Vettel nicht mehr unantastbar

Formel 1

Vettel nicht mehr unantastbar

Konkurrenz wittert Morgenluft. Aber jetzt kommt Red Bulls Paradestrecke.

Nach Sebastian Vettel s erstem wirklichen "Ausrutscher" seit langem und dem zweiten Rennen ohne Red-Bull-Sieg in Folge wittert die Konkurrenz in der Formel-1-Weltmeisterschaft endgültig Morgenluft. Zwar führt der Titelverteidiger nach Platz vier beim Heimrennen auf dem Nürburgring zur Saison-Halbzeit weiter überlegen, mit der zweiten Niederlage in Folge hat Vettels Überlegenheit aber Kratzer bekommen. Schon am kommenden Sonntag will der Weltmeister bei wärmeren Temperaturen auf dem Hungaroring zurückschlagen und vor der Sommerpause die alten Verhältnisse wieder herstellen.

Nie auf Touren gekommen
Der Deutschland-Grand-Prix hingegen soll möglichst rasch als "Ausnahmeereignis", als Rennen unter außergewöhnlichen Bedingungen abgehakt werden. Speziell Vettel war bei 13 Grad Luft- und 15 Grad-Asphalttemperatur nie wirklich auf Touren gekommen bzw. hatten die Reifen des Jungstars nie den optimalen Grip gefunden. Dazu kam der Trubel bei einem Heimrennen und letztlich der Dreher im Rennen, Vettels erstem richtigen Renn-Fahrfehler in dieser Saison.

Vettel hat sich "nicht wohlgefühlt"
Gründe waren also schnell gefunden, um das "schlechteste" Vettel-Ergebnis seit langem zu erklären. Erstmals seit elf Rennen war der Jungstar nicht unter den Top-Zwei ins Ziel gekommen. "Es war seltsam. Irgendwie bin ich einfach nicht schneller geworden und konnte nicht mithalten. Ich habe mich einfach nicht hundertprozentig wohl gefühlt im Auto", rätselte Vettel. "Es wird aber immer solche Rennen geben, in denen nicht alles rund läuft", sprach der 24-Jährige die tiefen Temperaturen an.

Technische Überlegenheit weg
Fakt ist freilich auch, dass die Überlegenheit der Bullen seit den technischen Beschränkungen der von Red Bull perfektionierten "Zwischengaslösung" prinzipiell gelitten hat. Waren sich Ende Juni in Valencia noch Pole und Sieg für Vettel ausgegangen, ist seitdem der Wurm drin. Zweiter in Silverstone, jetzt gar nur Vierter beim Heimrennen, da war fast schon Alarmstimmung angesagt. "Eines ist an diesem Wochenende endgültig klar geworden. Die Konkurrenz hat aufgeholt. Wir müssen also noch härter an unserem Auto arbeiten", forderte der Weltmeister.

Klare Worte fand auch Teamkollege Mark Webber. "In den vergangenen drei Rennen hat es sich etwas zusammengeschoben. Man muss nicht Einstein sein um zu bemerken, dass wir weiterhin hart arbeiten müssen", sagte der Australier, dem vor allem Sorgen macht, dass die Konkurrenz am Sonntag im Rennen immer stärker wird.

Konkurrenz nimmt sich gegenseitig Punkte weg
Allerdings nehmen sich mit dem in den englischen Gazetten groß gefeierten Nürburgring-Sieger Lewis Hamilton ("Wir sind zurück im Ring, es sind noch 225 Punkte zu holen") und dem zweitplatzierten Ferrari-Star Fernando Alonso ("So lange es rechnerisch möglich ist, geben wir nicht auf") die Hauptkonkurrenten die Punkte gegenseitig weg. Deshalb führt der sechsfache Saisonsieger Vettel nach 10 von 19 Saisonrennen immer noch relativ "bequem" 77 Punkte vor Webber und 82 vor Hamilton, der jetzt wieder Dritter ist, während sein McLaren-Teamkollege Jenson Button wohl schon aus dem WM-Rennen ist.

Horner: "Weckruf"
Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner sprach von einem "Weckruf", relativierte aber auch das Deutschland-Ergebnis. "Sebastian hat nur drei Punkte verloren und in der Konstrukteurs-WM haben wir die Führung sogar ausgebaut. Das Ergebnis war also alles andere als eine Katastrophe", sagte der Engländer.

Vorfreude auf Hungaroring
Optimismus ist also trotz allem angesagt, zudem ist der Hungaroring DIE Red-Bull-Strecke überhaupt. Im Vorjahr fuhren Vettel und Webber in Budapest Kreise um die Gegner. Zumindest im Qualifying, denn nach Vettels "Anfängerfehler" im Rennen ging der Sieg an Webber. Vettel ist in der Puszta hingegen noch immer sieglos. "Ich schaue aber sehr positiv auf das kommende Wochenende und hoffe, dass es in Ungarn ein bisschen wärmer sein wird", sagte Vettel auf seiner Homepage. "Vergangenes Jahr ist es dort für uns gut gelaufen, aber darauf verlassen wir uns natürlich nicht."