Wenig Licht, viel Schatten bei Rapid

WAC im Aufwind

Wenig Licht, viel Schatten bei Rapid

Rapidler 30 Minuten stark, danach enttäuschend

Gegen den WAC gibt es für Fußball-Rekordmeister Rapid einfach nichts zu gewinnen. Auch im sechsten direkten Bundesligaduell mit den Kärntnern sind die Hütteldorfer beim 2:4 vor eigenem Publikum am Samstag sieglos geblieben. Die Wiener zeigten dabei zwei verschiedene Gesichter, es war allerdings mehr Schatten als Licht dabei.

Den Rapidlern war zu Beginn das Selbstvertrauen nach dem jüngsten 2:0 gegen Ried anzumerken, sie dominierten in der ersten halben Stunde das Geschehen, bereiteten den Kärntnern mit vielen Positionswechseln in der Offensive große Probleme und gingen durch ein Tor von Louis Schaub (10.) und einen sehenswerten Weitschusstreffer von Thanos Petsos (20.) mit 2:0 in Führung.

Steffen Hofmann ließ eine Topchance auf das 3:0 (27.) ungenützt, damit wäre die Partie wohl entschieden gewesen. "Ich bin im Rasen hängen geblieben, den muss ich aber einfach machen", ärgerte sich Rapids Kapitän. Auch die Kärntner waren sich bewusst, dass die Partie bei einem 0:3 verloren gewesen wäre. "Da wäre der 'Kas' gegessen gewesen", sagte WAC-Trainer Dietmar Kühbauer.

So blieb seine Truppe aber im Spiel und kam gleich darauf aus dem Nichts durch den Anschlusstreffer von Michael Liendl (30.) zurück. "Heute hat man gesehen, wie es im Fußball gehen kann. Aber auch solche Spiele sind für den Entwicklungsprozess der Spieler wichtig", sagte Rapid-Trainer Zoran Barisic.

Seine Mannschaft war nach dem 1:2 nicht wiederzuerkennen. "Wir haben zu wenige Chancen herausgespielt und viele Bälle unnötig verloren. Jeder Spieler hat Fehler gemacht und wir sind dafür bestraft worden. Das ist wie ein Dominoeffekt, wo einer den anderen ansteckt", meinte Barisic.

Die Kicker selbst konnten sich den Rückfall nicht erklären. "Wir haben nach 30 Minuten komplett den Faden verloren, es dem WAC mit Fehlern einfach gemacht und nicht wieder geschafft, ins Spiel zurückzukommen“, sagte Harald Pichler. Petsos ärgerten vor allem die vielen Fehler, wobei auch ihm welche unterliefen. "Wenn man solche Fehler macht, dann verliert man gegen jeden Gegner", war dem Deutsch-Griechen klar.

Die Kärntner, die am Mittwoch auch ins ÖFB-Cup-Achtelfinale einzogen, schweben hingegen weiter auf der Erfolgswelle. "Die ersten 30 Minuten waren nicht das Allerbeste, nach dem Anschlusstreffer haben die Jungs ihre Sache aber besser gemacht. Sie sind ruhiger geworden, haben sich nach vorne getraut und die Räume genützt", war Kühbauer sehr zufrieden.

Sandro Gotal (50.), Mihret Topcagic (56.) und Nemanja Rnic (70.) sorgten in der Folge nicht nur für eine Fortsetzung der Positivserie gegen Rapid, sondern auch für den zweiten Sieg im dritten Meisterschaftsspiel unter dem Ex-Rapidler Kühbauer. Nach dem 2:2 in Salzburg zeigten die Kühbauer-Schützlinge neuerlich so richtig auf. "Es läuft momentan sensationell. Wir kommen langsam wieder dorthin, wo wir letztes Jahr schon waren", analysierte Liendl.

In den letzten drei Partien holte der WAC sieben seiner neun Punkte, am Samstag schaffte er den Sprung auf Rang acht. "Wir wollen in der Bundesliga bestehen und da unten rauskommen. Da präsentiert sich die Mannschaft momentan hervorragend", zog Kühbauer ein zufriedenes Zwischenresümee. Als nächste Hürde wartet am Samstag in Kärnten der Zweite Ried.

Die viertplatzierten Hütteldorfer müssen vor dem Sonntagsspiel in Wiener Neustadt am Donnerstag in der Europa League ran. Gegen Dynamo Kiew gilt es im Happel-Stadion im Duell zweier Auftakt-Verlierer die ersten Punkte einzufahren. "Wir schauen nach vorne, wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir müssen die Fehler abstellen, dann bin ich für Donnerstag zuversichtlich", sagte Petsos. Und Barisic ergänzte: "Wir dürfen den Glauben an uns nicht verlieren."

Dieses Motto gilt auch für Wacker Innsbruck, das sich nach dem 0:1 bei Sturm Graz plötzlich an der vorletzten Stelle - nur noch zwei Punkte vor Schlusslicht Admira - wiederfindet. "Zweimal haben wir uns saudumm angestellt. Wir analysieren und weisen immer wieder auf solche Fehler hin, aber einige sind offenbar noch zu grün hinter den Ohren", schimpfte Trainer Roland Kirchler.

Weit besser war die Stimmung bei Sturm-Coach Darko Milanic. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie sehr gut zusammenspielen und über 90 Minuten eine Ordnung halten kann, auch wenn sie nicht so frisch ist", sagte der Slowene. Der Sieg seiner Truppe kam in einer an Höhepunkten armen Partie nur aufgrund eines Patzers von Innsbruck-Goalie Szabolcs Safar zustande. "Sturm hat eigentlich keine einzige Torchance gehabt, wir aber auch nicht", fasste Wacker-Spieler Thomas Löffler das Geschehen zusammen.

Mehr Action bekamen die Zuschauer in Ried zu sehen, wo sich die Gastgeber gegen Grödig 4:2 durchsetzten. Nach 20 Minuten stand es bereits 3:0 für die Innviertler, ehe sich der Aufsteiger noch einmal herankämpfte. "Wir haben nach einem katastrophalen Start wieder einmal Moral bewiesen. Die Mentalität und der Glaube in der Mannschaft sind intakt", sagte Grödig-Coach Adi Hütter, dessen Team ein Garant für spektakuläre Partien ist. In den zehn Liga-Partien mit Grödiger Beteiligung fielen 49 Tore.