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Nach nur wenigen Spielen

Paukenschlag: Klinsmann hört bei Hertha auf

Kurze Ära: Jürgen Klinsmann hat bei Hertha bereits das Handtuch geworfen.

Paukenschlag bei Hertha BSC Berlin: Nach nur zehn Wochen im Amt hat Jürgen Klinsmann seinen Job als Cheftrainer bei Hertha BSC bereits wieder zurückgelegt. Der EX-DFB-Coach gab seinen Rücktritt auf Facebook bekannt und überraschte damit Fans und Verein völlig. Nicht einmal der deutsche Fußball-Bundesligist selbst hatte bis dahin Kenntnis vom Entschluss des ehemaligen Teamchefs von Deutschland (2004 bis 2006) und der USA (2011 bis 2016). Erst zu Mittag bestätigte der Tabellen-14. den Rücktritt. Klinsmann begründete seinen Entschluss mit fehlendem Vertrauen beim Hauptstadtclub.

 "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente", schrieb der einstige Teamchef Deutschlands und der USA bei Facebook. "Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden." Nun wolle er sich auf seine Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückziehen.

Die Hertha war völlig überrascht. "Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen", sagte Sport-Geschäftsführer Michael Preetz. Zunächst werde Co-Trainer Alexander Nouri die Mannschaft betreuen.

Interne Streitigkeiten als Auslöser

Klinsmann hatte das Team und Preetz am Dienstagvormittag informiert. "Es ist alles zu frisch", sagte Nationalspieler Niklas Stark nach dem Training. "Der Trainer kam in die Kabine. Wir dachten, es geht um die Analyse des letzten Spiels. Und dann hat er es uns gesagt. Wir waren völlig überrascht", betonte Mittelfeldspieler Marko Grujic. Hertha-Investor Lars Windhorst indes war von Klinsmann nach eigenen Angaben bereits am Montag in Kenntnis gesetzt worden. "Ich bedauere diesen Schritt von Jürgen Klinsmann sehr", sagte der Unternehmer der "Bild"-Zeitung am Dienstag. Windhorst hatte Klinsmann im Herbst des Vorjahres zunächst für einen Posten im Aufsichtsrat der Berliner gewonnen.

Am 27. November hatte Klinsmann dann das Traineramt von Ante Covic übernommen. In seiner Zeit zeigte das Team im Abstiegskampf defensiv orientierten Fußball und stabilisierte sich zumindest. Im DFB-Pokal-Achtelfinale scheiterten die Berliner vergangene Woche allerdings beim FC Schalke 04 und verloren auch in der Liga nach schwacher Leistung mit 1:3 gegen den FSV Mainz 05.

"Wir waren in der relativ kurzen Zeit auf einem sehr guten Weg, haben auch dank der Unterstützung vieler Menschen trotz meist schwieriger Spiele inzwischen sechs Punkte Abstand zum Relegationsplatz", schrieb Klinsmann. Als möglichen Grund für den Rücktritt nannten "Bild" und "Sport Bild" Unstimmigkeiten über seine Trainer-Zukunft bei Hertha nach dieser Saison.

Rätselraten um Meinungsumschwung

Am Samstag gastieren die Berliner beim Schlusslicht SC Paderborn in einem wegweisenden Spiel für den Abstiegskampf. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Hertha das Ziel - den Klassenverbleib - schaffen wird", schrieb Klinsmann auf Facebook.

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Klinsmann schockte Verein mit Entscheidung

Noch am Montagabend hatte Klinsmann in einem Facebook-Videochat mit Fans für sein Projekt bei der Hertha geworben und später im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur mindestens Platz 15, also den sicheren Klassenverbleib, am Saisonende versprochen. In der Winterpause hatte Hertha dank Geldgeber Windhorst kräftig auf dem Transfermarkt investiert. Für die vier Profis Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek, Matheus Cunha und Lucas Tousart, der jedoch auf Leihbasis noch ein halbes Jahr bei Olympique Lyon bleibt, blätterte der Hauptstadt-Club fast 80 Millionen Euro hin.

Über die Zusammenarbeit mit Windhorst schwärmte Klinsmann noch am Montag bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin. "Ich habe ihn im Oktober zehn Minuten getroffen auf dem Ku'damm in einer Bank auf dem Weg zum Tegeler Flughafen, wir kannten uns vorher nicht. Er hat mir gesagt: Ich brauche dich an meiner Seite, weil ich mich im Fußball nicht auskenne. Du sagst mir, ob ich es richtig oder falsch mache", erzählte Klinsmann. Mit seinem Rücktritt als Trainer hat Klinsmann nun Windhorst und die Hertha in die nächste Notlage gestürzt.