Nach Scharner-Eklat fliegen die Fetzen

Abrechnung mit Koller

Nach Scharner-Eklat fliegen die Fetzen

Scharner: „Bin nicht geflohen. Koller hat die Unwahrheit gesagt.“

Es herrschte eine gespenstische Atmosphäre gestern in der Hamburger Imtech-Arena. In den düsteren Katakomben des Stadions hatten sich circa 15 Journalisten ein­gefunden – zur improvisierten Pressekonferenz mit Team-Deserteur Paul Scharner. Der 32-Jährige wollte seine vorzeitige Abreise vom Türkei-Länderspiel (2:0) erklären. Und teilte dabei kräftig aus …



Er forderte schriftliche Einsatzgarantie
Scharner behauptet: „Ich wurde entlassen, bin nicht geflohen. Vor dem Team hat der Trainer erklärt, dass er mir nahelegt, dass ich gehen soll. Schade, die WM 2014 war ein großer Traum von mir.“

Scharner hatte nach ÖSTERREICH-Informationen eine schriftliche (!) Stammplatzgarantie von Koller gefordert. Erst als der Schweizer die verweigerte, entschloss er sich zum Bruch mit dem Team. Am Dienstagabend, nach der Unterredung mit Koller, gab Scharner dem Magazin News ein Interview, in dem er erklärte: „Mit Koller fahren wir nie zur WM 2014!“

Gestern aber behauptete Scharner: „Ich habe nie einen Stammplatz gefordert. Koller hat die Unwahrheit gesagt. Es geht um Wertschätzung. Koller hat mir erklärt, dass er mit Prödl und Pogatetz ein besseres Gefühl hat. Ohne Koller würde ich sehr gern für mein Heimatland spielen. Der Ausschluss war wie ein Schlag in die Magengrube.“

Scharner: "Ich bin ein sehr umgänglicher Typ“
Anschließend erklärte Scharner, der bereits unter Jogi Löw (bei der Austria) und unter Josef Hickersberger (beim Team) aus der Mannschaft geflogen war: „Ich bin ein sehr umgäng­licher Typ, ein Profi durch und durch.“ Immerhin: Seinem neuen Klub verspricht Scharner: „Ich werde beim HSV keinen Stammplatz fordern.“ Den hat er ohnehin nicht. In der 1. DFB-Pokalrunde beim Drittligisten Karlsruhe (So., 14.30 Uhr) sitzt Scharner auf der Bank. Der „Problem-Ösi“ (Bild) sagt: „Kein Problem …“

Scharner spricht Klartext über … 1/4
… seinen Abgang:
Ich wurde entlassen, bin nicht geflohen. Vor dem Team hat der Trainer erklärt, dass er mir nahelegt, dass ich gehen soll.


Koller: "Scharner für mich erledigt"

ÖSTERREICH: Herr Koller, lassen Sie sich tatsächlich wie ein Wiener Schnitzel weichklopfen, wie Paul Scharner behauptet hat?
Marcel Koller: Ich mag Wiener Schnitzel. Die sind lecker, obwohl ich sie nicht jeden Tag haben muss. Was jedoch nicht heißt, dass ich mich weichklopfen lasse. Das ist nicht der Fall. Ich habe mich auch nicht verändert, wie Paul gesagt hat. Na ja, vielleicht habe ich ein paar Haare weniger … Was die Mentalität in Österreich betrifft: Teile davon kann man durchaus annehmen. Und trotzdem bin ich kein angepasster Mensch – nur professionell. Ich denke ans Team.

ÖSTERREICH: Lügt Scharner, wenn er erklärt, dass er keine Rolle mehr bei Ihnen gespielt hätte?
Koller: Das entspricht nicht der Wahrheit. Ich weiß nicht, warum Paul so redet. Vorher ist alles gut gewesen. Und jetzt alles schlecht. Nur weil er gegen die Türkei nicht in der Startelf gewesen wäre. Wenn ich als Trainer nicht mit ihm plane, dann hole ich ihn gar nicht. Es war auch seine Idee, in Zukunft als Innenverteidiger zu spielen. Jene Position, auf der es im Nationalteam die größte Konkurrenz gibt!

ÖSTERREICH: Er hat Ihnen schriftlich mitgeteilt, wie er seine Rolle sieht. Was haben Sie da empfunden?
Koller: Dass das Selbstdarstellung ist.

ÖSTERREICH: Scharner wirft Ihnen auch Respektlosigkeit vor. Haben Sie ihn wirklich respektlos behandelt?
Koller: Nie. Ich behandle jeden mit Respekt. Aber hätte Paul Respekt gehabt, wäre er direkt auf mich zugegangen und nicht in die Öffentlichkeit. Es ist schwer zu sagen, wie Paul tickt. In seinen Kopf kann ich nicht reinschauen.

ÖSTERREICH: Besteht die Chance auf Versöhnung?

Koller: Ich habe das schon vor dem Match gegen die Türkei gesagt: Solange ich Teamchef bin, wird Paul Scharner sicher nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen. Das Thema Scharner ist für mich erledigt!

Text: Rolf Heßbrügge / Interview: Christian Russegger

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