Hinteregger Sirnitz

Fussball in Wien und NÖ

Auf diesem Dorfplatz stürmt Hinteregger

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Das neue Leben von Martin Hinteregger (29): Hier kickt der Ex-Teamspieler ab sofort.

Riesige Stadien, Tausende Fans, Millionen vor den TV-Geräten – für viele Kinder ist das ein Traum. Für Martin Hinteregger war es das nicht immer. Er ließ die Fußball-Welt lange über sich ergehen, jetzt macht er freiwillig Schluss. Und kehrt zurück zu seinen Wurzeln, zum SGA Sirnitz. Wo Fußball weniger Verpflichtung, sondern mehr eine Leidenschaft ist. Wo kein Druck herrscht, sondern die Freude im Vordergrund steht. Und wo nach einem gelungenen Spiel auch ein Feierbierchen sein darf, ja fast sogar Pflicht ist. Hier kann Hinteregger jetzt wieder der „Landbua“ Martin sein.

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Hinteregger SGA Sirnitz

Vater Franz Hinteregger zeigte oe24 alles.

× Hinteregger SGA Sirnitz

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Hinteregger SGA Sirnitz

Vater Franz Hinteregger ist beim SGA Sirnitz der Mann für alles.

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294-Seelen-Gemeinde als großer Hinti-Fanklub

ÖSTERREICH schaute vorbei, wo Hinti in Zukunft seine Schuhe schnürt, bekam von Hinti-Papa Franz eine Führung. Der Platz ist mitten in der Natur. Tribünen? Fehlanzeige. Stattdessen können sich die Fans in die Wiese setzen – am besten mit einem kühlen Bier aus dem Vereinsheim. In diesem zeigt sich der ganze Stolz auf den Dorf-Liebling: An der Decke hängen Trikots von Hinteregger – eines von jeder seiner Stationen Salzburg, Gladbach, Augsburg, Frankfurt und dem ÖFB-Team. Ansonsten zieren Pokale die Wände. Auch welche, die Hinti mit Sirnitz gewann. Bis er 15 Jahre alt war, kickte er im 294-Seelen-Ort, dann zog er aus dem Gurktal los in die große Fußball-Welt.

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Hinteregger SGA Sirnitz

Alle Trikots von Martin Hinteregger werden stolz präsentiert.

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Holzbänke: Hier schnürt Hinti ab jetzt die Schuhe

Nun ist er zurück in der Kabine, wo er als Kind saß. Verändert hat sich seit damals kaum etwas: Schlichte Holzbänke, Haken für die Kleidung, ein Wasch­becken und ein Mistkübel. Und: Ein Spiegel an der Wand. Denn auch in der 5. Liga muss die Frisur sitzen.

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In dieser Kabine schnürt sich Martin Hinteregger zukünftig die Fußballschuhe.

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Aktuell absolviert Hinteregger, der sich vor einem Jahr eine Wohnung im Schloss Velden gekauft hatte, nur leichtes Individualtraining, leidet noch an den Folgen seiner in Frankfurt erlittene Muskelverletzung. In den nächsten ein, zwei Wochen soll er dann voll ins Training einsteigen. „Darauf freuen wir uns alle. Es ist überragend, dass er hier wieder aufläuft“, sagt Trainer Florian Oberrisser. Seit Juli ist er im Amt. Dass er nun neben Amateur-Kickern, alle Arbeiter oder Studenten, einen  amtierenden Europa-League-Sieger und 67-fache Teamspieler trainiert, ist „fast surreal“: „Aber alle freuen sich extrem auf Martin, er kann mit seiner Erfahrung viel weitergeben. Die Jungen werden zu ihm aufschauen, viel lernen.“ Der Großteil des Kaders kennt Hinti von klein auf. „Die geben sich gegenseitig richtig Stoff, der Schmäh rennt“, erzählt Oberrisser.

»Die Stadien werden aus allen Nähten platzen«

Nach zwölf Profijahren als Verteidiger wird sich Hinti in Sirnitz als Stürmer versuchen. „Er kann spielen, was er will. Und wenn er ins Tor will, soll er ins Tor gehen“, so Oberrisser. Wie viele Saisontore er ihm zutraut? „Schwierig zu sagen. Aber ich glaube, dass er mehr Tore auflegt, als selbst erzielt.“ Doch auch damit wäre geholfen: Im Vorjahr stieg Sirnitz fast ab, der Klassenerhalt war auch heuer das erklärte Ziel – bis Hinti kam. „Wir wollen weiter so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun haben“, so Oberrisser, dessen Elf drei Mal die Woche trainiert. „Dann sehen wir, wie weit’s nach oben geht.“

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In dieser Kantine werden die Sirnitzer Siege gefeiert.

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Beim Saisonstart am 22. Juli in St. Veit wird Hinti noch von der Tribüne aus die Daumen drücken, spätestens im August soll er aber mitwirken. Und für Zuschauer-Explosionen, also statt bisher rund 200 nun 600 Fans, sorgen. „Die Stadien werden aus allen Nähten platzen“, lächelt Oberrisser. Es ist die kleine, ehrliche Fußball-Welt, die sich Hinti so lange zurückgewünscht hatte.

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