Im Mittelfeld ist Österreich stark besetzt – doch ganz vorne drückt der Schuh. Teamchef Ralf Rangnick sucht vor den WM-Tests händeringend nach einer neuen Lösung im Sturm. Denn auf der wichtigsten Position im Angriff gibt es aktuell mehr Fragezeichen als echte Optionen.
Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann kennen einander seit 16 Jahren. Damals war Nagelsmann U-17-Trainer bei Hoffenheim, Rangnick Sportchef und Trainer. Letzte Woche sprach Nagelsmann als deutscher Teamchef von einer „Baustelle, die wir schließen müssen“. Es handelt sich um die Position des Mittelstürmers. Ähnliches gilt vor der Weltmeisterschaft auch für Rangnick und Österreichs Nationalteam.
Alternative zu Gregerl & Rekordtorschütze Arnautovic
Er braucht eine Alternative zu Michael Gregoritsch (»Gregerl)«, der Österreich gegen Bosnien zur WM schoss, und Marko Arnautovic, der mit 36 kein Mann für 90 Minuten mehr ist. Gregoritsch gehörte bei Augsburg heuer fünfmal zur Startelf, wurde viermal eingewechselt. Seine Tore gegen Wolfsburg und St. Pauli trugen dazu bei, dass Augsburg als Neunter keine Abstiegssorgen mehr hat. Das ändert nichts daran, dass Rangnick noch einen Strafraumstürmer braucht. Der zuletzt verletzte Wolfsburg-Legionär Patrick Wimmer, Nikolaus Wurmbrand und Marco Grüll, die zum Bosnien-Kader gehörten, sind keine.
Montag steht erster WM-Kader
Montag (13 Uhr,live auf ORFSport+) wird er den Kader für die WM-Tests gegen Ghana (27. März, 18 Uhr) und Südkorea (31. März, 20.45 Uhr) bekanntgeben. Sicher mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka, die sich für Österreich entschieden und die Spielerlaubnis der FIFA erhielten. Zwei zentrale Mittelfeldspieler auf Positionen, auf denen Rangnick keine Baustelle hat. Wanner und Chukwuemeka werden nicht an Nicolas Seiwald, Xaver Schlager, Christoph Baumgartner und Marcel Sabitzer vorbeikommen. Wenn Sabitzer fit ist, spielt er bei Dortmund, Chukwuemeka aber nicht.
Kalajdzic als Option
Wichtiger als das Debüt von Wanner und Teamdress wäre das 20. Länderspiel von Sasa Kalajdzic. Der Zweimeter-Riese wäre der gesuchte Strafraumstürmer, der auch Mitspieler einsetzen kann. Wie er bereits beim LASK zeigte, auch wenn er noch lange nicht bei hundert Prozent ist, wie er selbst feststellte. Aber das kann sich mit mehr Spielpraxis rasch ändern.
Kalajdzic bestritt bereits neun Länderspiele unter Rangnick. Vier 2022 zu Beginn der Teamchefära noch in der Nations League A, vier nach seinem zweiten Kreuzbandriss in der EM-Qualifikation. Das letzte im November 2023 beim 2:0 gegen Deutschland im Happel-Stadion. Zwei Monate später erlitt er zum dritten Mal einen Kreuzbandriss.
Drei Assistenten vor WM im Abstiegskampf
Rangnicks Assistent Lars Kornetka hat seit Donnerstag einen zweiten Job: Cheftrainer beim deutschen Zweitligisten Eintracht Braunschweig, der neun Runden vor Schluss nur einen Punkt vor dem Abstiegsplatz steht. Das werden harte neun Runden vor der WM. Das gilt auch für andere aus Rangnicks Staff: Önur Cinel spielt mit Cercle Brügge im Play-down der letzten vier in Belgien um den Klassenerhalt, auch Tormanntrainer Michael Gspurning hat mit Union Berlin Abstiegssorgen. Die „Ausnahme“ unter den Co-Trainern ist Stefan Oesen.