Die Analyse von Vincent Kriechmayr nach Platz sechs in der Olympia-Abfahrt fiel simpel aus.
"Es hätte alles gepasst, die Leute haben sich im Hintergrund den Allerwertesten aufgerissen. Man muss es halt auch auf den Punkt bringen, und das ist mir bei der einen Kurve nicht gelungen", sagte Österreichs Speed-Star. 27/100 fehlten beim Sieg des Schweizers Franjo von Allmen in Bormio auf das Podest. "Vom Speed her hätte ich durchaus mitkämpfen können. Es erlaubt keine Fehler mehr."
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Damit muss Kriechmayr weiter auf seine erste Olympia-Medaille warten. "Ich hätte nur besser fahren müssen, dann würde ich jetzt lachen." Als knapp bester Österreicher, auf Platz sieben folgte Daniel Hemetsberger, sicherte sich Kriechmayr zumindest jenes Ticket mit den besten Aussichten für die Team-Kombination am Montag. Für ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer ist das Gespann Kriechmayr/Manuel Feller mehr oder weniger fix. "Der schnellste Abfahrer soll mit dem schnellsten Slalomfahrer fahren, das ist in dem Fall der Vinc."
Hemetsberger "quasi stolz"
Vorstellbar war es für Pfeifer auch, den nach seinem Trainingssturz überraschend starken Hemetsberger mit Marco Schwarz zusammenzuspannen. "Ich bin ganz zufrieden, weil vor zwei Tagen hätte ich nicht geglaubt, dass ich da noch einen Schwung runterfahre. Es ist ein Haufen richtig guter Athleten hinter mir", erinnerte Hemetsberger. Ich war nicht weit genug vorne, um eine Medaille für unser Land zu holen, aber was soll ich mir vorwerfen? Ich bin quasi stolz."
Nicht zuletzt war der redselige Hemetsberger nach "seinem" Olympia-Moment ein auch international enorm gefragter Interviewpartner. "Recht viele haut es nicht so auf die Pappn und dann fahren sie noch. Ich wäre lieber nach der Abfahrt in aller Munde gewesen, weil ich gewonnen habe, nicht wegen meinem Sturz."
"Von den Favoriten hat keiner ausgelassen"
Mit dem Schweizer Franjo von Allmen vor den beiden Italienern Giovanni Franzoni und Dominik Paris spiegelte die Olympia-Abfahrt die momentanen Kräfteverhältnisse im Abfahrtssport exakt wider. Erst danach folgt im Regelfall Team Österreich. "Wir wussten, Vinc ist unser großes Eisen. Die anderen haben geliefert, von den Favoriten hat keiner ausgelassen", meinte Chefcoach Pfeifer. "Für ein Weltcup-Ergebnis wäre es schön gewesen. Da ist es eben keine Medaille."
Den Zustand des Abfahrtsteams, Raphael Haaser (15.) und Stefan Babinsky (26.) waren schon im Vorfeld quasi chancenlos, sei laut Pfeifer zu akzeptieren. Zumal mit Stefan Eichberger die aussichtsreichste Aktie mit einem Kreuzbandriss außer Gefecht ist. "Das ist eine Dauerschleife, darüber können wir ewig reden. Wir wissen, was wir zu tun haben, können das nicht kurzfristig ändern. Wir haben vor Jahren erkannt, dass da ein Riesenloch ist", sagte Pfeifer. Besserung ist - langfristig - möglich. "Wenn man auf die Jahrgänge 2008/2009 schaut, dominieren wir. Es wird gearbeitet, aber bis zur Weltspitze dauert es. Wir werden mit den Athleten, die wir zur Verfügung haben, geduldig weiterarbeiten."