Konkurrenz-Serie "funktioniert nie"

Formel 1

Konkurrenz-Serie "funktioniert nie"

Formel 1-Legende Lauda glaubt nicht an an den "Schwachsinn" und plädiert für Gespräche. Denn: Mosley denkt nicht an Rücktritt.

Rien ne va plus - nichts geht mehr. Die Formel 1 ist in einer Sackgasse angekommen. Nach der Ankündigung von acht der zehn aktuellen Teams, eine eigene Rennserie zu gründen, kommunizieren die Konfliktparteien nur noch über ihre Anwälte. Bei einer Einigung droht ein Gesichtsverlust - entweder für FIA-Präsident Max Mosley oder der Teamvereinigung FOTA. Als möglicher Vermittler gilt nur noch F1-Vermarkter Bernie Ecclestone.

Jungstar Sebastian Vettel nimmt auch den Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien am Sonntag aus der Pole Position in Angriff. Der 21-jährige Deutsche, der in einem deutlich verbesserten Red Bull schon die freien Trainings dominiert hatte, verwies die Konkurrenz am Samstag im Qualifying in Silverstone in 1:19,509 Minuten deutlich auf die Plätze. Hinter Vettel landeten Brawn-Pilot Rubens Barrichello (1:19,856) und Red-Bull-Teamkollege Mark Webber (1:19,868) auf den Rängen zwei und drei. WM-Dominator und Lokalmatador Jenson Button kam nicht über Platz sechs hinaus. Startaufstellung am Ende der Geschichte.

Langer Rechtsstreit droht
Für Ecclestone geht es um Millionen - und sein Lebenswerk. Der 78-jährige Brite steht der Formel 1 seit den 70er Jahren vor. Mittlerweile generiert die Königsklasse jährlich mehr als eine Milliarde Euro. Die großen Teams wollen mehr vom Kuchen, ein Mitgrund für das jüngste Aufbegehren. Die FIA geht aber davon aus, dass die FOTA-Teams vertraglich an die Formel 1 gebunden sind. Ein monatelanger Rechtsstreit könnte die Folge sein.

Misstrauensvotum gegen Ferrari?
Die FIA hat sich selbst Spielraum verschaffen, indem sie die endgültige Startliste für 2010 erst nach Prüfung der Rechtslage verkündet. Am Mittwoch tagt in Paris der Motorsport-Weltrat, in dem mit Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo auch der Anführer der FOTA-Rebellen sitzt. Ein Misstrauensvotum scheint möglich, die Absetzung der Reizfigur Mosley aber unwahrscheinlich. Der 69-Jährige muss sich erst im Oktober der Wiederwahl stellen.

"Konkurrenzserie ist Fantasie"
Mosley denkt nicht an Rücktritt. "Die Leute in der FIA sagen mir, dass ich bleiben muss - gerade weil wir diese Probleme haben", erklärte der Engländer. Von der Konkurrenzserie will er sich nicht beunruhigen lassen, sei diese doch in der kurzen Zeit viel zu schwer umzusetzen. "Das ist pure Fantasie. Sie wissen, dass das nicht funktioniert. Sie wollen nur die Macht und das Geld. Ich werde nicht zulassen, dass das passiert", versicherte Mosley.

"Schwachsinn funktioniert nie"
Ausreichend Strecken und TV-Partner würde die FOTA mit ihren Topteams und Topfahrern zwar finden, darüber hinaus aber auch Sponsoren, Vermarkter und Logistikpartner. "Für mich ist das inzwischen eine echte Alternative", gab Rekordweltmeister Michael Schumacher der Rennserie in seiner Funktion als Ferrari-Berater eine Chance - im Gegensatz zu Niki Lauda. "Das ist Schwachsinn und wird nie funktionieren", meinte der Österreicher.

"Das Dümmste, was man machen kann"
Schon in den USA habe die Aufspaltung in IndyCar und ChampCar dem Rennsport erheblich geschadet. "Zwei Serien wären das Dümmste, das man machen kann", meinte Lauda. Stattdessen forderte der dreifache Weltmeister eine Rückkehr an den Verhandlungstisch - und einen ersten Schritt von Mosley. Absetzbar sei der umstrittene FIA-Präsident so einfach nämlich nicht. "Der hat letztes Jahr viel mehr überstanden", erinnerte Lauda an dessen Sex-Skandal.

Die Zügel über ihre Rennpferde scheinen Mosley und Ecclestone aber erstmals entglitten zu sein. Erfolgsteamchef Ross Brawn brachte es auf den Punkt: "Die Formel 1 gehört nicht den Teams, sie gehört niemandem - sie gehört den Menschen." 100.000 davon waren am Samstag zum Qualifying nach Silverstone gepilgert.

Ihre Anziehungskraft hat die Königsklasse also auch in Zeiten politischen Hick-Hacks nicht verloren. Auch deshalb wollte sich Red Bull am Wochenende auf die sportliche Leistung konzentrieren. "Das funktioniert offensichtlich ganz gut", meinte Motorsport-Konsulent Helmut Marko mit Blick auf das stark verbesserte Auto. "Für uns ist es wichtig, dass es eine vernünftige Entscheidung gibt." Je früher, desto besser. Denn die Planungssicherheit liegt in der Formel 1 derzeit praktisch bei null.

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Startaufstellung für Sonntag

1. Reihe:
1. Sebastian Vettel (GER) Red Bull 1:19,509 Min.
2. Rubens Barrichello (BRA) Brawn GP 1:19,856

2. Reihe:
3. Mark Webber (AUS) Red Bull 1:19,868
4. Jarno Trulli (ITA) Toyota 1:20,091

3. Reihe:
5. Kazuki Nakajima (JPN) Williams 1:20,216
6. Jenson Button (GBR) Brawn GP 1:20,289

4. Reihe:
7. Nico Rosberg (GER) Williams 1:20,361
8. Timo Glock (GER) Toyota 1:20,490

5. Reihe:
9. Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari 1:20,715
10. Fernando Alonso (ESP) Renault 1:20,741

6. Reihe:
11. Felipe Massa (BRA) Ferrari 1:18,927
12. Robert Kubica (POL) BMW-Sauber 1:19,308

7. Reihe:
13. Heikki Kovalainen (FIN) McLaren-Mercedes 1:19,353
14. Nelson Piquet jr. (BRA) Renault 1:19,392

8. Reihe:
15. Nick Heidfeld (GER) BMW-Sauber 1:19,448
16. Giancarlo Fisichella (ITA) Force India 1:19,802

9. Reihe:
17. Sebastien Bourdais (FRA) Toro Rosso 1:19,898
18. Adrian Sutil (GER) Force India 1:19,909

10. Reihe:
19. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes 1:19,917
20. Sebastien Buemi (SUI) Toro Rosso 1:20,236