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Vorwurf an Kartnig

Sturm-Millionen für Spielschulden ausgegeben?

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Auch nach seinem Ende als Präsident von Sturm kommt Kartnig nicht zur Ruhe. Jetzt gibt es neue, schwere Vorwürfe.

Hannes Kartnig, einst als Retter des SK Sturm Graz gefeiert, soll in seiner Zeit als Fußball-Präsident "offenbar keinen Unterschied" zwischen privaten Verbindlichkeiten, seiner Grazer Firma Perspektiven und dem Fußball-Verein gemacht haben. Dies schreibt die "Kleine Zeitung " in ihrer Donnerstag-Ausgabe und bezieht sich dabei auf einen seit 9. Oktober vorliegenden Zwischenbericht der Finanzstrafbehörde Graz über die Jahre 1998 bis 2001. Die Rechtsanwälte Kartnigs, Richard Soyer und Michael Pacher, wiesen die Vorwürfe in einer Aussendung am Donnerstag entschieden zurück.

Sturm nicht kontrolliert
Laut "Kleine Zeitung" meinte Ermittlungsleiter Dietmar Schwarzl, die Erhebungen würden sich schwierig gestalten, da es zu einer "enormen Vermischung der Tätigkeiten und Vorgänge innerhalb der Firma Perspektiven und des SK Sturm Graz gekommen ist ". Die "Kleine Zeitung" berichtete weiter, eine Kontrolle beim SK Sturm habe es praktisch nicht gegeben. Auf Grund von Zeugenaussagen könne davon ausgegangen werden, dass Kartnig Machthaber des Fußball-Vereins war und ihn "als Teil seines Unternehmens, nämlich der Firma Perspektiven, geführt hat. Entscheidungen wurden fast ausschließlich von ihm im Alleingang getroffen", hieß es.

Private Spielschulden
Finanzielle Transaktionen sollen demnach verschleiert worden sein, auch Aufwendungen Kartnigs als Privatperson seien davon erfasst - Beträge, die er verwendet habe, um private Spielschulden im Casino zu begleichen, seien als Akontozahlung an den SK Sturm in die Buchhaltung der Perspektiven aufgenommen worden, hieß es im Bericht. Insgesamt sollen laut der Zeitung rund 7,2 Mio. Schilling (523.244 Euro) von Kartnig von 1999 bis 2003 als Zahlungen an den SK Sturm verbucht, tatsächlich jedoch "für die Begleichung von Spielschulden im Casino " verwendet worden sein, so die "Kleine Zeitung".

Wo sind die Millionen?
Spieler sollen zusätzlich zu ihren Gehältern Zahlungen bar auf die Hand bekommen haben, laut Bericht soll sich die derzeitige Höhe der hinterzogenen Abgaben auf rund 2,5 Mio. Euro belaufen. Unklar sei auch der Verbleib von acht Mio. Schilling (581.383 Euro), die für den Transfer des Spielers Markus Schopp vom italienischen Verein Brescia Calcio S.P.A. erlöst wurden. Fix sei nur, dass das Geld auf einem Konto bei der Raika St. Peter einging, danach mit der Zweitunterschrift des Vereinskassiers von Kartnig behoben und in seinen privaten Safe gelegt wurde, so die "Kleine".

Es soll immer wieder zu Überweisungen mit ähnlichen Beträgen zwischen Perspektiven und Sturm gekommen sein, die jedes Mal neu deklariert wurden. Für die Ermittler sei noch nicht klar, ob Kartnig den Erlös tatsächlich an den SK Sturm weitergeleitet hat, hieß es. Außerdem sollen Werbevereinbarung einmal über die Firma, dann über den Verein abgerechnet worden sein. Die Firma soll durch falsche Deklarierung von Bandenwerbung die Ankündigungsabgabe umgangen haben. Aus Erlösverkürzungen in Millionenhöhe bei den Tickets sollen Schwarzzahlungen an die Spieler ergangen sein.

Kartnigs Rechtsanwälte dementieren
Kartnigs Rechtsanwälten zu Folge seien die erhobenen Vorwürfe "unrichtig und werden daher entschieden zurückgewiesen". Kartnig habe weder "" finanzielle Transaktionen" verschleiert, noch unzulässige " Transaktionen" vorgenommen", hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Er soll auch nie Gelder für sich selbst in Anspruch genommen haben: "Sämtliche dem Verein zustehenden Gelder sind auch Sturm Graz zugeflossen und an den Verein nachweislich und belegbar weitergeleitet worden."

Soyer und Pacher wiesen darauf hin, dass sie noch keine Gelegenheit hatten, den angeblich 450 Seiten umfassenden Zwischenbericht der Finanzstrafbehörde einzusehen und dazu Stellung zu nehmen, "da bis zum Tag der Veröffentlichung die Einsicht in diese Aktteile nicht gestattet wurde. Umso befremdender ist es, dass offensichtlich unter Verletzung des Amtsgeheimnisses dieser Zwischenbericht oder Teile davon einem Medium 'zugespielt' wurde und nun dazu dient, in der Öffentlichkeit das Klima für eine Vorverurteilung zu schaffen", so die Rechtsanwälte. Außerdem sei die gesamte Darstellung im Artikel missverständlich und unvollständig.

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