Wird WM 2022 doch neu vergeben?

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Wird WM 2022 doch neu vergeben?

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Vor allem in England und Australien will man Neuvergabe erzwingen.

Mit dem angekündigten Rücktritt von Joseph Blatter sind auch die jüngsten, von Korruptionsvorwürfen begleiteten Fußball-WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 wieder in den Fokus gerückt. Englands Verbandschef Greg Dyke fordert unter gewissen Umständen die Neuvergabe der WM 2022. Die bei der Vergabe Katar unterlegene Föderation von Australien bezichtigt die Konkurrenz unsauberer Methoden.

+++ LIVE-UPDATES: Blatter kündigt Rücktritt an +++

England macht Druck auf Katar
Dyke ist für eine Neuausschreibung der WM 2022, sollte sich der Korruptionsverdacht bestätigen. "Wenn ich die katarischen Organisatoren wäre, würde ich heute nicht sehr gut schlafen. Wenn es Beweise geben sollte, die zeigen, dass der Bewerbungsprozess ehrlich und legal war, dann ist es gut. Wenn sich zeigen sollte, dass sie korrupt waren, dann sollten die Bewerbungen wiederholt werden, so einfach ist das", erklärte Dyke.

+++ Auch Blatters rechte Hand im Visier der Justiz +++

Retourkutsche aus Katar
Die Replik aus Katar folgte prompt. Die Forderung spräche Bände über die Meinung von Dyke zur ersten WM im Mittleren Osten, sagte Scheich Hamad Bin Khalifa Bin Ahmed Al-Thani, der Präsident des katarischen Fußball-Verbandes. "Wir würden vorschlagen, dass Herr Dyke die Justiz ihre Arbeit machen lässt und sich darauf konzentriert, sein Versprechen, bis zur WM 2022 in Katar eine titelfähige englische Mannschaft aufzubauen, einlöst", so Al-Thani.



Australien: "Wir waren sauber"
Katar hatte sich bei der Vergabe der WM gegen Australien, Japan, die USA und Südkorea durchgesetzt. Für den australischen Verbandschef Frank Lowy sei die eigene Bewerbung sauber gewesen, andere aber nicht. "Wir haben eine saubere Bewerbung durchgeführt. Ich weiß, dass das andere nicht getan haben, und ich habe mein Wissen mit den Behörden geteilt", erklärte Lowy in einem offenen Brief.

"Haben wir Fehler gemacht? Ja. Wir waren naiv", schrieb Lowy. "Als wir unsere Kandidatur erklärt haben für 2022 waren wir nicht vertraut mit den Drahtziehern in der Fußball-Welt", meinte Lowy und bezeichnete die Probleme der FIFA als "tief verwurzelt".

Blatter-Rücktritt lässt auch Russland schwitzen
Auch die Vergabe der WM 2018 an Russland ist umstritten. Kein Wunder, dass russische Medien die Rücktrittsankündigung von Blatter als eine "unangenehme Nachricht" für den nächsten WM-Gastgeber bewerteten. Russland sei "einer von Blatters treuesten Verbündeten im Kampf um den Präsidentenstuhl" gewesen, schrieb die Zeitung "Kommersant" (Mittwoch). "Der Rücktritt Blatters ist eine Tatsache, die für die russischen Interessen unangenehm und beunruhigend ist", meinte "Sport Express".

Mit "fatalen Folgen" für die WM in drei Jahren rechnet das Blatt allerdings nicht, "da bisher nichts Ernstes (gegen Russland) bekanntgeworden ist". Wegen der WM-Vergaben an Russland und auch Katar 2022 ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft. Der Verfahren war von der FIFA allerdings selbst initiiert worden. Blatter ist in dem Verfahren kein Beschuldigter. Das hatte die Bundesanwaltschaft am Dienstag bekräftigt.

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