WM-Quali

ÖFB-Team schenkt Koller Sieg zum Abschied

Unsere Teamkicker konnten Koller in Moldawien einen schönen Abschied bescheren.

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat Marcel Koller bei dessen wahrscheinlicher Abschiedsvorstellung an der Seitenlinie mit einem Sieg beschenkt. Im abschließenden Spiel der WM-Qualifikation setzte sich die ÖFB-Elf am Montag bei der Republik Moldau knapp aber verdient mit 1:0 (0:0) durch. Louis Schaub erzielte beim Gruppen-Schlusslicht in Chisinau in der 69. Minute den entscheidenden Treffer.

Die Moldauer spielten nach einer Gelb-Roten Karte für Artur Ionita (55.) über eine halbe Stunde in Unterzahl. Österreich beendete die Gruppe D damit, wie schon vor der Partie feststand, auf Rang vier. Das Play-off der Gruppenzweiten verpasste man bei vier Punkten Rückstand auf Irland deutlich. Serbien schaffte als Sieger den Sprung zur Endrunde.

In seinem 54. und wohl letzten Spiel als Coach der ÖFB-Auswahl baute Koller in Abwesenheit einiger Stammkräfte auf eine blutjunge Abwehr. Der 21-jährige Philipp Lienhart kam im 3-4-3-System zu seinem Teamdebüt, neben dem Freiburg-Profi verteidigten die 19-jährigen Kevin Danso und Maximilian Wöber in einer Dreierkette - in Summe kam das Trio vor Anpfiff auf vier Länderspiele. Moritz Bauer und Florian Kainz agierten an den Flanken. In der Sturmreihe lief neben Marko Arnautovic und Guido Burgstaller auch Louis Schaub ein.

Junge Abwehr mit Problemen
In der Anfangsphase stellten sich bei den Österreichern mitunter Abstimmungsprobleme ein. In der 13. Minute tauchten die Moldauer gefährlich vor Torhüter Heinz Lindner auf, Eugeniu Cociuc verfehlte nur knapp das lange Eck. Nach einer Viertelstunde hatten die Gäste die Partie jedoch wieder im Griff. Moldau stand tief in der eigenen Spielhälfte und machte es den Österreichern wie beim 0:2 in Wien im März schwer.

Erst im Finish einer kaum vom Hocker reißenden ersten Spielhälfte näherten sich Arnautovic und Co. dem gegnerischen Gehäuse an. Nach einem Kainz-Antritt und Ballglück traf Burgstaller aus wenigen Metern den Ball nicht wirklich (34.). Eine Möglichkeit, die der Schalker eigentlich nutzen müsste. Einen indirekten Freistoß jagte Arnautovic dann in die Gegenspieler, Schaub verpasste bei der Folgeaktion eine Kainz-Flanke per Kopf nur knapp (42.).

Koller reagierte in der Pause mit der Einwechslung einer vertrauten Stammkraft. Marc Janko kam anstelle von Burgstaller zu seinem 66. Einsatz im Teamtrikot. Der 34-Jährige hätte bei seinem ersten Ballkontakt nach nicht einmal eineinhalb Minuten gleich anschreiben können. Aus fünf Metern völlig frei zum Kopfball kommend, verfehlte der Mittelstürmer aber das Gehäuse. Die in der WM-Qualifikation oft vermisste Effizienz blieb damit auch in Chisinau aus.

Koller mit Parade-System
Taktisch stellte Koller auf eine defensive Viererkette um und spielte in seinem Paradesystem mit breitem Mittelfeld. Entgegen kam den Österreichern dann Artur Ionita. Der bereits verwarnte Mittelfeldmann fällte Julian Baumgartlinger und sah folgerichtig Gelb-Rot (55.). Die Nummer 57 der FIFA-Weltrangliste hatte danach gegen die Nummer 156 ein deutliches Übergewicht an Spielanteilen.

Florian Grillitsch traf nach Vorlage des für Kainz eingewechselten Valentino Lazaro ins Außennetz, ehe Schaub in seinem dritten Länderspiel in Folge anschrieb. Der Rapidler bändigte im Anschluss an einen Eckball einen Querpass von Arnautovic und verwertete ins leere Tor. Die Moldauer wagten sich danach häufiger in die Offensive, wirklich in Gefahr kamen die Österreicher aber nicht.

Koller brachte mit Philipp Schobesberger einen weiteren Debütanten. Lazaro agierte bei einem Geschenk der Hausherren dann zu zögerlich und ließ die Chance auf das 2:0 ungenutzt (83.). Am Ergebnis änderte sich jedoch nichts mehr. Kevin Danso agierte im Strafraum zweimal an der Grenze zum Strafstoß, der Pfiff blieb aber aus.

Koller verabschiedete sich damit mit dem 25. Sieg seiner Amtszeit bei 16 Niederlagen. Zuletzt schied Erich Hof 1984 als siegreich gebliebener Teamchef aus dem Amt aus. Bis 30. Oktober will Neo-Sportdirektor Peter Schöttel nun einen neuen Teamchef präsentieren. Der Ex-Internationale tritt seinen Posten am Dienstag an.

Stimmen zum Spiel
Louis Schaub (Torschütze Österreich): "Es war von Anfang an schwer hier, defensiv sind sie sehr gut gestanden. In der zweiten Halbzeit war es besser, zum Glück haben wir das Tor gemacht. In so einem Spiel ist es schwierig, dass man keinen Konter fängt. Ich denke, wir haben das sehr gut gemacht."

Marko Arnautovic (Österreich): "Ein Abschied ist nichts Schönes. Wir müssen uns von einem erfolgreichen Trainer, einem guten Menschen trennen. Er hat uns viel gelernt. Wir wussten schon vor den zwei Spielen, dass wir es nicht mehr schaffen werden. Aber wir wollten dem Trainer noch eine Freude machen und die sechs Punkte gegen Serbien und heute einfahren. Es sind viele neue, junge Spieler dazugekommen, die waren hoch motiviert. Es hat sich vor dem Spiel viel um den Trainer gedreht, nichts über uns. Trainer hat gesagt, dass wir unser Spiel machen sollen. Wir hatten genug Chancen, Moldawien war extrem defensiv. Ich denke, wir haben das gut gemacht."

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Es hat ein wenig Spannung im Spiel gefehlt. In der ersten Halbzeit haben wir nicht so schnell gespielt, der Rhythmus hat gefehlt. Der Gegner war auch sehr defensiv eingestellt und hat auf Konter gelauert. Mit dem Systemwechsel war es in der zweiten Halbzeit besser. Wir hatten auch wieder Chancen, was soll man da sagen. An dem müssen sie arbeiten. Aber wir haben noch den Sieg geholt. Wir werden es heute noch genießen. Ich habe mich bei den Spielern bedankt, wir werden heute Abend noch ein Gläschen trinken."

Zu Abschied: "Es waren wunderschöne Jahre, nicht nur im Fußball. Österreich ist ein wunderschönes Land. Es gibt Hochs und Tiefs, das wissen wir. Wir haben dem neuen Teamchef ein paar junge Spieler präsentiert, wir haben einen Wechsel gemacht. Aber man hat gesehen, dass die Jungen noch Zeit brauchen. Es ist schon Qualität da. Vorne fehlt noch ein Knipser. Aber wir sind nur Österreich, nicht Deutschland, Spanien oder Frankreich."

Leo Windtner (ÖFB-Präsident): "Man muss nüchtern sagen, dass wir das Ziel nicht erreicht haben. Das Ende ist versöhnlich, gegen Serbien war es ein sehr gutes Match, heute haben wir die Pflicht erfüllt. Von der Ära Koller wird die fulminante Quali für die Euro 2016 in Erinnerung bleiben. Es wird auch bleiben, dass Fußball in Österreich einen höheren Stellenwert bekommen hat."

Zur Teamchef-Suche: "Ich gehe davon aus, dass wir am 30. Oktober einen neuen Teamchef bestimmen können. Das Trainingslager im November hat großen Wert für die Schritte im kommenden Jahr."