Italien in EUROphorie

EM-Quali

Italien in EUROphorie

Italiener dürfen nach Sieg über Ukraine wieder auf EM hoffen, auch England jubelt. In Frankreich hängen die Fahnen nur mehr auf Halbmast.

Jubel in Italien, Katerstimmung in Frankreich. Während Europas Fußball-Großmächte im Rennen um die Startplätze für die EURO 2008 am Mittwochabend fast durchgehend Nervenstärke bewiesen, wurde einzig Vizeweltmeister Frankreich vor eigenem Publikum von Schottland kalt erwischt. Das drohende Aus vor Augen, zeigte sich Weltmeister Italien im "Entscheidungsspiel" in der Ukraine hingegen fast gewohnt kaltblütig, auch in England herrscht nach dem 3:0 gegen Russland Euphorie.

Lesen Sie hier: Alle Quali-Ergebnisse auf einen Blick

Schotten überraschen Franzosen
Dank eines schönen Weitschusstores von James McFadden sorgten die "Highlander" mit einem 1:0-Erfolg im Pariser Prinzenpark für die Überraschung des Abends. "Das war eines der besten und eines der wichtigsten Tore in der schottischen Fußball-Geschichte", erklärte Coach Alex McLeish und der "Daily Record" wählte als Titel: "Fad-tastic". "Die tapferen schottischen Herzen haben dem französischen Druck standgehalten, die Gallier betäubt und den überraschenden Sieg nach Hause gebracht", urteilte die schottische Ausgabe der "Sun".

Groß war da natürlich das Katzenjammer auf französischer Seite. "Die Tabellensituation ist beunruhigend. Frankreich würde sich mit drei Siegen mathematisch für die EM qualifizieren, muss jedoch diesem Druck standhalten", urteilte die "L'Equipe". "Wir werden kämpfen müssen, um uns zu qualifizieren und die Spieler wissen das", wusste Teamchef Raymond Domenech. Zwei Quali-Niederlagen gegen dasselbe Team kassierten die "Bleus" zuletzt 1993 gegen Bulgarien und verpassten in Folge auch die WM-Endrunde 1994.

Italien feiert
Jubel um Antonio di Natale gab es im Land des Weltmeisters Italien. Der zwölffache Teamspieler sorgte mit einem Doppelpack in Kiew für den wichtigen 2:1-Erfolg. "Als ich den Ball im Netz sah, war ich erst einmal erstaunt: Ich mit dem Kopf? - absurd", schilderte der nur 1,70-m-Stürmer von Udinese den Führungstreffer, mit dem er seinen Trainer Roberto Donadoni aus dem medialen Schussfeld nahm. Dieser hatte hoch gepokert und Di Natale anstelle von Routinier Alessandro Del Piero eingesetzt. "Wenn wir immer mit diesem Engagement auftreten, brauchen wir keinen Gegner zu fürchten", erklärte Donadoni erleichtert.

Nächste Seite: England jubelt, Scolari dreht durch

England atmet auf
Aufatmen und Begeisterung herrscht auch auf der britischen Insel. Dank eines groß aufspielenden Michael Owen ist England der EURO ein großes Stück näher gekommen. Das Boulevardblatt "The Sun" krönte den zweifachen Torschützen zum "Super-Tsar (Zar, Anm.)". Die "Times" befand, dass "ein tödlicher Owen England inspiriert" habe, und die "Daily Mail" stellte erleichtert fest, dass Englands Team "wieder funkelt".

Viele Kommentatoren sahen auch den umstrittenen Trainer Steve McClaren rehabilitiert. "McClaren hat den Jackpot geknackt", stellte der "Daily Telegraph" fest. Dem Trainer selbst fiel ein Stein vom Herzen: "So muss England spielen. Wir werden den Sieg feiern, denn es war ein sehr wichtiger Sieg. Aber wir haben noch drei Spiele vor uns, und wir wissen, wir können es noch besser." Russlands Coach Guus Hiddink gab sich nach dem Spiel kämpferisch. "Wir werden die Engländer in Moskau kriegen", versprach der Niederländer. "Abgerechnet wird am Schluss."

Iberer schmeißen Nerven weg
Heiß her ging es wieder einmal bei den iberischen Teams. Spaniens Nationalcoach Luis Aragones erschien nach dem 2:0 gegen Lettland nicht zur Pressekonferenz und öffnete damit Rücktritts-Spekulationen Tür und Tor. Von Verbandsseite wird ein vorzeitiger Abschied des 69-Jährigen aber dementiert. "Es ist seine Entscheidung, niemand kann ihn dazu zwingen", meinte ein Sprecher. "Deprimierend", urteilte "Marca" über die Partie gegen die Balten. "Ein Sieg zum Vergessen."

In Lissabon sorgte nach einer turbulenten Schlussphase mit Scharmützel auf beiden Seiten ebenfalls ein Trainer für Gesprächsstoff. Portugals Coach Luiz Felipe Scolari soll beim 1:1 gegen Serbien in der Nachspielzeit dem ausgeschlossenen Serben Ivica Dragutinovic einen Schlag verpasst haben. "Ich habe nur etwas sein Haar berührt", meinte der Brasilianer zum Vorfall. Der serbische Verband will die UEFA einschalten. Sehen Sie hier die Bilder vom Skandal.