Alonso hat in Brasilien Matchball

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Alonso hat in Brasilien Matchball

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Nach Doppel-Out von Red Bull steht Alonso vor dem WM-Titel.

Die "irre" Formel-1-WM 2010 hat im drittletzten Rennen eine dramatische Wende genommen. Der erste Doppelausfall dieses Jahres statt des erhofften Doppelsieges für Red Bull Racing bei der verregneten GP-Premiere in Südkorea sowie der Sieg für Fernando Alonso haben zwei Rennen vor Schluss die Karten neu gemischt. Nach vier Siegen in den vergangenen sieben Rennen kann Alonso nun schon beim nächsten Rennen am 7. November in Brasilien Weltmeister werden.

Korea-Chaos-GP in Bildern



Bullen vergeben Titel-Chance
Während das "Springende Pferd" aus Maranello jubelte, mussten die "Bullen" in Asien ihre Wunden lecken. Red Bull hätte in Yeongam schon den Konstrukteurs-Titel sicherstellen, der mit 14 Punkten Vorsprung führende Webber mit einem weiteren Podestplatz einen Riesenschritt Richtung Fahrertitel machen können. Nach einer dreistündigen Regen-Schlacht mit einstündiger Zwangs-Pause auf der Startaufstellung hieß es aber im Dunkel der hereinbrechenden Nacht kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit vielmehr "Red Null".

Bullen müssen auf Stallorder setzen
Schon beim vorletzten Lauf in Sao Paulo wird man sich bei den Austro-Briten wohl in irgendeiner Form für Mark Webber oder Sebastian Vettel entscheiden müssen. Zwar sind mathematisch immer noch fünf Piloten im Titelrennen, der jetzt mit 231 Punkten vor Webber (220) und Lewis Hamilton (210) führende Alonso kann dort als einziger des Quintetts aber bereits Champion werden.

Neues Punkteschema sorgt für Spannung
Das erste Korea-Rennen bewies freilich auch, wie verrückt es in der WM wegen des Punkteschemas mit 25 Zählern für den Sieg zugeht. Alleine im Rennen gab es mit Webber, Vettel und am Ende Alonso drei verschiedene WM-Führende. Vor dem Finale am 14. November in Abu Dhabi kann also alles schon wieder ganz anders aussehen.

Alonso freut sich über Bullen-Geschenke
Dass die beiden Red-Bull-Piloten in Korea "Geschenke" verteilten, anstatt eine WM-Vorentscheidung herbeizuführen , freute vor allem Alonso. "Nach Webbers Unfall wäre ich schon mit einem Podestplatz zufriedengewesen. Dass dann auch noch Vettel mit Motorschaden raus ist, hat unserer WM-Chance natürlich sehr gut getan", frohlockte der Spanier nach seinem 26. GP-Sieg, der ihm förmlich in den Schoß gefallen war. Der von Platz drei gestartete Asturier musste kein einziges Auto direkt überholen.

Auch Hamilton fehlerhaft
Selbst als er wegen einer Boxenpanne hinter Lewis Hamilton auf Rang vier zurückgefallen war, kam er nach einem Verbremser des Engländers kampflos wieder am McLaren vorbei. "Man hat wieder einmal gesehen, dass Formel nicht nur Mathematik ist, sondern dass man auch hin und wieder Glück braucht", sagte Alonso.

Ferrari jubelt
Bei den Italienern war der Jubel über die anhaltende Aufholjagd natürlich riesengroß. "Wir müssen jetzt in erster Linie ruhigbleiben", meinte Teamchef Stefano Domenicali und trat auf die Euphoriebremse. Er bedankte sich explizit bei den Piloten, "weil sie nicht den geringsten Fehler gemacht haben."

Abwarten und Abstauben ist zwar keine elegante Taktik, in Korea ging sie für Ferrari aber auf. Dass die beiden Red-Bull-Fahrer bei gleich 14 Poles in 17 Rennen zusammen "nur" sieben Mal gewonnen haben, während Alonso (2 Poles) alleine nun schon bei fünf Saisonsiegen hält, muss einen Grund haben. Alonso hatte der Doppelpole für Red Bull gar keine so große Bedeutung beigemessen und stattdessen auf deren Fehler am Sonntag gehofft.

Alonso schreibt Bullen (noch) nicht ab
Die Favoritenrolle wies Alonso aber dennoch von sich. "Red Bull bleibt weiterhin Favorit", meinte der gewiefte Taktiker, der zur Wochenmitte mit der Aussage überrascht hatte, dass sein erstes Ferrari-Jahr sein bisher bestes in der Formel 1 sei. Angesichts seiner zwei WM-Titel mit Renault hatte das für einige Irritation gesorgt.

Als Motivation für das Ferrari-Team, das der Spanier in kürzester Zeit an sich gerissen hat, scheint das aber allemal getaugt zu haben. Dem 29-jährigen Alonso winkt nun der dritte Fahrer-Titel, der Scuderia aus Maranello schon die 32. WM-Trophäe. 16 Mal ist man bisher Konstrukteurs-Champion geworden, 15 Mal in der Fahrer-WM.
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