Spielberg-Drama

Norris schießt nach Crash gegen Verstappen

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Ein epischer Zweikampf in der Schlussphase des Formel-1-Spektakels in Spielberg könnte einen Keil in die Freundschaft zwischen Max Verstappen und Lando Norris treiben.

Der Crash in der 64. Runde hat beiden die Chance auf den Sieg geraubt und zu einer vorzeitigen Funkstille geführt. "Wird die Freundschaft zwischen Max und mir enden? Ich weiß es nicht, es wird von ihm abhängen und davon, wie er es erklärt", sagte Norris am Sonntag bitter enttäuscht.

Norris war im Nachgang des Rennens, das Mercedes-Pilot George Russell gewann, gar nicht gut auf Verstappen zu sprechen und kündigte im Interview mit Sky Italia sogar an: "Wenn er behauptet, dass er Recht hat, wird es vorbei sein, wenn er zugibt, dass er etwas Dummes getan hat, werde ich es verstehen." Verstappen sagte: "Es war ein komischer Kontakt."

Der Niederländer erklärte, er habe nicht das Gefühl gehabt, "dass irgendwie etwas Aggressives in diesem Manöver war". Die Stewards jedoch machten ihn nachher für die Kollision ursächlich verantwortlich, weil er die Außenseite der Kurve zugemacht habe. Strafmaß: plus zehn Sekunden und zwei Strafpunkte. "Das ist lächerlich", schimpfte der Dreifach-Champion am Boxenfunk. "Er kann einfach nach links oder rechts gehen. Was soll ich da machen?" Er habe seinen Red Bull nicht verbotenerweise in der Bremsphase noch einmal bewegt, beharrte er nachher.

Freundschaft auf der Kippe

Die bisher enge Freundschaft der beiden steht nun vor einer Belastungsprobe. "Wenn Max sagt, dass er nichts falsch gemacht hat, verliere ich eine Menge Respekt vor ihm", sagte Norris. "Wir werden darüber reden, aber nicht jetzt", kommentierte Verstappen den Status quo der Beziehung. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt."

Der von der Pole Position gestartete Verstappen hatte die Anfangsphase des Rennens dominiert, wurde aber nach einem langsamen zweiten Boxenstopp und einem Verbremser von Norris eingeholt. Der McLaren-Pilot unternahm anschließend mehrere Versuche, seinen Red Bull-Rivalen zu überholen. "Es war ja phasenweise ein ganz toller Kampf. Bis es dann ausgeartet ist, wer drängt wen mehr ab, wer verletzt mehr die Track Limits", sagte Red-Bull-Konsulent Helmut Marko über das fesselnde Finish in Spielberg.

Sieben Runden vor Schluss kam es dann nach mehreren Attacken in Kurve 3 zu einem knallharten Fight und einer Berührung. Dabei trugen beide Reifenschäden davon, zusätzlich war bei dem Briten Norris der Frontflügel lädiert. Beide rollten den restlichen Weg der Strecke bergab an die Box. Norris musste aufgeben, Verstappen konnte sich immerhin auf den fünften Platz retten - und baute damit seinen WM-Vorsprung auf 81 Punkte aus.

Horner sieht Schuld bei Norris

Bei der Bewertung der Kollision gingen die Meinungen nachher weit auseinander. "Ich habe einen fairen, respektvollen Kampf geliefert, aber das ist nicht das, was ich als Gegenleistung bekommen habe", betonte Norris. Verstappen bekam verbale Unterstützung von seinem Teamchef Christian Horner. "Er (Norris; Anm.) hat sich da nicht korrekt verhalten", meinte der Brite. Marko hingegen sagte: "Ich würde sagen, dass beide unnötig hart gefahren sind."

Lachender Dritter in diesem Fall war Mercedes. Für die "Silberpfeile" nahm das Duell der zwei Streithähne den bestmöglichen Ausgang. "Man sieht die beiden da vorne, wie sie sich hart bekämpfen. Wir wissen, dass sie wirklich gute Freunde sind, und es hat Spaß gemacht, ihnen zuzusehen, so habe ich es zu diesem Zeitpunkt wahrgenommen", erzählte Teamboss Toto Wolff. "Natürlich wurde es dann etwas heftiger, und dann haben wir gesagt, dass es möglich sei, dass sie zusammenstoßen. Es ist tatsächlich passiert, beide hatten einen Reifenschaden. Wir konnten es nicht glauben, als wir es sahen."

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