Hamann über Geldgier der Super League

"Unmoralisch und heuchlerisch"

Hamann über Geldgier der Super League

Didi Hamann spricht im "RadioAustria"-Interview über die Gründung der Super League, die Geldgier der Vereine und der fehlenden Moral im europäischen Spitzen-Fußball.

Die neue Elite-Liga der europäischen Top-Klubs erschüttert die Sport-Welt. Auch Sky-Experte und Champions League-Sieger (2005) Didi Hamann zeigt sich empört. Der ehemalige Liverpool-Spieler äußert im Interview mit "RadioAustria" großes Unverständnis, vor allem für den Zeitpunkt der Bekanntgabe.  

RadioAustria: Was sagen Sie zur Gründung der Super League?

Didi Hamann: "Ich war genauso überrascht wie alle anderen Fußballbegeisterten, als am Sonntag diese Meldung kam. Wir spielen jetzt seit zwölf Monaten ohne Zuschauer, einige Ligen spielen gar nicht mehr und die Amateur- und Jugendmannschaften dürfen nicht trainieren. Ich finde es unverständlich, in einer Zeit wo viele Fußballvereine oder Sportvereine nicht mehr wissen wie es weitergeht mit so einem Vorschlag zu kommen und diese Summen zu nennen, die da im Raum stehen. Das halte ich nicht nur für unmoralisch und heuchlerisch, das halte ich schlichtweg für falsch."  

Radio Austria: Froh, dass deutsche Clubs & PSG nicht mitziehen?

Didi Hamann: "Jetzt muss man erstmal die Entwicklung abwarten. In den Vereinen ist natürlich auch Druck: Wenn man schaut wie viele schon dabei sind, wird es schwer Nein zu sagen. Ich würde schon hoffen, im Sinne des Fußballs und im Sinne des Sports, dass der ein oder andere Verein ein Rückzieher macht. Wenn es nicht so kommt, muss die UEFA sowie die FIFA vehement gegen die Planung vorgehen."

Radio Austria: Jetzt ist es ja so, dass beispielsweise Tottenham fix dabei wäre und das obwohl Sie Stand jetzt in der Premiere League nicht einmal für die Euro League qualifiziert wären. Was sagen Sie zum Format und zu den Kriterien? 

Didi Hamann: "Richtig und Arsenal kommt ja auch noch dazu. Ich weiß nicht wann Arsenal das letzte mal in der Champions League war, das ist auch schon eine Zeit her. Das ist einfach nur noch grotesk und das versteht keiner mehr. Ich habe einen Tweet von einem Journalisten gelesen, der gesagt hat, das letzte Gute was er im Arsenal Stadion gesehen hat, war Coldplay und das ist schon fünf Jahre her. Ich glaube, das bringt es ganz gut auf den Punkt. Diese Vereine wollen sich in eine Liga heben, wo sie einfach nicht hingehören. Da tun sich diese zwölf zusammen und versuchen ihr eigenes Süppchen zu kochen. Das darf sich nicht durchsetzen." 

RadioAustria: Was sagen Sie zum Format der Super League? 

"Wir wissen ja, dass viele englische Vereine in Besitz von Amerikanern sind. Man versucht jetzt zwar das amerikanische Modell ohne Auf- und Abstieg nach Europa zu bringen, nur der Fußball funktioniert anders. Der Wettbewerb steht da im Vordergrund, das ist in der neuen Liga nicht mehr gegeben. 15 Vereine sollen Pflichtmäßig spielen und fünf andere kommen jährlich irgendwie dazu. Das hat nichts mehr mit Wettbewerb zu tun sondern geht in die komplett falsche Richtung."

RadioAustria: Wird das zur Spaltung im Fußball führen? 

Didi Hamann: Ja das hat es schon. Wir sehen ja, dass es den Machtkampf gibt zwischen diesen 12 Vereinen und der UEFA und der FIFA. Jetzt werden wir beobachten, wer den längeren Atem hat. Wenn diese zwölf Vereine das machen wollen, dann würd ich sie das machen lassen. Wenn sie dann nicht mehr in den nationalen Wettbewerben mitspielen dürfen, dann werden sich möglicherweise in den Städten neue Vereine formieren, die dann hoffentlich von den alten und von den richtigen Fans unterstützt werden. 

RadioAustria: Geht es schlichtweg nur noch um das Geld? 

Didi Hamann: Ja, es stehen glaub ich 3,5 Milliarden im Raum, die an diese Vereine gehen sollen. Es gibt wohl schon eine amerikanische Bank, die das mit unterstützen will. Ich glaube, wir sind jetzt wirklich am Scheidepunkt angekommen, wo sich im Fußball was ändern muss. Es kann nicht immer höher, weiter, schneller gehen. Der Grundsatz der Super League ist das Geld, die Gier dieser Vereine nochmal den letzten finanziellen Tropfen aus den Fans herauszupressen.Ich bin aber der festen Überzeugung, dass die Fans da nicht mitmachen und man so die Vereine sehr schnell wieder zur Vernunft bringt."