Clijsters kämpft Li Na nieder

Australian Open

Clijsters kämpft Li Na nieder

Belgierin setzt Erfolgslauf fort, gewinnt zum ersten Mal Australian Open.

Die Belgierin Kim Clijsters ist die derzeitige Dominatorin im Damen-Tennis. Nach ihrem im September eingespielten dritten US-Open-Titel und dem Sieg beim WTA-Championship schlug sie am Samstag erstmal bei den Australian Open zu. Die 27-Jährige besiegte im Finale die Chinesin Li Na 3:6,6:3,6:3 und hat nun die Chance, mit Erfolgen heuer bei den French Open und in Wimbledon quasi den "Kim Slam" zu schaffen. Rafael Nadal hatte nach drei Major-Siegen in Melbourne den "Rafa Slam" verpasst.

Li Na ermahnt eigene Fans
Clijsters machte die ersten acht Punkte, Li fand dann aber rasch ihren Rhythmus. Nach dem Rebreak hatte die 28-Jährige Satz eins im Griff, durchbrach ein weiteres Mal Clijsters' Service. Durchgang zwei begann mit vier Breaks, das entscheidende zum Satzgewinn gelang der leichten Favoritin zum 4:3. Nach Unmutsäußerungen aus dem Publikum meinte Li zu Stuhlschiedsrichterin Alison Lang etwas entnervt: "Könnten Sie den Chinesen sagen, dass sie mir nicht erklären sollen, wie ich spielen soll?!"

Clijsters' Routine setzt sich durch
Vor der Partie hatten chinesische Fans den Melbourne Park mit einem roten Fahnenmeer eingenommen, doch ihre Hoffnung auf den ersten Grand-Slam-Sieg für China bzw. Asien erfüllte sich nicht. Anders als zwei Wochen davor im Sydney-Finale ließ sich Clijsters von Li nicht überrumpeln. Nach einer im dritten Satz umkämpften Anfangsphase ging die nun vierfache Siegerin von Major-Events 4:1 in Front, servierte nach einer Spielzeit von 2:05 Stunden mit ihrem ersten Matchball aus.

"Jetzt bin ich Aussie-Kim"
Danach flossen bei der als Nummer drei gesetzt gewesenen Siegerin die Freudentränen. Sie verhüllte ihr Gesicht in einem Handtuch und ließ ihren Emotionen freien Lauf. "Jetzt dürft ihr mich Aussie-Kim nennen", teilte Clijsters den jubelnden Zuschauern mit. "Wenn Australien nicht so weit weg von Belgien wäre, würden meine Familie und ich viel öfter hierher kommen." Seit ihrer Liaison mit dem Ex-Weltranglisten-Leader Lleyton Hewitt haben sie die Australier in ihr Herz geschlossen.

Für ihren insgesamt vierten Grand-Slam-Titel nach den US Open 2005, 2009 und 2010 kassierte sie ein Preisgeld von umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro. Durch ihren insgesamt 41. Turniersieg wird Clijsters in der neuen Weltrangliste erstmals seit viereinhalb Jahren wieder Platz zwei einnehmen. Leaderin bleibt Caroline Wozniacki, die im Halbfinale an Li gescheiterte Dänin wartet weiter auf ihren ersten Major-Triumph. Li wird sich von elf auf sieben verbessern, noch nie war eine Chinesin besser.

Verliererin "Siegerin der Herzen"
Li ist trotz der Niederlage mit ihrer lustigen und weltoffenen Art nicht nur in Australien zum Publikumsliebling geworden, sondern auch in ihrer Heimat zum absoluten Sportstar aufgestiegen. Seit ihrem Siegeszug wird sie im Reich der Mitte "Goldene Blume" genannt. Während sie ihre Enttäuschung schnell überwunden hatte, flossen bei Ehemann und Trainer Jiang Shan noch ein paar Tränen. Doch Li Na hatte wie immer in diesen zwei Wochen einen lockeren Spruch für ihn auf den Lippen.

"Egal ob du dick bist oder dünn, attraktiv oder hässlich. Ich liebe dich über alles und folge dir überall hin", sagte die Chinesin nach ihrer ersten Niederlage in diesem Jahr. Insgesamt 13 Breaks hatten etwa 15.000 Zuschauer in der Rod Laver Arena in einem nicht immer hochklassigen Match gesehen. Clijsters hatte im Vorfeld der Partie gesagt, dass es vermutlich ihre letzte volle Saison auf der Tour sei. Von 2007 bis 2009 hatte sie eine Baby-Pause eingelegt, ihre Tochter Jada ist knapp drei Jahre alt.

Lob für Chinesin
"Li na war definitiv eine harte Gegnerin", zollte die in einer grünen Dress angetretene Clijsters ihrer Gegnerin Lob. "Ich war bei vielen Rallies in der Defensive, das mag ich gar nicht." Im zweiten Durchgang hatte sie aber bei Li Nervosität ausgemacht, als diese nur drei Game-Gewinne vom Sieg weg war. Die Asiatin kündigte danach prompt an, es 2012 wieder versuchen zu wollen. "Wir sehen uns im nächsten Jahr", kündigte sie an.

Doppel-Titel für Bryan-Brüder
Im Herren-Doppel holten die topgesetzten US-Zwillinge Bob und Mike Bryan mit einem 6:3,6:4 gegen die indische Nummer-3-Paarung Mahesh Bhupathi/Leander Paes ihren fünften Titel bei diesem Major, seit 2006 waren sie nur 2008 im Viertelfinale gescheitert. Bei den vergangenen sechs Auflagen verloren die heurigen Viertelfinal-Bezwinger der Wimbledon-Sieger Jürgen Melzer/Philipp Petzschner (AUT/GER) nur eines von 33 Matches bei diesem Turnier. Es ist der zehnte Grand-Slam-Titel der Bryans.

Die nach neun Jahren wieder auf Grand-Slam-Ebene zusammengekommenen Bhupathi und Paes verpassten es, auch den vierten Grand-Slam-Titel zu holen. 1999 waren sie gemeinsam im Finale unterlegen, Paes erreichte auch 2006 und 2009 das Endspiel. Alle drei anderen Grand-Slam-Titel haben der 36-jährige Bhupathi und der 37-jährige Paes gewonnen.