Heikle Lage

Nach Drohung gegen Trump: FIFA will auch Iran von WM aussperren

Die politischen Spannungen zwischen den USA und Iran werfen bereits ihren Schatten auf die Fußball-WM 2026. 

Obwohl sich Iran als erstes Team sportlich für das Turnier qualifiziert hat, wächst die Unsicherheit, ob die Mannschaft tatsächlich bei der Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko antreten kann. Gleichzeitig hat die FIFA mit ihren Regularien längst einen Präzedenzfall geschaffen, wie ein möglicher Ersatz aussehen könnte.

Iran war bei der Auslosung im Dezember einer Gruppe mit Belgien und Ägypten zugeteilt worden. Schon damals sorgte das Verhältnis zu den USA für Irritationen: Teheran drohte zunächst mit einem Boykott der Zeremonie, nachdem die US-Regierung nicht der gesamten iranischen Delegation – inklusive Präsident – Visa ausgestellt hatte. Zwar nahm Iran letztlich doch teil, doch das Grundproblem bleibt bestehen. Das Land steht auf der umfassenden Einreiseliste der Trump-Regierung, Ausnahmen gelten aktuell lediglich für Spieler, Trainer und Betreuerstab.

Trump drohte mit Maßnahmen

Seitdem hat sich die Lage weiter zugespitzt. Nach dem gewaltsamen Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten und Berichten über tausende Todesopfer hat US-Präsident Donald Trump erneut mit „sehr starken Maßnahmen“ gegen das Regime gedroht. Teheran wiederum warnte laut Reuters Nachbarstaaten davor, dass amerikanische Militärbasen Ziel von Angriffen werden könnten, sollte es zu einem US-Eingreifen kommen. Vor diesem Hintergrund rückt auch Irans WM-Teilnahme zunehmend in den Fokus.

Sollte Iran sich zurückziehen oder nicht antreten dürfen, ist die FIFA vorbereitet. In den Statuten ist festgelegt, dass ein qualifiziertes Team in diesem Fall durch einen „nominierten Ersatz“ ersetzt wird – in der Regel den direkten Nachrücker aus der jeweiligen Qualifikation oder das höchstplatzierte, nicht qualifizierte Team des Kontinentalverbandes. Für Asien kämen damit vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate infrage, die in Irans Qualifikationsgruppe knapp scheiterten, oder der Irak, der die konfederationsinternen Play-offs gewann. Denkbar wäre auch eine Lösung, bei der Irak direkt zur WM rückt und die Emirate dessen Platz in den interkontinentalen Play-offs übernehmen.

Spielraum bei FIFA-Regeln

Die FIFA-Regeln lassen dabei Spielraum: Sollte ein Ersatz aus praktischen Gründen – etwa wegen Zeitplan, Visa oder Logistik – schwierig sein, kann der Weltverband auch Gruppen neu ordnen oder andere Sonderlösungen anwenden. Ein vollständiger Ausschluss Irans wäre dennoch ein außergewöhnlicher Schritt. Der letzte vergleichbare Fall liegt Jahrzehnte zurück: Bei der WM 1950 zogen sich mehrere Nationen nach der Auslosung zurück, sodass das Turnier schließlich mit weniger Teams als geplant ausgetragen wurde.

Noch ist offen, ob es tatsächlich so weit kommt. Sportlich ist Iran für die WM qualifiziert, organisatorisch wäre die Teilnahme derzeit möglich. Doch die politische Eskalation zwischen Washington und Teheran macht deutlich: Die Fußball-WM 2026 könnte schon lange vor dem ersten Anpfiff zu einer Bewährungsprobe für FIFA, Gastgeber und Teilnehmer werden.

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