Hans Krankl analysiert den Liga-Start

"Auftakt macht Lust auf mehr"

Hans Krankl analysiert den Liga-Start

Erste Runde ist absolviert. Das sagt ÖSTERREICH-Chefkolumnist dazu.

Die erste Runde ist sehr unterhaltsam und auch hochinteressant gewesen. Natürlich hat das noch keine richtige Aussagekraft. Aber es ist schön, dass Rapid vorne steht. Da gehört Rapid hin. Man sieht auch, wie eng es in unserer Bundesliga zugeht – sowohl an der Spitze als auch hinten. Meister Sturm hat sich schwer getan. Der Abstiegskampf hat auch schon begonnen. Was mir auffällt:

Rapid spielt um den Titel mit

Start nach Maß
Rapid hat gegen die Admira einen Start nach Maß erwischt, ist wieder voll da. Ich will mir gar nicht vorstellen, was in Hütteldorf los gewesen wäre, wenn Rapid verloren hätte. Die Leistung war nicht so berauschend, aber das ist völlig egal: Hauptsache drei Punkte!

Umso wichtiger, weil die Unterstützung von den Rängen gefehlt hat. Ein Geisterspiel ist immer unangenehm. Das wertet den 2:0-Sieg auf.

Ried ärgert wieder alle

Gefährlicher Außenseiter
Ried hat mich beim 1:1 gegen Sturm beeindruckt. Wer jetzt noch immer von einem Dorfklub spricht und glaubt, dass die Erfolge der Rieder in der letzten Saison nur Zufall gewesen sind, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Nein, Ried wird auch in diesem Spieljahr die Topklubs ärgern. Eigentlich gehören die Rieder ja selbst schon zu den Topklubs in diesem Land.

Der alte Schilfschneider aus dem Burgenland, Paul Gludovatz, passt perfekt ins Innviertel. Im Herzen ist er blutjung, ich mag ihn, und ich habe Riesenrespekt vor seiner Arbeit, aber er soll bitte nicht mehr so tiefstapeln.

Gludovatz hat Topspieler zur Verfügung. Und mit seinem 3-3-3-1-System bringt er jeden Gegner in Schwierigkeiten. Also: Von Ried erwarte ich viel.

Sturm muss mehr zeigen

Enttäuschung
Sturm ist beim Unentschieden in Ried deutlich unter den Erwartungen geblieben. Die Grazer hätten das Match durchaus verlieren können. Ried ist klar besser gewesen. Natürlich sind die Rieder heimstark, das ist ein extrem heißer Boden – trotzdem muss Sturm als Meister einfach mehr zeigen. Die Mannschaft hat selbst nach den Abgängen die nötige Qualität. Sturm ist der Gejagte, Sturm steht im Mittelpunkt – daran gibt’s nichts zu rütteln.

Mit Salzburg ist zu rechnen

Riesendruck
Als Jäger von Sturm stehen die Bullen und die Austria besonders unter Druck. Da lasse ich keine Ausreden gelten. Sie hätten bereits in der vergangenen Meisterschaft den Titel holen können. Nein, holen müssen! Salzburg hat perfekte Rahmenbedingungen und dazu das meiste Geld, die Austria technisch starke Spieler. Von denen möchte ich auch entsprechende Leistungen sehen. Gestern Nachmittag hat die Austria beim Hit in der Bullen-Arena fast übervorsichtig agiert. So geht es nicht. Wenn sie Meister werden möchten, müssen die Violetten mehr aus sich herausholen. Die Bullen sind mutiger gewesen – und offensiver. Das ist auch belohnt worden. Mit Salzburg ist zu rechnen.

Hinten geht es ganz eng zu

Brutal
Der Abstiegskampf wird brutal. Ich habe bereits in der Analyse vor dem Auftakt gesagt, dass fünf Teams gegen den Abstieg spielen werden. Nach dieser ersten Runde fühle ich mich bestätigt. Mattersburg und Kapfenberg haben jetzt gemerkt, was für ein rauer Wind da hinten herrscht. Wiener Neustadt und Innsbruck haben aufgezeigt und wertvolle Punkte geholt. Wenn du gleich zu Beginn in die Krise schlitterst, kommst du nur noch ganz schwer aus dem Sumpf raus. Auch das wird eine Nervenschlacht, wie die Titeljagd