Spieler weinten nach Spielmanipulation

Eklat in Spanien

Spieler weinten nach Spielmanipulation

Barca-Coach Luis Enrique: "Zu viele Leute wollen aus dem Fußball Profit ziehen".

Nach dem Abpfiff flossen viele Tränen. Einige Fußballer des spanischen Drittligisten CD Eldense hatten am Samstag nach dem blamablen 0:12 gegen das B-Team des FC Barcelona noch auf dem Rasen ihren Emotionen freien Lauf gelassen. Doch die Kicker dürften gute Schauspieler gewesen sein, denn am Dienstag stellte sich nach ersten Beschuldigungen heraus: Die Partie wurde allem Anschein nach manipuliert.



Trainer Filippo Vito di Pierro sowie der Chef der Club-Investorgruppe, Nobile Capouani, beide Italiener, wurden am Dienstag nach Polizeiangaben festgenommen. Auch die spanische Liga ermittelt. Denn Emmanuel Mendy, der sich nach eigenen Angaben geweigert hatte, in der zweiten Hälfte eingewechselt zu werden und an der mutmaßlich zur Erzielung von Wettgewinnen verübten Manipulation teilzunehmen, gab zu Protokoll, dass zum Teil Krokodilstränen geflossen seien. "Einige, die geweint haben, waren eingeweiht", beteuerte der Abwehrspieler am Dienstag.


Barca-Coach empört
Auch der Trainer des Starensembles des FC Barcelona, Luis Enrique, war empört. "Das ist ein sehr heikles Thema und muss ernst genommen werden." Der Coach von Superstar Lionel Messi forderte, dass den Manipulationen mit allen Mitteln "ein Ende gesetzt" werde. "Zu viele Leute wollen aus dem Fußball Profit ziehen", klagte Luis Enrique. Ob Manipulationen im spanischen Fußball weit verbreitet sind? "Das weiß ich nicht und will das auch nicht wissen."

Der Präsident des Verwaltungsrats des Clubs aus Elda in der Nähe von Alicante, David Aguilar, hatte schon am Sonntag von Schiebung gesprochen und das Team aus dem Spielbetrieb genommen. Zunächst konnte man meinen, "el presidente" habe überzogen reagiert - dann überschlugen sich aber bald die Ereignisse. Aguilar erstattete Anzeige, kündigte den Vertrag mit den Geldgebern und sprach von einer in Asien sitzenden Wettbande als Drahtzieher. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Auch Kicker meldeten sich zu Wort. Allen voran Stürmer Cheikh Saad, der von "vier verwickelten Spielern" sprach.

Abgekartetes Spiel
Die Namen wolle er nur der Polizei verraten. Jeder der Beteiligten habe um die 30.000 Euro kassiert. "Es wurde abgemacht, dass das Spiel zur Pause 0:8 stehen musste. Die erste Hälfte war ein Witz", erzählte der 26-Jährige im Radio. Der Gegner habe nichts gewusst. Saad, sonst Stammspieler, wurde nicht eingesetzt. Er habe von der Manipulation erfahren und dem Coach nach dem Abpfiff gesagt: "Gut, dass du mich draußen gelassen hast, sonst hätte ich dir das Gesicht kaputtgemacht." Er selber sei nach seinen Anschuldigungen nachts angerufen und bedroht worden, sagte der Mauretanier.
 

Diese neuen Profis seien benutzt worden, um Partien zu manipulieren. Im Gegenzug sei ihnen Spielpraxis für eine spätere Profi-Karriere versprochen worden, bemerkt "El Pais". Die gleiche Investorengruppe soll bereits im vergangenen Jahr beim Drittligisten FC Jumilla ähnlich agiert und ihre Geschäfte später nach Elda verlegt haben, hieß es. Das 0:12 war also wohl nicht die erste Manipulation des CD Eldense. "Ich hatte schon bei einem Spiel im März erstmals Komisches bemerkt", sagte auch Club-Boss Aguilar.

Es ging zunächst offenbar auch in Elda lange gut. Aber mit dem 0:12 wurde der Bogen überspannt. Ein solches Debakel des Tabellenletzten, der bisher nur drei Mal gewann, gegen den Ersten sei wohl glaubwürdig, hatte man sich wahrscheinlich gedacht. Der Clubchef schäumt vor Wut. Er will aber seine Entscheidung, die Mannschaft zurückzuziehen, revidieren. In Namen des Sports. "Am Sonntag gegen Sabadell spielen wir, egal wie, notfalls mit jungen Spielern", kündigte Aguilar an.