70 km bis zur kalkweißen Küstenstadt Syrakus.
Faszinierendes Syrakus
Die Stadt, einst das „New York der Antike“ mit rund 500.000 Einwohnern, beeindruckt mit griechischen und römischen Theatern, dem Ohr des Dionysos und der Altstadt auf der Insel Ortigia. Enge Gassen laden zum Flanieren ein, während der Mercato di Siracusa mit buntem Treiben alle Sinne anspricht. Mit typisch italienischer Gestik bewerben hier die Standler lauthals ihre große Auswahl an Obst, Gemüse, frischem Fisch und Meeresfrüchten. Auch wir können uns diesem Flair nicht entziehen und bestellen uns im »Canezzeria« eine „Caponata“ (Gemüseeintopf) und „Pasta con pesce spada“ (Schwertfisch-Pasta) direkt am Markt – authentischer sizilianischer Genuss.
Barock Erleben
Das Val di Noto wartet mit Modica, Ragusa und Noto – sie eint ein wunderbares barockes Stadtbild mit kulinarischen Köstlichkeiten und dem italienischen „dolce vita“. Entstanden ist diese einmalige und üppige Pracht unter dem Motto „größer, schöner und herrschaftlicher“ nach dem Schicksalstag – dem 11.Jänner 1693, als ein gewaltiges Erdbeben diese Städte in Ruinenfelder verwandelte. Nach diesem Drama alla Siciliana waren es die Baumeister um Rosario Gagliardi, die den Orten durch grandiose Kirchen, Palazzi mit majestätischen Säulen, offenen Plätzen und großzügigen Straßen neues Leben einhauchten. Sie zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Modica, malerisch in den Hybläischen Bergen gelegen, fasziniert mit seinen barocken Kirchen. Nach einem Rundgang treibt es uns natürlich in die unzähligen kleinen Geschäfte, um die weit über das Land hinaus bekannte »Cioccolato di Modica« zu probieren. Unsere klare Numero Uno ist die in Fenchelblüten gereifte Schokolade von Simone Sabaini.
Gassen, Paläste, Genuss
Am nächsten Morgen, nach einem molligen Cappuccino e Brioche in unserem charmanten Quartier am Stadtrand von Modica, starten wir Richtung Ragusa. Die Stadt mit rund 75.000 Einwohnern ist zweigeteilt: Ober- und Unterstadt werden durch eine tiefe Schlucht getrennt. Unser Ziel ist Ragusa Ibla, der barocke Altstadtteil, der über kunstvolle Treppen bequem erreichbar ist.
Hier erwarten uns verwinkelte Gassen, intime Plätze und spätbarocke Paläste mit reich verzierten Balkonen. Jeder Schritt offenbart neue Details – filigrane Steinmetzarbeiten, geschwungene Fassaden, kunstvoll gestaltete Portale. Ragusa Ibla ist eine Perle, die den Stolz und die Kreativität der Baumeister vergangener Jahrhunderte spürbar macht. Zum Mittagessen haben wir im „Invito“, etwas außerhalb von Modica, reserviert. Patron Peppino serviert hier „cucina autentico“ in liebevoller Vintage-Atmosphäre – von der Vorspeise bis zum Dessert einfach buonissimo!
Barockpracht & Marktflair
Als krönender Abschluss der Barock-Trilogie erwartet uns Noto, die honigfarbene Stadt der Spätbarockkunst. Wir betreten sie durch einen Triumphbogen und sind sofort von der monumentalen Pracht überwältigt. Der Corso Vittorio Emanuele, flankiert von Gebäuden des 18. Jahrhunderts, führt zur Piazza Municipio, wo das städtische Theater und die Kathedrale San Nicolò thronen. Eine ausladende Barocktreppe eröffnet den Blick auf die Piazza und vermittelt das Gefühl, eine Bühne zu betreten – vor einem Tempel des Glaubens und der Architektur zugleich. Noto strahlt Lebensfreude und Eleganz aus, die typisch sizilianisch ist: ein Spiel aus Licht, Farbe und morbider Schönheit.
Unsere letzte Station ist die Hafenstadt Catania. Frühmorgens genießen wir einen Cannolo, die beliebte süße Ricottarolle, bevor wir uns ins Gewimmel des Mercato Gak stürzen. Bunte Stände mit Obst, Gemüse und „Rimschi-Ramschi“ ziehen sich bis zur Piazza del Duomo und zur Cattedrale di Sant’Agata. Anschließend wartet die Pescaria, der große Fischmarkt, mit frischem Meeresgetier und „cibo da strada“.
Das lebhafte Treiben, das laute Händlergeschrei, die Düfte von Fisch und Gewürzen machen den Markt zu einem authentischen Erlebnis. Zum Abschluss gönnen wir uns „fritto misto“ und eine Kugel Pistazieneis – süß, nussig, perfekt. Sicilia, du Schöne – wir kommen wieder!
Verfasst von Eva udn Peter Hadolt
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